CROTTORF / Schloß Crottorf / Vorburg
Schloß Crottorf (von Hatzfeldt). Eine mittelalterliche Wasserburg der Herren von Seelbach gegen Mitte 16. Jh. unter Johann von Seelbach-Crottorf († 1563) als wehrhafter Renaissance-Wohnsitz nach Art der niederrheinisch-westfälischen Wasserschlösser unter Verwendung älterer Mauerteile ausgebaut; zweite Hälfte 17. Jh. und um 1730 bauliche Veränderungen.
Malerisch im bewaldeten Wissertal gelegen. Haupt- und Vorburg auf eigenen, wasserumwehrten Inseln gelegen und beide zusammen von einem großen, im Rechteck geführten Wehrring mit Rundbastionen umschlossen, dem sich wiederum ein Wassergraben vorlagert. Die äußere
Wehrmauer 16. Jh., vielleicht noch 15. Jh., mit überdachtem Wehrgang über Rundbogenfries und runden Geschützständen an den Ecken; im 17. Jh. teilweise innenseitig terrassiert. Der kraftvolle Torbau 1685 neu errichtet, zweigeschossig, der Wehrgang unter der Dachtraufe mit Diagonal-Schießscharten an den Ecken, bossiertes Portal mit Zugbrücke und altem Holztor; Abschluß durch Spitzdach mit Haubenlaterne. Im Erdgeschoß schräg versetzte Durchfahrt mit Schießscharten auf beiden Seiten, die ein Bestreichen von vorne und von hinten ermöglichten. Die
Vorburg in Form eines zum Hauptschloß geöffneten Hufeisens; an den beiden äußeren vorderen Ecken Rundtürme mit Spitzhelmen; die Wetterfahnen bezeichnet 1675
und 1678; die Gesamtanlage jedoch noch 15. und 16. Jh. Die Obergeschosse der Seitenflügel in Fachwerk, an der Ostseite noch 15. Jh., mit gekrümmten Fußstreben, an der Westseite 16. Jh. mit Schwertung der Streben und mit vier, um 1675–80 erneuerten (oder hinzugefügten) Erkern; äußeres Portal am Mittelflügel bossiert wie beim Torturm.
Das
Hauptschloß ebenfalls hufeisenförmig; der fehlende Ostflügel geplant, aber nicht verwirklicht. Vier mächtige Eckrundtürme; das Erdgeschoß des Südflügels hofseits in Arkaden geöffnet; die Gesamtanlage Mitte 16. Jh., die schweren Mansarddächer und die markanten Turmhauben mit Laternen um 1730. Im Innern (zugänglich) das ehem. Jagdzimmer (seit 1927 Treppenhaus und Vestibül) und die Kapelle mit kraftvollem Deckenstuck, 1661 von Domenico Rossi; im großen Ahnensaal Deckenstukkaturen um 1730 im Bandelwerkstil, ebenso in allen Obergeschoßräumen des Westflügels. Kostbare Ausstattungs- und Sammlungsstücke, u. a.: Triptychon aus Siena, Madonna zwischen Heiligen, Anfang 15. Jh.; Retabel mit Marienkrönung, um 1520; Brustbildnisse des Hermann von Hatzfeldt und seiner Frau Margaretha von Hermann tom Ring, bezeichnet und datiert 1587; zahlreiche Familienbildnisse 17. und 18. Jh.
