BRAUNSCHWEIG / Ev. Domkirche St. Blasii / Sonstige Ausstattung
Ev. Domkirche St. Blasii (Pfarrkirche), ehem. Stiftskirche St. Blasius und Johannes d.T., 1227 auch Thomas Becket geweiht. - Gründung
des Burgstifts A. n.Jh. durch den brunonischen Grafen Liudolf (+1038) und seine Gemahlin Gertrud (+1077), die hier bestattet wurde; Schlußweihe der Kirche durch Bischof
Godehard v. Hildesheim (1022—38). Nach seiner Rückkehr von einer Pilgerfahrt ins Hl. Land 1173 ließ Heinrich der Löwe im Zusammenhang mit dem großzügigen Ausbau der Burg einen
Neubau errichten, der dem Herrscherpaar später als Grablege diente. - Seit 1542 protestantisch. 1810 Aufhebung des Stiftes.— Von dem nationalsozialistischen Regime seit 1935
a^s „Staatsdom“ eingerichtet. — Nach 1945 erneut ev. Pfarrkirche.
Baugeschichte. Die Lage eines kleineren, um 1030 Petrus und Paulus geweihten Vorgängerbaus wird im Ostbereich der bestehenden Kirche angenommen (möglicherweise
sind diesem Bau 2 Kapitelle im Braunschweigischen Landesmuseum zuzuweisen). — Grundsteinlegung 1173 für den heutigen Kernbau: eine in allen Teilen gewölbte, dreischiffige
kreuzförmige Pfeilerbasilika mit Westriegel; mit der Weihe des Marienaltars im Chor 1188 die Ostteile fertiggestellt. Die weiteren Baufortschritte nur mittelbar zu erschließen:
1189 Beisetzung der Herzogin Mathilde und dann 1195 Heinrichs des Löwen „media in ecclesia“; 1194 Errichtung des Triumphkreuzes; vor 1196 Weihe des Kreuzaltars im Langhaus;
Dachbrand für 1195 überliefert. Weitere Weihen 1203 (südl. Querarm), 1222 (Bartholomäusaltar im Langhaus) und 1226 (Schlußweihe). Auch wenn die Bauarbeiten wohl bis ins 13. Jh.
andauerten, ist für die baugeschichtliche Beurteilung entscheidend, daß Chor, Querhaus, Langhaus und Unterpartie des Westbaus einheitlich nach dem unter Heinrich dem Löwen
konzipierten Plan errichtet wurden. - Nach Vollendung des Mittelgeschosses des Westbaus im 13. Jh. wurden die oktogonalen Türme und das Glockenhaus im 3. Dr. 13. Jh.
ausgeführt. — Spätmittelalterliche Erweiterungen: nach 1322 Anbau des äußeren Südschiffs, die östl. Hälfte 1334 vollendet, die westl. 1346; um M. 15. Jh. Abbruch des nördl.
Schiffs und Neubau der zweischiffigen Halle, Weihe 1474.- Umbauten und Erneuerungen im und 20. Jh.: 1828-30 Abbruch der Stiftsgebäude südl. von Chor und Querhaus sowie 1830—39
des Kreuzgangs und der Annenkapelle. 1839 Neubau der Südapsis durch F. M. Krähe.
Restaurierungen. 1845 (Entdeckung der mittelalterlichen Malereien), 1848-56, 1876-81, 1886—96 (dabei Entfernung des barocken Hochaltars von A.D.
Jenner); 1889-91 von E. Wiehe Neubau der Sakristei und Taufkapelle am südl. Querarm. - 1935-38 Neuanlage der Gruft Heinrichs des Löwen durch
W. und J. Krüger, 1939-40
Entfernung der historisierenden Ausstattung des 19. Jh. und Umgestaltung zur „nationalen Weihestätte“ (Staatsdom). - Ab 1949 Behebung der Kriegsschäden, die nur in geringem Maß
die Bausubstanz betrafen. 1962-67 Erneuerung des Inneren: Neugestaltung des Choraufgangs, im mittleren Turmraum Abbruch der Orgelempore des 19. Jh. Bis 1970 Reinigung des
Außenbaus, Gliederung durch flächigen Anstrich.
