HANSESTADT LÜBECK / Fleischhauerstraße Nr. 25 / Terrakottareliefs

Fleischhauerstraße. Lange, leicht abfallende Straße der östl. Altstadtseite, weitgehend durch Folgen schlichter, horizontal abgeschlossener Putzfassaden aus der 1. H. 19. Jh. geprägt.
Nr. 14. Stattliches Hausteinportal des ausgehenden 16. Jh. Hoher rundbogiger Durchgang in strengem, ionischem Halbsäulenrahmen. Gewändeverkleidung aus Reliefplatten mit kriegerischen Trophäen oder grotesken Akanthusornamenten. In den Bogenzwickeln Genien. Über der Tür wiederverwendete Tafel mit Hausmarke und Datum 1591, vom Hofflügel.
Nr. 16. Im Kern älteres, beim Umbau nach 1780 mit breit gelagerter Zopfstil-Putzfassade versehenes zweigeschossiges Traufenhaus. Erdgeschoss über rustiziertem Sockel, durch Ladeneinbauten teilweise verändert.
Nr. 20. Im zweiten Obergeschoss des ehem. Finanzamtes (Bau von 1907/08) prachtvoller Festsaal von 1762 aus dem ehem. Rückflügel des abgebrochenen Bürgerhauses Breite Str. 12. Lang gestreckter, nur an einer Längsseite durchfensterter Raum mit zart in Rokokoformen stuckierter Voutendecke; in Eckkartuschen Reliefdarstellungen der vier Erdteile. Die Wände nobel mit dunkel gebeiztem Eichenholz vertäfelt, einzigartig in Lübeck. Wandfelder und Supraporten über Türen und Wandschränken mit stark plastisch geschnitzten und vergoldeten Rahmungen aus Rocaillen, Blütenwerk und -gehängen. In der stuckgezierten Ofennische Kachelofen vom Stockelsdorfer Typ. Im Wandschrank rechts daneben Handwaschanlage und Fächer um eine vollplastische Dionysos-Büste angeordnet, auf die Rebenranken und Wasserhähne in Gestalt von Delphinen inhaltlich bezogen sind. Zwischen den Fenstern zwei Spiegel in üppig beschnitzten Rahmen.
Nr. 22. Kalkmalereifragment im Obergeschoss des Rückflügelbaus, um 1420/30: durch stehende, höfisch gekleidete männliche und weibliche Figuren mit Spruchbändern erweiterte Kreuzgruppe. Seltenes und qualitätvolles Beispiel von Wandmalerei des Weichen Stils in Lübeck.
Nr. 25. An der Straßenfront des um 1930 von O. Schweinfurth und O. Siebert als Wohn- und Geschäftshaus in vier Geschossen mit zusammenfassender Lisenengliederung und Dreieckgiebel auf Schultern errichteten Neubaus in Backstein Terrakottareliefs aus der Werkstatt des St. v. Düren, 3. V. 16. Jh., vom Fries des Vorgängerbaus: Relieftriptychon, „Mensch zwischen Gesetz und Gnade“ (vgl. Mengstr. 27), seitlich Brustbildnisse der Propheten Joel und Daniel. Auch das Rundbogenportal wurde übernommen.
Nr. 28. Schlichte, spätbarocke Putzfassade mit Rokokohaustür. – Zum Hof spätgotische Front mit dreieckigem, von spitzbogigen Hochblenden geziertem Giebel um 1525 (d), ferner Renaissanceflügel. – In der Diele Paneele mit biedermeierlicher Bemalung.
Nr. 43. Fassade mit hohem, durch steigende Rundbogenblenden und Doppelluken gegliedertem Stufengiebel des 16. Jh., um 1800 nach Unterteilung des Dielengeschosses verputzt und mit neuen Fenstern versehen. – Klassizistische Haustür 1799. – Innen Diele mit eng gewinkelter, klassizistischer Treppenanlage bis ins 2. Obergeschoss.
Nr. 56. Oberteil eines aufwändigeren Kleinhausgiebels, um 1500, durch vier spitzbogige Hochblenden gegliedert, die beiden mittleren in eine hohe Topstaffel aufsteigend, mit Rundpässen in den Blendenspitzen, flachbogigen Zwillingsluken bzw. -blenden.
Nr. 60. Im Kern älteres Giebelhaus von 1450 (d). Fassade im 18. Jh. umgestaltet und verputzt, dabei Giebel geschweift und mit segmentbogigem Abschluss versehen.
Nr. 63. Mehrfach verändertes, schmales Giebelhaus, im Kern um 1471 (d), die Renaissancefassade um 1537 (d), E. 18. Jh. Giebel geschweift und mit dreieckigem Kopf abgeschlossen.
Nr. 74. Stufengiebelfront des 15. Jh. mit vier Hochblenden, verputzt, dahinter Neubau.
Nr. 79. Kleinbürgerhaus, im Kern 1457/58 (d), mit Zwischengeschoss und gestuftem Lukengiebel. – Dreieckiger Hofgiebel mit Lukenreihen, Flügelanbau mit Hochblenden. – Innen großer Dielenraum mit Einbauten des 18./19. Jh. Im Dach Windenrad. Im Flügelobergeschoss alte Fenster mit kleinteiliger Bleiverglasung in beschnitzten Kreuzstockrahmen, A. 17. Jh.
Nr. 81. Kleinbürgerhaus um 1600 mit unverändert erhaltener Straßenfront. Im Erdgeschoss nach links verschobenes, schlichtes Rundbogenportal. Stufengiebel mit drei Reihen kleiner Rundbogenluken.
Nr. 83. Kleinhaus mit schlichtem, befenstertem Stufengiebel, 17. Jh., verändert um 1800. Aus dieser Zeit breites Portal mit klassizistischer Haustür und Oberlicht.
Nr. 85. Verputzte Schweifgiebelfassade, E. 18. Jh. – Dreieckiger, blendengezierter Hofgiebel mit Doppelluken, spätgotisch.
Nr. 87. Im Kern spätgotisches Backsteingiebelhaus mit spitzbogigem Mittelportal, 15. Jh., im 19. Jh. teilweise abgetragen und verputzt. 1974 bei Freilegung oberer Blendenschluss mit waagerechtem Gesims verfälscht.

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