GLÜCKSTADT / Ev. Stadtkirche / Holzepitaphien
Ev.
Stadtkirche, 1618–23
errichtet, nach erheblicher Beschädigung beim Einsturz des Turmes
1650/51 erneuert und erweitert.
– Einschiffiger, weiß geschlämmter Backsteinbau mit
eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor. Schiff und Chor unter gemeinsamem
Dach und durchgehender Holztonne. An der Südseite breites, 1650/51 angefügtes Querhaus mit
Flachdecke und eigenem Walmdach, dem Schiff durch zwei weite Spitzarkaden
verbunden. Ein entsprechendes auf der Nordseite, auf das zwei bis auf Blenden
vermauerte Arkaden hinweisen, vielleicht nur geplant. Große spitzbogige
Sprossenfenster. Der quadratische, urspr. höhere Westturm mit
Hauptportal und originellem, lang ausgezogenem Haubenhelm. – Reiche,
in der Wirkung einheitliche Barockausstattung. Zweigeschossiger, steinerner
Altaraufbau
1693–96 von H. Röhlke, Hamburg, an
Stelle des an die Rendsburger Christkirche verkauften Knorpelwerkaufsatzes von
1662. Das Gerüst aus geschwärztem Sandstein mit gedrehten
rotmarmornen Säulen im Hauptgeschoss, Figuren der Evangelisten an den
Seiten, der bekrönende Christus und die Ornamentik aus Alabaster.
Gemälde:
Christus am
Ölberg 1836 und
Beweinung 1751.
Zugehörige Schranken in Form niedriger Dockenbrüstungen.
– Hölzerner
Lettner 1706 mit
schweren Messingdocken und Schmiedebekrönung in Durchsteckarbeit.
– Darüber aufgehängt
Holzkruzifix einer Triumphkreuzgruppe des
mittleren 17. Jh. Gotisierendes Corpus auf
Brettkreuz mit ausgesägtem Blattwerksaum. –
Holztaufe 1641 von
J. Schneiter,
Bielefeld/Glückstadt. Achteckige Pokalform. Die große Kuppa
durch Hermenrippen gegliedert, von Knorpelwerkvoluten gestützt. Auf dem
Deckel reich geschnitzte Knorpelwerklaterne. –
Holzkanzel um
1640/50, Erkertypus, durch starke Freisäulen, für
die sich Sockel und Gebälk kräftig verkröpfen, in
schmale Felder mit Schnitzfiguren Christi und der Apostel gegliedert. Unter dem
Korb schöner Knorpelvolutenunterhang. Zugehöriger Schalldeckel
mit weiteren Apostelfiguren. Der Aufbau in der Art des G. Kriebel (vgl. die Kanzeln im
Bremer Dom und in Otterndorf), das Einzelne, besonders die Figuren, jedoch unter
seinem Niveau. – Die den Raumeindruck stark mitbestimmenden
Holzemporen mit Bilddarstellungen der
Heilsgeschichte in schmalen, z. T. sparsam ornamentierten Bogenfeldern der
Brüstungen ab 1654 mit dem Singechor von
J. Schneiter (hinter der
Kanzel) beg. Es folgte eine entsprechende Empore an der Nordseite des Chores,
die später ins Schiff verlängert wurde;
„Lektor“ im Querarm von 1697.
(Die prachtvolle Barockorgel 1881 abgebaut und gelagert, später nach
Burg auf Fehmarn verkauft.)
Gemälde:
Beweinung, 1. H.
16. Jh., 1756
gestiftet. Figurenreiche
Kreuzigung, mittleres
16. Jh., niederländisch.
Christus am Kreuz mit trauernder Maria
Magdalena, Wiederholung des Mittelstücks einer Kreuzigung von
P. P. Rubensum 1613/15 (in Toulouse), wohl aus seinem Umkreis.
Zinsgroschengleichnis, derbe
Malerei des mittleren 17. Jh.,
holländisch, in zugehörigem Knorpelwerkrahmen. Jesus und die
Sünderin beim
Gastmahl des
Simon 1726 von H. Helbick, Glückstadt, nach
einem Reproduktionsstich des Spätwerks von N. Poussin. Zwei expressionistische
Darstellungen von M. Kahlke, Glückstadt,
Grüner Christus
1921,
Marienklage
1928.
Holzepitaphien: Bürgermeister
W. v. Ancken1625. Im reichen Rahmenaufbau die bereits vollkommen
ornamentalisierte Form der zweigeschossigen Ädikula dem Typ des
Gemäldeepitaphs genähert. Das ovale Hauptbild, Stifterfamilie
unter dem Kreuz, recht qualitätvoll.
Meyer
1691, Gemälde, Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten, in
reich geschnitztem, H. Röhlke zugeschriebenem
Blumenwerkrahmen mit allegorischen Figuren.
Polmann
1719, ovale Schrifttafel in Akanthusrahmen mit Putten und seitlichen Tugenden.
Generalmajor
Fuchs um 1720. Über einem Sarkophag mit
Trophäen qualitätvolles Ovalbildnis auf Kupfer. –
Vier prachtvolle
Messingkronleuchter, vermutlich aus der
Glückstädter Gießerei F. A. v. Roen, Stiftung des Handwerkeramtes
mit Zunftschildern und bekrönendem Salvator 1652. Stiftung der Island-Kompanie,
gleichzeitig, edel proportioniert. Stiftung der Totengilde 1655,
ähnlich der vorigen Krone, doch reicher mit bekrönendem
Salvator. Kleine Krone mit reitender Diana, wohl in den 1650er Jahren gefertigt,
1684 aus einem Privathause gestiftet. – Sieben
Messingleuchterarme des
mittleren 17. Jh.
