GROSSTHIEMIG / Ev. Dorfkirche / Architekturzeichnung
Ev.
Dorfkirche. Im Kern gestreckter Saalbau aus Bruchstein mit
polygonalem Ostschluss und eingezogenem quadratischen Westturm, wohl
sp. 14. oder fr. 15. Jh.; der oktogonale Turmaufsatz mit
Doppelhaube, Laterne und Spitze 17. Jh.
(am Glockenstuhl Datum 1629). Die Kirche 1545 an der Südseite um ein breites Seitenschiff noch in
gotischen Formen erweitert, seine beiden Quergiebel 1829 abgetragen. Rest.
1982–83. – Außen schlicht, verputzt. Zwischen schweren
Strebepfeilern Spitzbogenfenster, auf der Nordseite barock erweitert;
spitzbogiges Westportal mit profilierter
Sandsteinlaibung.
Auf der Nordseite kleine Portalvorhalle von 1792; darin Nordportal mit
flächigem manieristischen Schnitzwerk am Türblatt, dat. 1650,
einen Eisenbeschlag vortäuschend. Der Anbau vor dem südl.
Chorportal 1730. Im Glockengeschoss spitzbogige
Schallöffnungen mit schlichtem Maßwerk, wohl 1829.
Innen. Raum von eindrucksvoller Geschlossenheit durch die reiche Ausstattung
des 17. Jh., 1934 rest. unter Leitung von Kirchenmaler F. Leweke. Seit 1829 Putzdecken anstatt der
Holzdecken. Das Seitenschiff zum Kirchraum durch zwei weite Rundbogenarkaden
geöffnet,
an seiner
Südwand stilisierte
Architekturzeichnung und Monogramme mit Datum
1545. In der nördl. Chorwand große
Sakramentsnische
1. H. 15. Jh., mit aufwendiger kielbogiger Sandsteinrahmung und
schmiedeeiserner rosettenbesetzter Gittertür. Wesentlich für den
reichen Raumeindruck die
Emporen mit ihren
Brüstungsbildern, auf der Nordseite
dat. 1600; rest. 1934 und 1993/94. Auf der Südempore
Genesis (fünf Bilder 1887 erneuert von W.
Lucas aus Ortrand nach den Bibelillustrationen des J. Schnorr von Carolsfeld), auf der Nordempore
das Heilsgeschehen von Taufe bis Himmelfahrt und Pfingsten: nach einer
Inschrift am Ostteil der Nordempore „der neue Chor“ 1579 mit
sechs Bildern versehen von J. Heidenreich
aus Dresden. Auf der Westempore elf musizierende Engel in Rundmedaillons,
darunter die Namen der bäuerlichen Stifter, wohl 3. V. 17.
Jh.
Ausstattung. Mittelalterliche
Blockmensa, rückseitig mit
großer Öffnung zu gewölbter Gruft (?) darunter.
Hölzerner
Altaraufsatz in
Spätrenaissanceformen, M. 17. Jh. Doppelsäulenaufbau
mit Schnitzreliefs: in der Predella Abendmahl, im Hauptfeld Christus am
Ölberg, im Aufsatz Grablegung Christi. In den Wangen Reliefmedaillons,
links Geburt Christi rechts Kreuzigung. Die den Wangen seitlich
entwachsenden Engelsfiguren von manieristischem Schwung; qualitätvoll
auch die Freifiguren: auf dem Gebälk des Hauptgeschosses Fides und
Caritas, als Bekrönung der Auferstandene zwischen zwei sitzenden
Engeln. –
Etwa
gleichzeitig mit dem Altar die schöne hölzerne
Kanzel, getragen von
geschnitztem Engel, am polygonalen Korb Schnitzfiguren Christi und der
Evangelisten, Ecksäulchen und Beschlagwerk; auf dem kronenartigen
Schalldeckel der von vier Putten umgebene Schmerzensmann.
Sandsteintaufe, A. 16. Jh., an
der sechseckigen Kuppa Dekor aus Laubwerk und Schilden, 1618 durch
Kugelbesatz verändert. An der Südarkade guter
Kruzifixus, A. 16. Jh. Im Chor
und am Übergang zum Seitenschiff
Gestühl mit z. T. vergitterten Aufsätzen und
Rankenbemalung, ein Stück dat. 1677, das enggestellte
Gemeindegestühl von
1760.