Heutiger Bau. Wenn auch durch die in gotischer Zeit hinzugefügten äußeren Seitenschiffe zu einer fünfschiffigen Anlage vergrößert, so ist gleichwohl die urspr.
unter Heinrich dem Löwen errichtete dreischiffige Pfeilerbasilika mit sächsischem Westriegel vortrefflich zu erkennen. Das Langhaus im gebundenen System zu 4 Doppeljochen
gewölbt, Querhaus mit Nebenapsiden und Chorquadrum mit eingezogener Hauptapsis; unter Vierung, Chor und Apsis eine Krypta. Der sog. Dom „in der Kunstgeschichte Niedersachsens
eine wichtige Epoche bezeichnend als erster einheitlich durchgeführter Gewölbebau. Bemerkenswert ist, daß die Wölbungsmethode mit der in Königslutter angewandten in keinem
Zusammenhänge steht“ (Dehio). Das System fand in den Braunschweiger Pfarrkirchen St. Martini, St. Katharinen und St. Andreas und in der Augustinerinnenkirche in Heiningen
unmittelbar Nachfolge und wirkte bis gegen M. 13. Jh. in der Frankenberger und der Marktkirche in Goslar weiter.
Außen. Leicht geschlämmter Bruchsteinbau mit Architekturgliederungen aus Quadern. Schlichte Lisenen und gestufte Rundbogenfriese sowie dünne Ecksäulen an den
Gebäudekanten charakterisieren den Außenbau. An der Nordflanke, zum Burgplatz hin, reichere Profile als an den übrigen Seiten, an den Apsiden Perlstäbe. Die Rundbogenfenster an
den Stirnseiten des Querhauses und am Langhausobergaden beidseits einer Mittellisene paarig angeordnet; im Ostjoch des Mittelschiffs durch große spitzbogige Kleeblattfenster
vor 1250 ersetzt (vgl. Kirchenmodell am Grabmal Heinrichs des Löwen). Von den romanischen Portalen nur das in der Stirnwand des nördl. Querarms erhalten, der mehrgliedrige
Kirchensockel rundbogig umgeführt und von rechteckiger Rücklage gerahmt. Die alten Eingänge lagen gleich ihren gotischen Nachfolgern im Westjoch der Seitenschiffe (urspr. kein
Westportal).- Das Südschiff des 14. Jh. schließt über jedem der 7 Maßwerkfenster und über dem Portal (dat. 1346) mit einem kleinen Giebel ab; die 2 Bauabschnitte am
unterschiedlichen Maßwerk ablesbar. Portal der spätgotischen Erweiterung auf der Nordseite dat. 1469, die sog. Tudorbögen der Fenster mit flachgieblig gebrochenen Stürzen wohl
von England übernommen; die Dachtraufe von einer Maßwerkbrüstung bekrönt.
Der
Westbau dreizonig aufgebaut. Die Höhe des kubischen Untergeschosses ist auf die Trauflinie der urspr. Seitenschiffe bezogen (vgl. das Münster in Bad
Gandersheim, im Gegensatz zu den Goslarer Westriegeln); das Untergeschoß der Westfront ohne Vertikalgliederung, durch Rundbogenfries abgeschlossen (Westpforte 1813, 1853
neuromanisch verändert). Im Zwischengeschoß, das über die Firsthöhe des Langhauses hochgezogen ist, werden die oktogonalen Freigeschosse der Türme vorbereitet; zur Belichtung
des Mittelschiffs Kreisfenster mit Zehnpaß (das Rad 19. Jh.). Die Turmkanten mit Lisenen und Rundstäben kräftig markiert. Der obere Abschluß unvollendet. Gotisches Glockenhaus
