BAD SEGEBERG / Ev. Kirche St. Marien / Triumphkreuz

Ev. Kirche St. Marien, ehem. Klosterkirche der Augustiner-Chorherren, St. Maria und St. Johannes Ev. Die mehrfach beträchtlich veränderte Kirche steht neben den etwas später beg. Domen in Lübeck und Ratzeburg am Anfang des monumentalen Gewölbebaus aus Backstein in Norddeutschland. – Dreischiffige Basilika über kreuzförmigem Grundriss, urspr. mit halbrunder Hauptapsis und zwei Nebenapsiden in der Mitte der östl. Querarmseiten, Chorquadrum, Vierung und drei Langhausjochen des gebundenen Systems; bald nach 1156 beg., 1199 in Nutzung bezeugt, A. 13. Jh. vollendet. Der quadratische Westturm, dessen Halle das Mittelschiff fortsetzt, zwischen zwei längsrechteckigen, mit den Seitenschiffen fluchtenden Anräumen vermutlich nach Planänderung im späten 13. Jh. fertig gestellt. – In der Spätgotik Abbruch des Nordquerarmes, an dessen Stelle zwei Seitenschiffsjoche traten. Als Folge der Hinwendung des Konvents zur Windesheimer Klosterreform beträchtliche Chorverlängerung in den 1470er Jahren mit dreiseitigem Ostschluss (Fundamente 1967 nachgewiesen). Sie wurde 1654/57 rückgängig gemacht, wobei man das Quadrum mit einer rohen Feldsteinmauer unter Verwendung von Granitquadern des spätgotischen Chorfundaments schloss. – 1762 Umgestaltung der Kirche durch G. E. Rosenberg: Abbruch des baufälligen Südquerarmes, Zusammenfassung der Schiffe unter einem Dach, Südseite als Schaufront gestaltet. – 1863–66 Rekonstruktion der urspr. Gestalt bis auf die Apsiden durch H. G. Krüger. Das Äußere neuromanisch ummantelt, mit zu großen Seitenschiffsfenstern, die Nebenräume des Turmes erneuert. – 1881–83 und 1909 Dachstuhl und die urspr. Kreuzgratgewölbe in allen Jochen bis auf die Vierung ersetzt. – 1957–59 tiefgreifende Wiederherstellung. Unter der ausgewichenen südl. Mittelschiffswand wurden die gerissenen Stützen neu aufgeführt (Stahlbeton mit Backsteinmantel), gleichzeitig der Fußboden auf sein urspr. Niveau abgesenkt, die Stützensockel freigelegt und nach Befund ergänzt sowie Reste des ersten Bodenbelags aufgedeckt: Backsteine in Rautenmustern verlegt; über den Längsfundamenten der Stützen helle Gipsmörtelgussbahnen mit Ziegelbrocken und kleinen Feldsteinen, neuromanische Portale durch schlichtere ersetzt.
Der romanische Charakter des Bauwerks wird im Langhaus anschaulich. Bestimmend ist die Herausstellung der konstruktiven Teile: quadratische Hauptpfeiler mit schweren, kantigen Vorlagen, denen die runden Schild- und die (z. T. wegen der Wandausweichung) korbbogigen Gurtbogen zugeordnet sind. Die glatten Hochschiffswände mit je einem rundbogigen Fenster in der Jochmitte und Rundarkaden über Säulen haben sekundäre Bedeutung. Das östl. Joch ist durch vierpassförmige Zwischenstützen, gestufte Archivolten und reichen Dekor als chorus minor hervorgehoben. Das urspr. Kreuzgratgewölbe mit Stich in der Vierung wurde im Gipsgussmörtelverfahren auf Schalung unter Verwendung von Feld- und Backsteinen hergestellt. In den Seitenschiffen Kreuzgratgewölbe über Gurtbogen ohne Vorlagen. – Wie für den Lübecker Dom waren Gewölbebasiliken im niedersächsisch-westfälischen Grenzgebiet vorbildlich. Sehr ähnlich das System von St. Petri in Soest (um 1150). In Kapitellen, Kämpferleisten, Zierbändern der Arkadenauskantungen im ersten Langhausjoch wurden Hausteinformen in Gipsstuck nachgebildet. Sie lassen sich letztlich auf St. Godehard in Hildesheim (1133/47) zurückführen. Charakteristisch das Palmetten-Ringband-Kapitell. Formensprache und Bearbeitungsweise der Gipsstuckteile ist die gleiche wie in den Ostpartien des Lübecker Doms und hatte Nachwirkungen in den wagrischen Feldstein-Landkirchen des späten 12. und frühen 13. Jh. (>> Neukirchen, Gem. Malente). Vom mittleren Langhausjoch an setzten sich, wohl unter dem Einfluss des Lübecker Dombaus, spezifische Backsteinformen durch (Lübische Kante). Die Umbildung des Würfelkapitells in Backstein über dem westl. Zwischenstützenpaar wie auch die Rundform der Stützen selbst deuten außerdem auf Beziehungen zur Prämonstratenserkirche in Jerichow (nach 1150 beg.). Alle Sockel mit Ausnahme urspr. aus Gips gegossener attischer Basen der mittleren Zwischenpfeiler (1956 /59 durch Backsteintrommeln ersetzt) in schlichter, dreistufiger Form aus Backstein gemauert.
