FREIE HANSESTADT BREMEN-INNENSTADT / Vorstädte / Bleicherstr. 10-20

Vorstädte. Die Entwicklung der bremischen Vorstädte der 2. H. 19. Jh. vom Einfamilienreihenhaus bestimmt. Ursachen waren die enge, das Einfamilienhaus begünstigende Bauordnung von 1853 (u.a. Verbot der Hofbebauung für Wohnzwecke), wirtschaftspolitische und -geografische Umstände sowie der schlechte Baugrund. Bis 1860 war der Typ des sog. Bremer Hauses entwickelt: ein weitgehend standardisiertes, von Unternehmern einzeln oder in Gruppen errichtetes, in der Regel dreiachsiges Haus mit Küche und Wirtschaftsräumen im Souterrain, mit Hochparterre, Obergeschoß und ausgebautem Dachgeschoß. Weil auf dem Baugrubenaushub angelegt, war das Straßenniveau höher als das der rückwärtigen Gärten. Stilistisch bestimmend blieb bis zur Jahrhundertwende ein Baumeisterklassizismus, vielfach ergänzt durch romantische oder historisierende Formen. Ab 1900 trat daneben ein englisch beeinflußter Jugendstil (Cottagestil) auf. Verbreitungsgebiete des Bremer Hauses waren die Ostertor- und östl. Vorstadt bis zum Peterswerder, die Buntentors- und Südervorstadt auf der Neustadtseite, Utbremen und Walle im W sowie das vordere Schwachhausen. Nach Kriegsverlusten konzentriert sich das Bremer Haus stadtbildprägend nur noch auf Ostertor- und östl. Vorstadt, Schwachhausen und Bereiche der Neustadt.
Adlerstraße, 1853—56 von H. Rauschenberg angelegt; vielgestaltig im romantisch-klassizistischen Aufriß bei stets gleichem einfachen Grundriß.
Am Dobben, 1861 von A. Schröder angelegt. - Nr. 103, 1866 für den Reeder Vinnen, die zweigeschossige Loggia mit korinthischen Säulen im Erd- und Karyatiden im Obergeschoß. - Nr. 114, 1871 von G. Runge, atypisch sechsachsig in Renaissanceformen.
An den Häusern Bleicherstr. 10-20 und 41-57 wird der Übergang vom freistehenden Vorstadthaus zum städtischen Reihenhaus ablesbar. Im ersten Abschnitt von H. Depken, 1843, paarweise gestellte Häuser mit Mitteleingängen und gegeneinander abgesetzten Walmdächern. Die zusammenhängende Gruppe großbürgerlicher Häuser Nr. 41-57, um 1865 mit symmetrisch gesetzten Akzenten, zeigt die Zusammenfassung einer Häuserreihe unter einem übergeordneten Gedanken. Balkongitter, Terrassenbaluster und in Nr. 53 und 55 die Geschoßtreppen in Eisenkunstguß; die Mitte kriegszerstört, älterer Portikus an Nr. 57 in Zweitverwendung.
Fedelhören 61—63, 1860—61 von J. H. Mende, malerisch gestaffelte, antikisch und altdeutsch dekorierte Häusergruppe. Kohlhökerstraße, ehern, vornehme, nur fragmentarisch erhaltene Wohnstraße mit meist dreigeschossigen Häusern. Nr. 6, 1863 von L. Rutenberg, mit Frontabknickung und Balkonerker; Nr. 19, 1861, gotisierend; Nr. 37, 1853 von L. Rutenberg, klassizistisch; Nr. 52—54, 1876 von G. Dietrich, mit prachtvoll historisierenden Formen; Nr. 75, 1861, vierachsig mit romantisch-klassizistischer Gliederung und zierlichen Gußeisenfüllungen in den Bogenfeldern der Fenster; der Wintergarten wie meist später angebaut.
Mathildenstraße, ab 1866 durch L. Rutenberg. Exemplarisch die dekorative Vielfalt, die Häuser nach 1870 auffallend elegant mit gelegentlich figürlichem Schmuck und guter Innenausstattung.
Das Bild der Straßenzüge im vorderen Schwachhausen beherrschen größere Häuser und Spätformen des Bremer Hauses (Pseudoeinfamilienhäuser und Reihenhäuser ohne die typische funktionale Differenzierung). Gut erhalten der Platzraum Flermann-Böse-Str. 10-33 und Slevogtstr. 48-60 mit stark englisch beeinflußten Jugendstilelementen, 1904—05 von W. Blanke. Die Fassaden in der Delbrückstraße, nach 1906 angelegt, neuklassizistisch („Um 1800“) geprägt.

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