E. 13. Jh., 2 große prachtvolle Fenster mit wulstigem Maßwerk.
Das
Innere durchweg gewölbt. Über der rundbogigen, im Stützenwechsel ausgeführten Scheidarkatur des Langhauses als Arkadengesims eine knappe Schmiege mit
Schachbrettfries. Die Arkadenpfeiler selbst mit sorgfältig ausgearbeiteten Kantensäulen. Kräftige Rechteckvorlagen vor den Hauptpfeilern, um die sich vereinheitlichend ein Sok-
kel verkröpft, unterfangen das Mittelschiffgewölbe, das sich als Spitztonne mit Stichkappen, ohne durch Gurte unterteilt zu werden, von W nach O erstreckt und ein einheitliches
Raumkontinuum schafft. In den Seitenschiffen je 2 Gewölbejoche zwischen den Hauptpfeilern und rechteckigen Vorlagen an den Außenwänden durch Gurtbögen zusam mengefaßt, die als
Unterlagen für starke, unter dem Dach verborgene Strebepfeiler dienen (im südl. erhalten, vom nördl. nur die Ansätze der Gurte). Die Arkaden des westl. Doppeljoches sind höher
als die 3 übrigen; diese Akzentuierung urspr. auch am Außenbau sichtbar: die Pultdächer der Seitenschiffe waren im Westjoch erhöht. — Der mit einer leicht zugespitzten Tonne
überwölbte Mittelraum des Westbaus öffnet sich, durch einen Gurtbogen abgeschnürt, in ganzer Höhe zum Mittelschiff. Im Südturm ein gewölbter Raum; im Nordturm Wendeltreppe,
darüber der über 18 m lange Mittelpfosten eines Baukrans aus Fichtenholz mit Drehlager und Zapfenlöchern für einen oberen Ausleger erhalten. - Das äußere Südschiff mit
unterschiedlichen Rippenprofilen der Kreuzgewölbe und Schlußsteine. Die zweischiffige nördl. Halle „in pointiert dekorativer Formenbehandlung“ (Dehio): 7 schlanke, alternierend
geschraubte Stützen und reiche Stern- und Netzgewölbe, ein eindrucksvoller Kontrast zu der strengen Monumentalität des romanischen Mittelschiffs. Die Raumorganisation der
Ostteile durch die starke Anhebung des Presbyteriums über der Krypta bestimmt. Dadurch sondern sich die Querarme wie selbständige Kapellen ab und wurden auch so benannt: im S
die JohannesKapelle, im N die Peters-Kapelle, die ehern, mit einem Laufgang ausgestattet war, der über den im 19. Jh. rekonstruierten Brückengang die Verbindung mit der Burg
herstellte. In den Ostteilen kuppelartige Kreuzgratgewölbe.
Dreischiffige, in 3 Raumabschnitte unterteilte
Hallenkrypta. Unter der Vierung tragen 4 Säulen mit Würfelkapitellen die gurtlosen Kreuzgratgewölbe, östl.
anschließend ein zweijochiger Pfeilerraum und schließlich die Apsis. Westl. der Krypta der 1935/36 durch W. und J. Krüger angelegte
Gruftraum für Heinrich den Löwen.
Wenngleich die Bauornamentik am Außen- und Innenbau nur eine untergeordnete Rolle spielt, so werden doch die vielfältigen romanischen Dekorationsmöglichkeiten angedeutet.
Hinzuweisen ist insbesondere auf die konsequente Bestückung der Pfeiler und Vorlagen mit Ecksäulen; zwar ist der Typus dieses Schmuckmotivs schon früher nachweisbar (vgl.
Lippoldsberg/Hessen, Hamersleben/Sachsen-An- halt), doch scheinen sich in der Folgezeit zahlreiche Bauten gerade in dieser Hinsicht am Braunschweiger „Dom“ zu orientieren. Die
kleinen Kapitelle großenteils in kargen tektonischen Formen, einige Stücke mit Palmetten und Blattwerk. Basen mit gekehlten Ecklappen. Sockel durchweg mit attischem Profil.
