BUTZBACH / Stiftskirche St. Markus / Grabstein

Ehem. Stiftskirche St. Markus, heute ev. Pfarrkirche ( Kirchenplatz ). In dem ummauerten ehem. Kirchhof bilden die dreischiffige, dreijochige gotische Hallenkirche mit Nordwestturm und die benachbarte Michaelskapelle zusammen mit den Pfarrhäusern eine wirkungsvolle Baugruppe.
Baugeschichte. Auf Betreiben Eberhards III. von Eppstein-Königstein 1468 ein Stift der „Brüder des gemeinsamen Lebens“ (Kugelherren) gegr.; 1555 aufgehoben. – Die Apsis eines romanischen Chors 1965 ergraben. Von einer flachgedeckten, dreischiffigen, fünfjochigen Basilika in Formen 2. V. /2. Dr. 13. Jh. die quadratischen Mittelschiffspfeiler mit abgerundeten Ecken, die Kragsteine zum Südschiff und die vermauerten schmalen, leicht spitzen Obergadenfenster über den Gewölben; wohl im Zuge der Einwölbung des Mittelschiffs das Dachwerk 1335 (+/– 8 d). In dieser Zeit der gotische Chor, 1341 (d), angefügt. Der Turm bis Anfang der 1370er Jahre errichtet, sein Haubenhelm 1606. Ausbau zur Halle E. 14. Jh., das Südschiff 1394 (d). Um 1473 (d) der südl. Nebenchor als Chor des 1468 gegr. Stifts neben dem Chor der Pfarrkirche angefügt; der nördl. Nebenchor um 1507 (+ /– 8 d). Um 1500/10 der quer vor das östl. Joch des Südschiffs gestellte Vorbau (vielleicht identisch mit dem 1511 geweihten „Sant Anna Kore“). Der Südchor 1620–22 zur landgräflichen Grablege umfunktioniert. Z. T. ältere Maßwerkfenster und Portale in verschiedenen Bauphasen innerhalb des Bauwerks an andere Stellen versetzt. Instandsetzung 1900–04 (u. a. Giebel der Nordseite, Erneuerung von Maßwerk). Innenrestaurierung 1966/67 mit Ausmalung nach Befund.
Baubeschreibung. Dreischiffige, dreichorige spätgotische Hallenkirche mit drei parallelen Satteldächern über den Schiffen. Ein Zwerchgiebel urspr. nur über dem als Schaufront ausgebildeten Südschiff. Haupt- und Nebenchöre je aus zwei Jochen und 5/8-Schluss. Alle drei Chöre außen als gleiche Baukörper nebeneinander gestellt, innen zu einer Halle mit Kreuzrippengewölben, teils auf Diensten, teils auf Konsolen, verbunden. Der Südchor außen durch den sterngewölbten Anbau am Ostende des Schiffs und einen spitzen Dachreiter als eigenständige Kapelle besonders hervorgehoben. Ein kleinerer spitzer Dachreiter bekrönt den Hauptchor. Im Hauptchor Maßwerkfenster mit schlichten Passformen, in den Nebenchören Fischblasenmaßwerk. Das Langhaus eine Halle von drei gleichbreiten und annähernd gleichhohen Schiffen, überdeckt von Kreuzrippengewölben auf Runddiensten, die den frühgotischen Pfeilern vorgelegt sind. Am Ende des nördl. Seitenschiffs schlanker achteckiger Westturm. Figürliche Farbglasfenster in Chor und Schiff 1903/04.
Ausstattung: Gotischer Taufstein 2. H. 14. Jh. (urspr. wohl in der >> Wendelinskapelle). Taufsteinfuß in Form eines liegenden Tieres vom derzeit im ehem. Rathaus aufbewahrten romanischen Taufstein der Markuskirche. – Kanzel, 1617, mit Wappen des Landgrafen Philipp III. und seiner ersten Gemahlin. – Orgelgehäuse 1614 von Schreinermeister H. Harke (ehem. im mittleren Chor, 1904 nach Westen versetzt). – Kruzifix um 1470/80. – Votivbild 1709 von J. Wahnes. – Grabsteine: Im Südchor Philipp VII. von Falkenstein († 1410), Relief des Verstorbenen zwischen Ahnenwappen (die Löwen 16. Jh. aus anderem Zusammenhang), im Hauptchor Werner von Eppstein († 1462). Ferner eine Anzahl von Grabsteinen 16.–18. Jh., bemerkenswert der des Johannes Christophorus Hertius († 1774), Marmor mit Chronos-Skulptur und Obeliskaufsatz. – Glocken von 1372 und 1379.
Grüfte. Im nördl. Chor die Solmser Gruft, im südl. Chor die Gruft des Landgrafen Philipp III. von Hessen-Butzbach und seiner beiden Gemahlinnen, 1620–22 zu seinen Lebzeiten angelegt; Treppenhals zu einem quadratischen Raum mit Kreuzgewölbe, an dessen Kappen und Schildbögen Stuckreliefs mit typologischen Darstellungen zur Glaubensgewissheit und Heilserwartung aus AT und NT von C. Steffan nach Vorlagen von P. Uffenbach in der Nachfolge Grünewalds. Darüber das Grabdenkmal, ein hölzernes sargförmiges Kenotaph unter hohem, kreuzrippengewölbtem Baldachinaufbau, die Malereien an den Gewölbekappen wiederholen die Themen der Stuckreliefs. An der Rückwand ein Gemälde mit dem Bild des Landgrafen und seiner beiden Frauen vor dem Kruzifix; die reiche Steinumrahmung von Bildhauer P. Franck.
Außen. Am Südchor gotischer Schlussstein mit Agnus Dei, 14. Jh. Auf dem ehem. Kirchhof und außen an der Kirche Grabsteine, 15.–18. Jh., u. a. der von Eberhard von Eppstein († 1443).

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