ALFELD / Ev. Kirche St. Nicolai / Taufstein
Ev. Kirche St. Nicolai. Die riegelartige Doppelturmfassade der drei- schiffigen Hallenkirche mit geradem Ostschluß beherrscht das
Stadtbild.
Baugeschichte. Nachrichten zu dem im mittleren Joch in Teilen überkommenen Bau des frühen 13.Jh. fehlen. Im 15.JI1. in 2 Abschnitten Erweiterung zur gotischen
Halle: Anfänglich die 3 westl. Joche ausgeführt, dann etwa gleichzeitig bis A. 16. Jh. die Ostteile und unter Verwendung älterer Reste die Doppelturmanlage
(1488 genannt) erneuert; Altarnennungen seit 1482, in diese Zeit wird auch der ehem. Hauptaltar des Braunschweigers C. Borgentrik datiert (seit 1889 in
Köln, Minoritenkirche). Sonnenuhr östl. des Südportals dat. 1519.— Die zweigeschossigen Anbauten in den Winkeln am Chor A. 16. Jh. (der nördl. dat. 1503);
bis 1423 (dat.) die Steinbergsche Kapelle an der Südseite angefügt, die heute allein dem rechteckigen Gesamtgrundriß angelagert ist; aufgestockt 1588 (dat.).- Seit 1746 die
urspr. Dachgliederung durch ein hohes Satteldach mit Dachreiter ersetzt. 1885 südl. Turmhelm nach Brand erneuert, der nördl. in spätgotischer Form erhalten; im Anschluß 1888—92
purifizierender Umbau und Restaurierung. - 1977/78 Instandsetzung des Innenraums, Vermalung nach Befund.
Material. Überschlämmtes Bruchsteinmauerwerk; Turmanlage, der Ostgiebel und die Architekturgliederungen gequadert; in den unteren Lagen weiß-graue Steine, wohl
Material der alten Kirche.
Außenbau. Die Ausdehnung des romanischen Querhauses maßgebend für die Breite der A. 15. Jh. begonnenen Halle. Der Bau von Strebepfeilern gestützt und von einem
verkröpften, mehrmals versprin- genden profilierten Quadersockel umlaufen. Spitzbogige Maßwerkfenster, im östl. Teil insbesondere in den chorbegleitenden Nebenräumen reich
ausgebildet. Die Seitenschiffe trugen urspr. Zwerchgiebel. Nordportal unter Spitzbogengiebel mit Kreuzblume, Türarchivolten profiliert, Konsolsteine mit Figurenschmuck; auf den
unteren Kaffgesimsen der seitlichen, in die Portalanlage einbezogenen Strebepfeiler standen ehern, links Maria mit dem Kind und rechts der hl. Nikolaus (z.Zt. im Kircheninnern
deponiert).
Spätgotische
Doppelturmanlage 1488 erbaut, dabei wahrscheinlich die Treppenspindel des Südturms vom Vorgängerbau übernommen. Blendengliederung nach romanischer
Art, senkrecht durch Eck- und 2 Mittellisenen, waagerecht durch 2 durchlaufende, profilierte Gesimse. An den Außenseiten ins Achteck übergehend und in niedrigen Türmen endend;
die schlanken, von Türmchen umstellten, achtek- kigen Pyramidenhelme sind im unteren Teil durch ein Querdach mit Erkern verbunden. Über dem Westportal 2 Maßwerknischen und ein
Rundfenster mit Dreipässen. Rundfenster an den Seiten des Untergeschosses. Spitzbogenfenster in den oberen Geschossen. Stiftung eines Bartholomäus-Altares in einer früheren
Kapelle des Nordturms für 1486 bezeugt, die Gewölbe dort verloren.
Inneres. Im mittleren Joch wohl das Querhaus des spätromanischen Vorgängerbaus erhalten; starke Kreuzkernpfeiler tragen über kräftig profilierten Kämpferplatten
die 3 Kreuzgratgewölbe und die Gurtbögen, traditionelle Ecksäulchen mit ornamentierten Würfelkapitellen und mit schiffskehlenartig auslaufenden Endigungen anstelle von Basen.
