FREIE HANSESTADT BREMEN-INNENSTADT / Altstadt / Sandstr. 3 .
Altstadt. Der letzte noch leidlich geschlossene Bestand an Häusern des 15.-19. Jh., wie sie als gemischt genutzte Wohn-, Werk- und
Speicherhäuser bis zur Ausbreitung großstädtischer Geschäftshaus-Neubauten E. 19. Jh. weite Teile der Altstadt geprägt hatten, findet sich im Schnoor, einem Quartier am SO-
Rand der Altstadt. Kleinteilig parzelliert, dicht bebaut und schon um die Jahrhundertwende sanierungsbedürftig, erlitt der Schnoor im Zweiten Weltkrieg zwar nur vereinzelte
Verluste, verfiel aber weiter stetig. Um 1950 setzten - auch unter dem Eindruck der Kriegsverluste an vergleichbaren Altstadtinseln - konzentrierte Bemühungen um eine
exemplarische Sanierung der meist zweigeschossigen, vorwiegend kleinbürgerlichen Giebelhäuser nach denkmalpflegerischen Maßstäben ein. Bis in die sechziger Jahre zuweilen
gewaltsam modernistische Lückenschließungen und Instandsetzungen, manchmal idealtypisch historisierend, bei reichlicher Verwendung geborgener Werksteinteile zwar
bremischer, sonst aber unbekannter Provenienz. - In der übrigen Altstadt haben sich nur vereinzelt z.T. großbürgerliche Wohnbauten erhalten:
Am Geeren 41. Backsteingiebelfront des 17. Jh., 1927 einem historisierenden Neubau einbezogen und das Mauerwerk erneuert; das rund- bogige, reich dekorierte Sandsteinportal
(Ohrmuschel- und Knorpelwerk, Genien in den Bogenzwickeln) um 1630, die beiden Utluchten l8-Jb.
Am Landherrnamt 6. Traufenständiger klassizistischer Putzbau von 1842 mit Sockelquaderung und bescheidenem Rankendekor. Faulenstr.
17 . Zweigeschossiges Giebelhaus E. 18.Jh. mit flach geschweiftem, bogenbekröntem Giebel und Vasen auf den Eckpostamenten.
Hinter dem Schütting 1. Kleines Backsteintraufenhaus, der Giebel mit spitzbogigen Hochblenden; Giebel und Utlucht nach Kriegsschäden erneuert.
Hinter der Holzpforte. - Nr. 2. Backsteingiebelhaus mit schlichtem Rundbogenportal von 1630; das 2. und 3. Obergeschoß bei der Instandsetzung zu einem Saal
verbunden. - Nr. 20. Giebelhaus E. 16. Jh.; um 1750 die Straßenfront überformt mit Utlucht, ornamentierter Sandsteinverblendung beider Vollgeschosse, beschnitzter
Oberlichttür und profiliertem Ortganggesims.
Katharinenstr. 15 . Backsteingiebelfront 17.Jh., mit Utluchten 2.H. 18. Jh.
Knochenhauerstr. 14
. Giebelhaus des 17.Jh., dem 1742 eine zweigeschossige Utlucht und Giebelaufsätze hinzugefügt wurden. Kolpingstr. 2/3 .
Klassizistisches dreigeschossiges Doppelhaus von 1820 mit markantem Kragsteingesims und zurücktretendem Walmdach. Die flachen Putzfronten sparsam-straff gegliedert; die
Eingangsachsen betont durch Tür- und Fenstergebälk und vermittelndem, mit Rankenwerk belegtem Sturz- und Brüstungsfeld.
Langenstr. 28
. Stattliches Backsteingiebelhaus um 1620. Seit 1902 neues, quer zur Giebelachse verlaufendes Hauptdach und glatter Verblendstein; in den zwanziger Jahren
Betondecken. Giebelkontur mit Obelisken auf den Staffelecken, Ohrmuschel- und Teigkringel werk, üppig dekorierte Fensterbögen in den Giebelgeschossen. Utlucht und
Fenstergewände in den Hauptgeschossen um 1730. In der weiträumigen, zweigeschossigen Diele (stark überformt) die prächtige, seitlich gelegene Treppe, die zweiläufig über
rechtwinklig angeschlossenen Galeriegängen zu den Straßen- und hofseitigen Räumen führt; mit Laubund Bandelwerk reich beschnitzte Geländer- und Brüstungsfelder um 1730.
Sandstr. 3 . Backsteingiebelhaus mit traufenständigem Flügel zur Straße; ehern, mittelalterliche Domkurie. 1579
gründliche Instandsetzung des verfallenen Giebelhauses durch den erzbischöflichen Kanzler Gideon Eggeling; aus dieser Zeit erhalten der zum Hintergiebel gelegene Saal mit
einer bemalten, 1580 dat. Bohlenbalkendecke (Beschlag- und Rollwerkbänder, Kartuschen mit figürlichen Allegorien u.a. der Tugenden und fünf Sinne, nach Stichvorlagen). Nach
1744 Ersetzung des Vordergiebels durch einen nunmehr traufständigen, dem Altbau über Eck angeschlossenen zweigeschossigen Neubau, urspr. mit 2 Dachgauben zur Straße; die
Fassadensymmetrie betont durch das mittige, sparsam ornamentierte Sandsteinportal.
Schnoor. — Nr. 9. Giebelhaus um 1620 mit üppiger Ohrmuschelwerk-Umrahmung des Giebelfensters; die Sonnenuhr von 1727, und vielleicht gleichzeitig die
zweigeschossige Utlucht, der Portalrahmen und die dem Gebälk aufsitzenden, mit gewundenen Blütenranken relie- fierten Sandsteinpfosten. - Nr. 11. Giebelhaus um 1600 mit
zweigeschossiger Utlucht um 1750.- Nr. 14, 15, 16. Giebelhäuser des 15. Jh.; Nr. 15 mit inschriftlich 1402 dat. Dachstuhl und einer mit Blattranken und
Portraitmedaillons bemalten Holzbalkendecke um 1620 (?); die mit gotischem Maßwerk beschnitzte Haustür aus dem Kunsthandel.- Nr. 37. Fachwerkgiebelhaus des 17.Jh. mit
vorgekragten Obergeschossen und Erker. - In der Lücke zu Nr. 3 8 Sandsteinportal von 1627 in Drittverwendung, mit barockem Ohrmuschel- und Teigwerk bereicherter
Renaissancedekor. — Nr. 39. Backsteingiebelhaus mit Sandsteinportal von 1631, Teigwerk in den Bogenzwik- keln.
Wüste Stätte 10. Ein letztes Packhaus 1.H. 19. Jh. Am Rückgiebel in einer Nische über dem Eingang die Holzfigur des Jacobus Maior, 17./18. Jh., vom ehern,
nah gelegenen Jakobi-Witwenhaus.
