ALTENTREPTOW / Ev. Kirche St. Petri / Außenbau
Ev. Kirche St. Petri. Stattliche Backsteinhalle von vier Jochen, urspr. an Vorgängersaal angesetzt wie in Anklam, St. Marien und in Barth, 1317 (d) unter Dach. Der zweijochige Hallenumgangschor gleicher Höhe und Breite mit 5 / 8 -Schluss und niedrigen Einsatzkapellen 1418 (d) unter Dach. Der dreigeschossige Westturm in 1. H. 14. Jh. beg. und zwischen 1428 (d) und 1455 fertig gestellt, der achtseitige verbretterte Aufsatz mit geschweifter Haube 1773. Bei Restaurierung 1865 durch F. A. Stüler u. a. drei Kapellenanbauten an der Südseite des Chors sowie z. T. Fenstermaßwerke, Architekturornamentik und Ausstattung neugotisch erneuert.
Der
Außenbau in den vier Westjochen durch sorgfältigen Granitquadersockel und Strebepfeiler gegliedert; ein schräg stehender Strebe-
Altentreptow, St. Petri
pfeiler an der Nordseite markiert den urspr. Ostabschluss der Halle. Chorjoche und Umgang mit Feld- und Backsteinsockel, zwischen abgetreppten Strebepfeilern niedrige Kapellen. Dreiteilige Spitzbogenfenster, am Chor mit profiliertem Gewände in Nischen zwischen den Pfeilern, am Langhaus die Gewände mit Rundstab und Kehle oder Fase, auf der Südseite das östl. und westl. Fenster schmaler und mit Viertelstabprofilen. Nord- und Südportal jeweils in flacher Mauervorlage, im 19. Jh. stark erneuert. An der Westseite des Turms ein von schmalen abgetreppten Pfeilern flankierter und von drei Wimpergen bekrönter Toreingang, dahinter eine kreuzrippengewölbte Vorhalle von der Tiefe der Turmmauer mit halbrunden seitlichen Nischen ( >> Stralsund, St. Nikolai); das innere Portalgewände neugotisch in Werkstein erneuert.
Innen achteckige Pfeiler mit Eckrundstäben, Kämpferband und breiten abgetreppten Scheidbögen; schlichte Kreuzrippengewölbe in den vier westl. Jochen, in den Seitenschiffen jeweils auf dünnen halbrunden bzw. kleeblattförmigen Wanddiensten. In den Chorjochen das Architektursystem im Wesentlichen unverändert mit Sterngewölben fortgesetzt. Die Einsatzkapellen des Chors mit Kreuzrippengewölben. Der einheitliche Raumeindruck geprägt durch die neugotische Renovierung um 1860 / 65, zurückhaltende neugotische Architekturfarbigkeit und vereinheitlichte Architekturdetails wie Kapitellbänder sowie Emporen und Windfänge. Hervorzuheben der aufwendig gestaltete Fußboden im Chorbereich. Geringe Reste von
Wandmalerei, 15. Jh., Einhornjagd, in der südl. Umgangskapelle. Neugotische
Glasmalerei, um 1865, nach Kartons von A. Teschner ausgeführt im Königlichen Institut für
Glasmalerei Berlin, im mittleren Ostfenster Christi Segen für Petrus, flankiert von Matthäus und Paulus, in den übrigen Polygonfenstern jeweils drei Apostel, in den anschließenden Chorfenstern Propheten und Heilige. –
Schnitzaltar, M. 15. Jh. Im Hauptfeld des Mittelschreins thronen Christus und Maria, darunter Christus als Richter in der Mandorla, flankiert von Maria und Johannes d. T. sowie Engeln mit Leidenswerkzeugen; in der Predella zentral die Kreuzigung zwischen weiteren Reliefs mit Passionsszenen. Seitlich in Schrein und Flügeln 40 Figuren männlicher und weiblicher Heiliger unter Maßwerkbaldachinen, das Ganze abgeschlossen durch Blattkamm. In 2. W andlung qualitätvolle Gemälde mit alt- und neutestamentlichen Szenen, 1567 z. T. reformatoris ch umgestaltet; die Gemälde der Außenseiten verloren. – Kelchförmige
Granittaufe, wohl A. 13. Jh., mit recht unbeholfenen hockenden Gestalten am Fuß und Köpfen an der Kuppa.
– Aufwendige neugotische
Kanzel in Zementguss, 1865, am Korb Evangelistenreliefs. –
Lektorenpult, Bronze, um 1865, nach Entwürfen F. A. Stülers. –
Orgel 1865, B. Grüneberg, Stettin, mit Teilen eines älteren Werkes von J. S. Buchholz, Berlin. – Massive
Westempore, 1865, zum Schiff, auf Konsolen Holzfiguren von Petrus und Paulus, in deutlicher Anlehnung an die Naumburger Stifterfiguren 1952 von M. Uecker, Greifswald. –
Chorgestühl, vorzügliche Arbeit M. 15. Jh., die Wangen mit Heiligenfiguren und Blattranken im Flachrelief, von Wimpergen und Fialen bekrönt, Dorsale mit durchbrochenen, abwechslungsreich gestalteten Maßwerkfüllungen, groteske Köpfe, 1862 z. T. erneuert. –
Holzskulptur, Heilige, um 1530. – Im
Glockenstuhl von
1428 (d) von drei
Bronzeglocken der Werkstatt R. de Monkehagens zwei erhalten: 1431, Ton cis hoch 1 + 3, eine der klangschönsten mittelalterlichen Großglocken im Ostseeraum, und Apostelglocke, 1455, Ton d hoch 1 ± 0.

