ALTENKIRCHEN / Ev. Kirche / Grabsteine

Ev. Kirche. Dreischiffige Stufenhalle, 2. H. 14. Jh. Der eingezogene Chor mit halbrunder Apsis 1246 (d) unter Dach. Im Kern eine der ältesten, u. a. noch von ostdänischen Vorbildern beeinflussten Dorfkirchen Rügens, urspr. als dreischiffige Backsteinbasilika von vier Joche n mit apsidial geschlossenem Chorquadrat errichtet. Das basilikale Langhaus mit den östl. Seitenschiffswänden sowie dem ungewölbten Mittelschiff 1262 (d) unter Dach. Westabschluss unbekannt. Der Sockel von Chor und östl. Seitenschiffswänden aus Feldstein, das Abschlussprofil aus Backstein an der Apsis mit plastischem Palmettenfries; die Wände lisenengegliedert, dazwischen am Chor Kreuz­bogenfriese, unter der Traufe vertiefte Putzbänder, an der Apsis Kreuzrautenfries auf Kopfkonsolen und doppelter Zahnfries. Die Fenster der Apsis in Rundbogenblenden, die später veränderten des Chores zwischen Rautenblenden. Chorgiebel mit drei gekuppelten Rundbogenblenden und Putzresten einer ehem. aufwendigen Gestaltung. In der Chorsüdwand wohl nachträglich verbreitertes Rundbogenportal, davor die kreuzrippengewölbte Vorhalle spätmittelalterlich, ebenso die Nordsakristei aus Feldsteinen mit Blendengiebel aus Backstein.
In 2. H. 14. Jh. Erweiterung des Langhauses zur dreischiffigen Stufenhalle, Seitenschiffswände im unteren Teil aus Feldstein und Verlängerung um zwei westl. Joche; gleichzeitig Einwölbung einschließlich des Chorjoches und Aufbringung eines gemeinsamen Schiffsdaches, die Seitenschiffsfenster segmentbogig. Die Gewölbe des Langhauses im 17. Jh. z. T. erneuert. 1911 Westwand verändert und das spitzbogige Westportal zum Fenster umgestaltet. Die südl. Schiffsportalvorhalle 19./ 20. Jh.
Im Inneren der Chor noch weitgehend romanisch: am Triumphbogen mit kräftigem Unterzug und am gestuften Apsisbogen verkröpftes Kämpferprofil aus zwei Wulsten und trennender Kehle ( >> Marienkir­che Bergen), das sich als einfacher Wulst unter der Apsiskalotte fortsetzt; unter den Rundbogenblenden der Apsisfenster Kopfkonsolen, Chorseitenwände mit je zwei gekuppelten Rundbogenblenden. Im Langhaus romanische Kreuzpfeiler mit unterschiedlichen Sockel- und Kämpferprofilen, darüber stumpfspitze Scheidbögen auf breiten Unterzügen; die Obergaden-Lanzettfenster zugesetzt, von den späteren, aus der Wand aufgehenden Kreuzrippengewölben überschnitten und segmentbogig geschlossen, ihre urspr. Spitzbögen und Kreisblenden mit Resten von Putzgestaltung oberhalb der Gewölbe im Dachraum sowie in den Seitenschiffen sichtbar. Einen mit dem Chor geplanten Pfeilertyp vertritt die südl. Arkadenvorlage an der Ostwand, auf erneuertem Sockel eine gedrungene Halbsäule mit Trapezkapitell und Schaftring wie in dänischen Kirchen, eine entsprechende Vorlage im nördl. Seitenschiff beim Bau der Kanzel abgetragen. – Die teilweise backsteinsichtige romanische Architekturfarbigkeit des Chores und farbige Fassung der Gewölbe 1966 – 69 nach Befund rekonstruiert; gleichzeitig figürliche Wandmalerei, 3. Dr. 14. Jh. (Medaillon mit Christuskopf; Drolerien und Wappenschild), freigelegt.
Altaraufsatz, Holz, 1724 von E. Keßler, Stralsund. Architektonisch gegliederter Aufbau mit hohem Sockel, gekoppelten Säulen, Architrav und geschweiftem Giebel; Altarblatt 1863 von C. G. Pfannschmidt, „Der im Meer versinkende Petrus“, darüber „Gethsemane“; als Figu­renschmuck fünf bewegte Engelsfiguren, als Schnitzdekor Akanthus und Blattschnüre. Wappen des Stifters A. C. v. Bohlen und seiner Ehefrauen. Gleichzeitig der stehende Taufengel von Keßler. Altarschranke 1861. – Kalksteintaufe, vor 1250 als frühes Exemplar aus Gotland nach Rügen eingeführt. Die flachzylindrische Kuppa an der Unterseite gewölbt, mit vier plastisch vortretenden Männerköpfen. Taufschüssel, Messing, A. 17. Jh., im Boden getriebene Mond­sichelmadonna im Strahlenkranz. – Triumphkreuz, Corpus E. 14. Jh., Kreuz von 1839 mit Vierpässen von 1976, seitdem auf neuem Triumphbalken. – Westempore um 1750, Mittelteil 1797 zur Aufstellung der Orgel nach Osten erweitert, 1969 verändert und aufgedeckte emblematische Brüstungsbilder durch die eines Beichtstuhlfragments ergänzt. Orgelprospekt M. 18. Jh., am zweigeschossigen Mittelturm mit bekrönendem Zymbelstern; mit dem Werk bis 1980 mehrfach verändert. – Marienfigur, um 1680 aus dem Salzburger Land, 2004 gestiftet. – Vier Pastorenbildnisse, 17. Jh. Bildnis L. G. Kosegarten, vergrößerte Kopie einer Miniatur aus der Zeit um 1800. – Slawische Gedenkstele, Granit, angeblich vor 1168. Relief eines bärtigen Mannes mit spitzer Mütze, kaftanartigem Rock und großem Horn in den Händen ( >> Bergen, Marienkirche), wohl von einem slawischen Begräbnisplatz, nachträglich in die äußere Ostwand des Südseitenschiffs in der Chorsüdvorhalle eingesetzt. Sonnenuhr, Steinplatte um 1800, jetzt als Treppenstufe in der Vorhalle.
Der Glockenturm ähnlich dänischen Türmen abseits auf dem Kirchhof, Holz, im Kern um 1360 (d). Glocke 15. Jh. mit Minuskelumschrift am Hals. Etwa 50 Grabsteine und - stelen, von 1798 bis 1861, mit vielfältigem Emblemdekor und Inschriften.
Barockes Kirchhofsportal aus Backstein, 18. Jh., mit segmentbogigem Torbogen und rundbogigem Eingangsportal.

Ihre Nachricht zum Objekt

Sie haben Informationen oder Fragen zu diesem Objekt?