Reicher scheinen die ehem. Chorschranken dekoriert gewesen zu sein, wie ein in Königslutter-Nachfolge stehendes Friesfragment zeigt (heute im Landesmuseum).
Wandmalereien. Im Chor, der Vierung und dem südl. Querarm 1845 ff. freigelegt. Vor der ersten ergänzenden Übermalung durch H. Brandes Pausen
angefertigt, die allen späteren Erneuerungen als Grundlage dienten. 1876 ff.
Freilegung und Ergänzung der Heiligenfiguren an den Langhauspfeilern durch A. Essenwein. 1895 Reinigung und erneute Übermalung. 1937-41 in Chor, Vierung und
Langhaus die Übermalungen des 19.Jh. z.T. entfernt, neue Ergänzungen. Letzte Restaurierung 195255, Übermalungen des 19. Jh. entfernt, Ergänzungen beibehalten. Die zahlreichen
modernen Überarbeitungen machen es in einigen Partien schwer, die mittelalterliche Substanz genau festzustellen, der urspr. Bildbestand aber ist recht zuverlässig überliefert.
Die gesamte „al sec- co“-Ausmalung auf noch nicht völlig abgebundenem Kalkputz von einer großen Werkstatt um 1240/50; stilistische Zusammenhänge mit 1230/40 entstandenen
Handschriften (z.B. Goslarer Evangeliar, Wol- fenbütteler Musterbuch), andererseits müssen aber auch die Kenntnis der französischen Gotik (Gewanddarstellungen) und der
byzantinischen Kunst (Anastasis, Drei Frauen am Hl. Grab) in Rechnung gestellt werden; Phänomene des sächsischen „Zackenstils“ sind bereits zu konstatieren. In 2 Inschriften am
1. nördl. Zwischenpfeiler von W und an der Ostkappe des Vierungsgewölbes als Maler Johannes Wale (Gallicus) genannt. — Die Malereien im nördl. Querarm, der
Haupt- und südl. Nebenapsis von Brandes. 1. Chorquadrum: am Gewölbe Wurzel Jesse in Medaillons; am Mauerzwickel über dem östl. Vierungsbogen Sündenfall in
Halbfiguren; an den Wänden in der Fensterzone 7 alttestamentarische Szenen als typologische Hinweise auf Christi Opfertod und das Abendmahl: im N die Geschichte von Kain und
Abel, im S Moses am brennenden Dornbusch, eherne Schlange, Besuch der drei Engel bei Abraham, Opferung Isaaks; in den jeweils 3 unteren Wandzonen die Viten der Kirchenpatrone,
im N 16 Bilder zur Geschichte Johannes d.T., im S bilden die beiden oberen Streifen 12 Szenen aus der Legende des hl. Blasius, darunter 7 aus dem Leben des
hl. Thomas Becket (davon viel ergänzt). — 2. Vierung: im Zentrum das Lamm (nicht gesichert); an den Gewölbekappen Christi Geburt und Darstellung im Tempel, die 3 Frauen am Hl.
Grabe, Gang nach Emmaus und Gastmahl in Emmaus, Pfingstwunder, eingefaßt vom Mauerkranz des Himmlischen Jerusalem mit den Büsten der 12 Apostel; an den Gewölbefüßen 8
Propheten. An den Schildflächen über den Vierungsbögen: im O Deesis; im W Christus, Johannes d.T., Phönix und Pelikan; im N und S Engel. An den Unterseiten der Vierungsbögen
Medaillons mit Heiligen, Engeln, Propheten und Tugenden. An den Vierungspfeilern Einzelfiguren Johannes d. T.und Blasius, Madonna und Katharina.— 3. südl. Querarm: am Gewölbe
Maria als Himmelskönigin neben Christus thronend, die 24 Ältesten der Apokalypse, 2 Gruppen von 3 Engeln und einem Cherub; an den Gewölbefüßen 8 Propheten. In der Fensterzone
der Süd- und Westwand die Klugen und Törichten Jungfrauen, 2 Engel. Im Fensterbereich der Ostwand Christus in der Vorhölle, Auferstehung und Himmelfahrt (hier mittelalterliche
Substanz am besten erhalten). An der Ost- und Südwand 2 Bildstreifen mit 18 Darstellungen zur Legende des Hl. Kreuzes. An der Westwand zweizonig verschiedene Heiligenmartyrien.
