BEHRENSDORF / Gut Waterneverstorf / Sitzmöbel

Gut Waterneverstorf, seit dem E. 14. Jh. bis 1592 im Besitz der Familie Rantzau, dann der Reventlow und ab 1662 der Blome, von denen es auf die Holstein-Holsteinborg (1776) und die Grafen v. Waldersee (1897) überging. – 1730 fasste Heinrich Blome den Plan einer mit Alleen weit ausgreifenden, axialsymmetrischen Neuanlage des Hofes parallel zum Ufer des Neverstorfer Binnenwassers (Gutskarte von 1730 mit Darstellung der alten Situation und der beabsichtigten Veränderungen im Gutsarchiv). Die Ausführung zog sich bis in das frühe 19. Jh. hinein. Der nie ganz vollendete, heute noch als abgeräumte Fläche erkennbare Wirtschaftshof sollte sich in die Tiefe auf das Herrenhaus zu staffeln. Der Park hinter dem Herrenhaus, der ebenfalls nach der Hauptachse ausgerichtet worden war, fiel bis auf Reste der Lindenallee 1777 einer Sturmflut zum Opfer und wurde im englischen Stil neu gestaltet.
Herrenhaus. 1852 spätklassizistisch überformter, geweißter Backsteinbreitbau von zweidreiviertel Geschossen, im Kern mittelalterliche Wasserburg, Doppelhaus über quadratischem Grundriss (im Keller ablesbar). 1730 Erweiterungen um je eine Fensterachse an den Seiten und um den vierachsigen, mittelrisalitartigen Vorbau. Aus dieser Zeit das im spätklassizistischen Risalitgiebel wiederverwendete Doppelwappen Blome/Rantzau. 1780 abermalige Erweiterung um beiderseits zwei Fensterachsen (Fassadenriss im Gutsarchiv). Das rechte Nebengebäude, das in der Anlage zusammen mit einem abgebrochenen der Gegenseite auf die Planung von 1730 zurückgeht, 1852 neu gestaltet und mit dem Hauptbau verbunden. – Spätbarocke Raumaufteilung mit Domestikenfluren in der Querachse, gegen die sich das durch zwei Geschosse geführte, 1852 zur Treppenhalle mit Oberlicht umgebaute Vestibül mittels übereinander gestellter Rundarkaden von drei Achsen im Zopfstil (um 1780/90) öffnet. – Anschließend der Gartensaal, hierzulande das beste Beispiel einer einheitlichen Régence-Dekoration, bald nach 1730: Wandvertäfelung in Form schmaler, weißer Panneaus mit zierlichen, vergoldeten Holzbeschlägen und eingefügten Spiegeln. Zarte Bandelwerkstuckdecke der Mogia-Werkstatt zuzuschreiben. Ihr Kompositionsgerüst aus Kreisen wird in Parkettintarsien wiederholt. Elegante Sitzmöbel des mittleren 18. Jh. von J. J. Pothier, Paris, aus dem Stadtpalais des Caspar v. Saldern in Kiel. – In der Bibliothek linker Hand Bandelwerkstuckdecke aus derselben Zeit. Specksteinofen von 1771 nach Entwurf von G. E. Rosenberg. Der Bücherbestand geht im Kern auf Heinrich Blome zurück (hauptsächlich schöngeistige Literatur in französischer und deutscher Sprache). – Im Speisesaal rechter Hand Stuckdekoration um 1790, F. A. Taddei zugeschrieben. Ionische Pilaster und lockere Blumengirlanden. In Ecknischen Ziervasen und ein Gusseisenofen derselben Zeit. – Musiksaal mit Wand- und Deckenstuck um 1790 (durch rosa Ölfarbenanstrich entstellt). In den Wandfeldern große Gehänge aus Musikinstrumenten. Gleichzeitiger Fayenceofen. – Reste mythologischer Gartenfiguren (im sog. Staudengarten) um 1730, wohl aus einer Würzburger Werkstatt.
An der gewundenen Zufahrtsstraße von Stöfs mehrere zum Gutshof gehörige Gebäude des späten 18. und frühen 19. Jh., eingeschossige Backsteinbreitbauten mit reetgedeckten Krüppelwalmdächern, z. T. mit zweigeschossigem, übergiebeltem Mittelteil, die Kanten rustiziert und geweißt: Haus des Vogts, ehem. Holländerei1777, ehem. Müllerhaus1801, ehem. Haus des Schmiedes1803.

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