In den gotischen Teilen Kreuzrippengewölbe auf achteckigen, kämpferlosen Pfeilern. Gekehlte Rippen und Quergurte auf profilier ten Konsolen, an der Südwand mit Laubwerk und
Köpfen geschmückt. Die Pfeiler in dem um 3 Stufen erhöhten Chor gekehlt; im O liegen die Gewölbescheitel etwa 1 m bis 1,50 m höher als im romanischen Teil. Die figürlichen
Schlußsteine z.T. fast vollplastisch, u.a. Christus, ein Bischof (Nikolaus?), Johannes d.T., Einhorn, Köpfe, Engel vor einem Kelch kniend, Wappen, schließlich über dem Altar
das Lamm mit dem Pedum; im Westteil nur Rosetten. - Doppelgeschossige Choranbauten: Im nördl. Obergeschoß kapellenartiger Raum mit Kreuzgewölbe auf Kopfkonsolen (ehern, von der
Kalandbruder- schaft genutzt), bis 1888 als Prieche zum Mittelschiff geöffnet. Das südl. Pendant die heutige Sakristei, im Erdgeschoß mit Netzgewölbe auf Mittelpfeiler.
Genehmigung zum Bau der
Steinbergschen Kapelle bereits 1409 u.a.durch den Hildesheimer Bischof. Untergeschoß mit 2 Kreuzgratgewölben auf Konsolen, dabei
durchdringt die Gurtrippe die gekehlten Diagonalrippen; in den Schlußsteinen Wappen (v. Steinberg und v. Klenke); Obergeschoß ehern, als Ratsprieche mit Kamin emporenartig
geöffnet, reiche Maßwerkfenster.
Ausstattung. Spätromanisches Triumphkreuz aus Holz 2. V. 13. Jh., Dreinageltypus, dem großen Kreuz mit vierpaßähnlichen
Endigungen ist ein kleineres aufgelegt, dessen Querarme von 2 schwebenden Engeln gehalten werden; unten fangen 2 Engel das Blut auf, darunter im Fuß Relief der Opferung Isaaks,
oberer Abschluß verloren.- Achteckiger
Taufstein E. 14. Jh. (Fuß neu), bewegte Laubwerkkante, darunter 8 Relieffiguren (Madonna mit Kind, Hll. Drei Könige,
Johannes d.T., Petrus und Paulus, hl. Nikolaus).— Sakramentshaus A. 15. Jh., jetzt in der Turmhalle, nachreformatorisch als Opferstock umgearbeitet, im vergitterten Schrein ein
Marienbild, über dem Maßwerkbaldachin eine sitzende Madonna.— Orgelprospekt durch H. Schaper, Hildesheim, 1862 gotisierend erneuert; an der Westempore
Gemälde-Zyklus mit neutestamentarischen Szenen, wohl Ende 17 -Jh.
Zahlreiche
Grabdenkmäler und Epitaphe 16.-18.Jh.: In der westl. Vorhalle für Amtmann Hinrich Heinemeier (+1568), bez. „AR“ (= Arnold
Wed[de]); für Pastor Henrich Martin Eckhardt (+1669).- In der Steinbergschen Kapelle 2 vorzüglich erhaltene Renaissance-Epitaphe: für Catharina v. Steinberg
(+1568), bez. „AR“, die Architekturrahmung von Wappenreliefs überzogen, Beschlag- und Schweifwerkornamentik; in ähnlichem Dekor für Marghreta v. Steinberg (+1576), die
Verstorbene mit Familie unter dem Kreuz kniend. Barocke Inschriftenplatten mit Vanitasmotiven. - In dekorativer Anordnung im nördl. Seitenschiff barocke Schnitzfiguren des
Hochaltars von 1738 wohl aus der Bartels-Werkstatt, Hildesheim.— Kleine Glocke 14. Jh.; Läuteglocke dat. 1468, figürliche Reliefs; die
Viertelstundenschlagglocke wohl um 1500.