Johanneskapelle im Winkel zwischen Chorquadrum und nördl. Kreuzarm, zweischiffiger Saalraum der Spätgotik von drei Jochen mit jüngst erneuerten Kreuzrippengewölben auf zwei schlanken Granitsäulen. In der Nordwand einziger Mauerrest eines Klostergebäudes aus der Bauzeit der Kirche.
Glasmalerei: Fenster in Chor und Querschiff um 1910, z. T. mit großfigurigen Darstellungen, Johannes Ev., Kaiser Lothar im kaiserlichen Ornat.
Schnitzaltar um 1515 für den verlängerten Chor geschaffen. Nächst dem Bordesholmer Altar (>  Schleswig, Dom) der größte und bedeutendste Altaraufsatz des ausgehenden Mittelalters im Lande. Predella und Baldachin erneuert, Fassung im Wesentlichen urspr. Im Mittelschrein hochgestaffelte, z. T. vollplastische Kreuzigung niederländischer Art mit modisch gekleideten, großköpfigen Figuren in unübersichtlichem Gedränge. Seitlich und in den quergeteilten Flügeln Reliefszenen der Passion, des triumphierenden und richtenden Christus von anderen, in Süddeutschland geschulten Händen, vielleicht nach graphischen Vorlagen aus dem Dürer-Kreis. In der Architektur Baldachinfigürchen der Apostel, der Kirchenlehrer und weiblicher Heiliger. Flügelrückseiten und Außenflügel zeigen 32 gemalte emblematische Darstellungen von 1668. Predellawand mit Abendmahlsgemälde jetzt in der Johanneskapelle. – Bronzetaufe 1447 von G. Klinghe, Bremen. Kesselförmige Fünte auf vier Diakonen als Trägerfiguren. An der Wandung Flachreliefs des Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes sowie Inschrift, die als Stifter Graf Adolf VIII. von Schauenburg, Gießer und Datum nennt. – Hölzerne Kanzel des Emporentyps von 1612, aufwändige lübische Arbeit, 1867 versetzt und leicht verändert. Korb mit Hängeknauf an Voluten, doppelten Ecksäulen und christologischen Reliefszenen in Bogenrahmen mit Intarsien. Bemerkenswert die „Aussendung der Schafe unter die Wölfe“, wohl mit Bezug auf die Herausforderung des Protestantismus durch die katholische Liga im 30jährigen Krieg. In den Friesen vollplastische Köpfe. Schalldeckel drei Medaillonaufsätze mit Stifterwappen und -köpfen (Amtmann Marquard Pentz und Ehefrau Katharina v. Thienen). Tür von Pilasterhermen des Stifterpaares gerahmt. – Hölzernes Triumphkreuz, überlebensgroßes Corpus um 1500, wohl aus der Werkstatt des H. v. d. Heide, Lübeck. – Sandsteinepitaph des Gert Walstorp, 1562 von seinem Enkel Heinrich Rantzau gesetzt. Sandsteinplatte mit derbem Flachrelief eines knienden Ritters in Hermenpilasterrahmen. – Reste eines Schnitzepitaphs um 1645, H. Claussen zugeschrieben: meisterhaftes Relief der Taufe Christi, der Ölbergszene und Gottvaters zwischen Knorpelpilastern unter Dreipassbogen; kleines Verkündigungsrelief, eine männliche und eine weibliche Holzfigur. – Gemäldeepitaph Hartung († 1710), Halbfigurenbildnis in ovalem, geschnitztem Akanthusrahmen mit Putten, Tugenden und bekrönendem Johannes d. T. – Gedenktafel der Ermordung Graf Adolfs VII. von Schauenburg auf der Segeberger Burg (1315), 1595 von Heinrich Rantzau gestiftet, breitrechteckiges Gemälde bescheidener Qualität in Ädikularahmen. – Kelch, silbervergoldet, A. 16. Jh. Achtpassfuß mit aufgelegten Rosetten, Knauf von Astwerk umwunden. – Zwei einander ähnliche Messingkronleuchter 1754 und 1783.

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