Die Apostelfiguren unter stuckierten Arkaden; die Kreuzigungsgruppe Ergänzung des 19. Jh.- 4. an den Langhauspfeilern einzelne Heiligengestalten (z.T. von
Essenwein 1880), Christus in der Vorhölle und Verkündigung.
Ausstattung. Aus der Zeit Heinrichs des Löwen: Sog. Imervardkreuz, überlebensgroßer Holzkruzifix wohl um 1173 nach dem Vorbild des urspr. Volto Santo in Lucca,
auf den Enden des Gürtels Inschrift: „Imervard me fecit“; langes flächiges Ärmelgewand mit streng parallelen Falten- wulsten als Kleidung des
apokalyptischen Christus, urspr. rot, Untergewand grün, der schmale Gürtel einst mit Gold beschlagen. Der Kopf diente als Reliquienbehälter. - Siebenarmiger Leuchter um 1188
wohl in Braunschweig aus Bronze gegossen und mit Emaillen versehen; urspr. vor dem Kreuzaltar aufgestellt, so 1196 erwähnt. Höhe 4,80 m, Spannweite 4 m. 4 Drachenfüße auf
liegenden Löwen (die durchbrochenen Füllungen 1896 von F. Küsthardt, Hildesheim, und G. Hermeling, Köln). Stamm und die S-förmigen
Lichtarme durch Knäufe mit Blattkränzen unterteilt, Lichtteller mit Lilienblättern. Der 2. und 3. Schaftteller mit Grubenschmelzplatten: die 4 Evangelisten, Ornamentbänder
(z.T. erneuert), die 4 Winde (1896 hinzugefügt). Das gesamte Werk wohl als Abbild der Wurzel Jesse zu verstehen. - Marienaltar 1188 geweiht, urspr. im Chor. Marmorplatte auf 5
gegossenen Bronzesäulen. Die Ecksäulen mit Adlerkapitellen. In einer Kapsel, die in das Blattkapitell der Mittelsäule eingelassen ist, Reliquien und das Siegel des Bischofs
Adelog v. Hildesheim, der den Altar 1188 weihte (Inschrift auf dem Kapseldeckel).— Grabmal Heinrichs des Löwen (+1195) und der Herzogin Mathilde (tu89), entgegen der bisherigen
Datierung in die Zeit um 1250 scheint nach neuerer Forschung eine Entstehung um 1230/40 wahrscheinlicher; ein Hauptwerk der sächsischen Bildhauerkunst des 13. Jh., das sich
eigenständig neben französischen (Reims), aber auch neben deutschen Werken (Bamberg, Magdeburg, Naumburg) behaupten kann. Im Hochrelief die lebensgroßen Figuren aus
feinkörnigem Kalkstein, dem höfischen Schönheitsbegriff entsprechend jugendlich idealisiert. Heinrich hält in seiner Linken das herzogliche Schwert in der Rechten ein Modell
des „Domes“, das die gotische Umarbeitung der östl. Mittelschiffenster bereits zeigt. Mathilde hat die Hände zum Gebet gefaltet. Die Gewänder mit reicher Faltenbildung, die
insbesondere in den Saumpartien der Herzogin ein Eigenleben entgegen der Schwerkraft führen. Rekonstruktion der Tumba 1987/88, das restaurierte originale Gitter wieder auf den
Ecken der Deckplatten angebracht.
