BIBRA / Ev. Pfarrkirche St. Leo / Maßwerkkanzel
Ev. Pfarrkirche St. Leo. 1492–1503 erbaute Saalkirche (>>Inschriftenstein und Wappenstein an der Südwand des Chores); mit rechteckigem Schiff, eingezogenem Chor mit 5/8-Schluß, Nordturm und Sakristeianbau im Süden. Bauliche Veränderungen und grundlegende Renovierungen: 1731 Schweifkuppel anstelle das urspr. Satteldachs, 1749 Flachdecke stuckiert, Einbau der oberen Westempore, 1768 Doppelemporen an der Schiffsnordseite, 1892 Chorfenster, 1934 Ausmalung, Restaurierung der Altäre, 1957/58 Entfernung der Nordemporen, Änderungen an der unteren Westempore, Freilegung und Restaurierung der 1934 entdeckten Wandmalereien aus dem 16. Jh. im Chor und an der Schiffsnordwand, Wiederanbringung des Sakramentshauses, 1970/71 Restaurierung des Apostelaltars, 1985 f. Restaurierung des Marienaltars, 1990/91 Turm. – Im zweijochigen Chor Kreuzrippengewölbe auf Konsolfiguren (10 Halbfiguren von Heiligen) und Sakramentsnische. Das flachgedeckte Langhaus urspr. dreischiffig und eingewölbt geplant. Doppelempore an der Westseite. Wenngleich die vornehmlich von dem Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra gestiftete bauzeitliche Ausstattung nur noch unvollständig erhalten ist, verfügt die Kirche noch immer über außerordentlich bemerkenswerte Kunstwerke aus der Zeit um 1505. Dazu gehören die steinerne
Maßwerkkanzel, der
Taufstein und das
Sakramentshaus mit reichem (teilweise ergänztem) Fialenhelm. Ihre Farbfassung ging 1934 durch Ablaugen verloren.
Als eigenhändige Arbeiten Tilman Riemenschneiders gelten der
Grabstein des Hans von Bibra (um 1500, „Wiederholung des Schaumbergdenkmals in der Marienkapelle in Würzburg“ – Georg Dehio) und ein
hl. Kilian. Dem hl. Kilian vom Hochaltar des Würzburger Münsters eng verwandt, gehörte diese gefaßte Holzfigur vermutlich zusammen mit den
Flachreliefs zweier Diakone zu einem (verlorenen) Flügelaltar. Riemenschneider oder seiner Werkstätte zugeschrieben werden auch die drei Flügelaltäre.
Marienaltar (Verkündigungsaltar). Im Schrein der Englische Gruß, auf den Flügelinnenseiten Reliefs der hll. Maria und Elisabeth; außen Gemälde; v. l. n. r. Darstellung Jesu im Tempel/Verkündigung/Geburt/Thema verloren. Bei der Restaurierung 1934 das (verlorene) Gesprenge nach dem Vorbild des Rothenburger Heilig-Blutaltars ersetzt. Predella mit vier gemalten Ahnenwappen der Kirchenstifter. –
Apostelaltar, dem Windsheimer Zwölfbotenaltar verwandt. Im Schrein und auf den Flügelinnenseiten Reliefs von Jesus, Maria und elf Aposteln. Außen Gemälde; v. l. n. r.: der Evangelist Markus, die Apostel Paulus und Petrus sowie der hl. Hubertus. Das Gesprenge verloren; an dessen Stelle kleine Holzfiguren aus einem Prozessionsgestänge. Die Predella mit einem gemalten Apostelauszug und Ahnenwappen des Fürstbischofs Lorenz von Bibra. –
Kirchväteraltar. Im Schrein die gedrungene Monumentalfigur des Kirchenpatrons Papst Leo. Auf den Seitenflügeln v. l. n. r. die Reliefs der hll. Hieronymus, Augustinus, Gregor d. Gr. und Ambrosius mit je einem Evangelistensymbol. Außen Gemälde; v. l. n. r.: die hll. Timotheus, Bonifatius, Burghard und Martin. Auf der Schreinrückseite Fragmente einer Darstellung des Schweißtuchs der hl. Veronika. Gesprenge verloren. Predella mit den gemalten Ahnenwappen des Fürstbischofs Lorenz von Bibra. – Auf dem steinernen Altar unter dem Chorbogen
Kruzifix von ca. 1460, ein weiteres aus dem Umkreis Riemenschneiders in Kirchenbesitz. Im Mittelfenster des Chores unter einer Kreuzigungsszene von 1902
Wappenglasscheiben der drei Kirchenstifter (Lorenz und Albrecht von Bibra, 1503/Kilian von Bibra, 1892).
Grabsteine und
Gedenktafeln: 1993/94 nach Renovierungsarbeiten abweichend von den urspr. Standorten wiederaufgestellt. In Chor und Schiff insgesamt 37 Grabsteine und Gedenktafeln; bis auf zwei Ausnahmen alle für Mitglieder der Familie von Bibra. Unter den Bildnisgrabsteinen sieben vom Meister IH (vgl. >>Ellingshausen, Meiningen, Nordheim im Grabfeld, Ostheim von d. Rhön) und fünf von einem Meister IE. – „Eine der wenigen gotischen (Kirchen) des Kreises, deren Architektur von künstlerischer Bedeutung“ (Georg Dehio).
Burg (Freiherren von Bibra). Im Kern 12. Jh., nach 1486 ausgebaut, 1525 zerstört (>>Inschriftenstein am Unteren Schloß), spätestens 1597 wiederaufgebaut. 1606 infolge Besitzteilung ein zweiter (westl.) Zugang mit steinerner Brücke im Burggrabenbereich angelegt. Nach Großbrand 1646 in bescheidenem Umfang wiederhergestellt. 1838 Zwinger und Wall im Süden und Osten abgetragen. Seit 1870 Erneuerung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude unter Benutzung älterer Substanz, seit M. der 1980er Jahre planmäßige Erhaltungsmaßnahmen.
Innerer Bering in Form eines regelmäßigen Quadrats mit vier Eck- und vier Mitteltürmen fast völlig erhalten und den Anlagen in >>Untermaßfeld und >>Walldorf ähnlich. An der Süd- und Ostseite überdachte Wehrgänge. Haupteingang im Mittelturm der Ostseite nur über eine Zugbrücke zugänglich. Dort spätestens seit dem 15. Jh. ein als Kapelle dienender, kreuzgewölbter Raum mit steinernem Altar.
Unteres (Neues) Schloß. Stattlicher, im Norden zwei-, im Süden dreigeschossiger Putzbau von 1558. Schmuckportal der Hauptfassade mit großem bibraischem Wappen. An der Nordwestecke über Eck gestellter steinerner Kastenerker mit Maßwerkbrüstung. Ein Inschriftenstein über die Zerstörung der >>Burg 1525 erst 1768 hier eingemauert.