Sonstige Ausstattung: Im Nordschiff einfacher runder Taufstein 11.Jh. (?).— Einzelne Bildwerke: An den östl. Vierungspfeilern überlebensgroße Steinstatuen eines
Stifters (vielleicht Herzog Al- brechts des Fetten, +1318) und des Bischofs Heinrich III. v. Hildesheim (?, +1362), ebenfalls eines Welfen.— Im äußeren Südschiff Holzfiguren
Ottos des Milden (+1344) und seiner Gemahlin Agnes v. Brandenburg (+1334) von 1345 . — In der südl. Nebenapsis Geißelungssäule mit den Arma Christi, den Symbolen der Passion,
davor lebensgroßer Christus im Elend; um 1490/1500, möglicherweise dem Frühwerk des H. Witten zuzurechnen. — Im Chor lebensgroße Schnitzfiguren der
Kirchenpatrone Johannes d.T. und Blasius A. 16. Jh., vielleicht vom spätmittelalterlichen Hochaltar stammend. - Grabmal des Herzogs Ludwig Rudolf (+1735) und seiner Gemahlin
Christine Louise (+1747); überlebensgroße liegende Zinnfiguren auf sarkophagförmigem Marmorunterbau von M. H. Vetten.
Von den ehern, zahlreichen Epitaphen nur noch wenige vorhanden: für Elisabeth v.d. Schulenburg (+1604), Schnitzteile von J.Röttger, Bildtafeln von
F. von der Mürtel. - Für den Kanoniker Valentin Möller (+1634); altarähnlicher Holzaufbau mit Knorpelwerkdekoration; im Hauptfeld Auferstehungsrelief
mit vollplastischem Christus, flankiert von 6 Reliefs eines Passionszyklus; im Aufsatz die Überwindung des Alten durch das Neue Testament. - Für Tobias Schmiedeberg (+1690),
Holz ungefaßt. — Dreiteilige Messingtafel für Herzog Rudolf August (+1704) in der nördl. Nebenapsis, Rest einer größeren Grabanlage. — 3 Marmor- bzw. Alabasterepitaphe,
A. D. Jenner zugeschrieben; mit Halbfigurenporträts der Verstorbenen: 1. für den Minister P. L. v. Wendhausen (+1718); 2. für den Geheimen Staatsrat J.
B. Pape (t 172.7); 3. für den Generalmajor C. v. Völcker (+1730) und seine Frau (+1732); deren Bildnisse von B.Francke. - Schmiedeeiserne Gitter von 1570
am Krypteneingang und dem Sakristei-Eingang, urspr. um den Taufstein aufgestellt. — In der Krypta, die seit E. 17. Jh. als herzogliche Gruft diente, 53 z.T. gut gearbeitete
Zinnsarkophage. Aufwendiges Marmorgrabmal des Herzogs Albrecht (+1745) 1754 von /. H. Peters. — In der Heinrichsgruft schmucklose Sarkophage Heinrichs
(neu), Mathildes und der brunonischen Gräfin Gertrud. — In der nördl. Nebenapsis Tumba von 1707 mit Deckplatte aus Bronze; bestattet sind hier die Überreste der damals
aufgehobenen Fürstengräber, u. a. Otto IV. (+1218), Pfalzgraf Heinrich (+1227).
Große
Sonnenuhr an der Südseite des Westbaus, 1659 von G. Hertel, Augsburg, für die Münze am Kohlmarkt geschaffen, seit 1723 am „Dom“. - 11
Glocken erhalten: die kleinste wohl noch 15. Jh.; die 3 größten 1502 von Gerdt Wou van Kämpen gegossen, die nachfolgenden 6 1506 von H. van
Kämpen (eine 1700 umgegossen). Der Glok- kenstuhl aus Eiche A. 16. Jh.

