HANSESTADT LÜBECK / Mengstraße Nr. 48–50 / Terrakottaportal

Mengstraße. Die noch recht geschlossene Bebauung des unteren Stra­ßenteils mit stattlichen Giebelhäusern auf schmalen Parzellen gibt eine eindrucksvolle Vorstellung von dem 1942 kriegszerstörten Kaufmannsviertel am Hang des zum Travehafen abfallenden Stadthügels. Die Besitzerlisten der Hausgrundstücke sind meist bis ins späte 13. und frühe 14. Jh. zurückzuverfolgen. (>> auch Alfstraße und Braunstraße.)
Nr. 4. „Buddenbrookhaus“ (1841–91 im Besitz der Familie Mann, heute „Heinrich und Thomas Mann-Literaturzentrum“, ständige Ausstellungsstätte über Leben und Werk der Dichterbrüder). 1942 bis auf die prächtige Putzfassade zerstört, die 1957 in den Neubau einer Bank einbezogen wurde. Das hohe, der ehem. Diele entsprechende Untergeschoss gehört noch dem mittleren 16. Jh. an: Die Wand ist beiderseits des hohen Rundbogenportals mit korinthischem Pilasterrahmen aus Sandstein in je zwei schmale, rundbogige Fensterpaare aufgelöst und wird einschließlich des Portals zierlich durch Quader rustiziert. – Der obere Fassadenteil 1758 beim Ausbau eines vollen Wohngeschosses neu gestaltet. Dieses lagert, durch kräftige Horizontalgesimse begrenzt, mit einer Folge von fünf großen, gerahmten Stichbogenfenstern repräsentativ über dem Dielengeschoss. Dem damals für Lübeck neuartigen palaishaften Zug in die Breite entspricht der behäbige Giebelaufbau, der den Verzicht auf Speicherböden voraussetzt: Eingefasst von geschweiften Giebelstücken mit gelagerten allegorischen Figuren ein dreiachsiges, drittes Geschoss von fast gleicher Höhe wie das vorige unter breitem, anmutig geschweiftem Giebelkopf. Zwischen den großen Stichbogenfenstern über gemeinsamer Balustrade zwei Rokoko-Architekturvasen vor Wandnischen. Die Bildhauerarbeiten werden D. J. Boy zugeschrieben. Als Giebelbekrönung eine klassizistische Vase. – Auf dem Portalgebälk Inschrift: Anno-Dominus providebit-1758. – Barocker Keller.
Nr. 6. Oberer Teil einer Backsteingiebelfront aus dem mittleren 14. Jh., 1953 von dem 1942 zerstörten Hause Fischstr. 19 an den Neubau übertragen. Der prächtigste unter den erhaltenen hochgotischen Bürgerhausgiebeln. Breite schaufrontartige Ausbildung mit einer einzigen, hohen Mittelstaffel, in die die drei mittleren der sieben spitzbogigen Hochblendennischen aufsteigen. Diese werden durch reich profilierte senkrechte Glieder geteilt und bewirken zusammen mit den schlanken, z. T. als Blenden erhaltenen Spitzbogenlukenpaaren den Eindruck einer straffen Vertikalbewegung. Alle drei Staffeln zeigen unterhalb ihrer Schultern einen glasierten Spitzbogenfries. Der obere rekonstruiert. Der urspr. für den Eindruck wesentliche horizontale Schichtenwechsel aus dunkel glasierten und unglasierten Ziegeln wurde leider beim Neuaufbau des Giebels aufgelöst. Die Form der Blendenbögen ist nicht korrekt erneuert. – Unter der heutigen Durchfahrt dreischiffiger Keller des Vorgängerbaus erhalten.
(Nr. 8, Wede von St. Marien, >> dort.)
Nr. 19. Im Kern mittelalterliches Giebelhaus mit klar ausgewogener klassizistischer, geschossweise unterteilter Putzfassade des frühen 19. Jh. – Im Flügelbau des 16. Jh. Wandmalerei aus der 2. H. 16. Jh., zwei sich überlagernde, in Grisailletechnik mit ocker- bzw. rotfarbigen Höhungen gemalte Schichten mit der Darstellung Petri in Ranken, Zone darunter durch Faltwerk- bzw. Vorhangmalerei betont.
Nr. 23. Giebelfront des mittleren 16. Jh. Dielengeschoss um 1900 verändert. Zwischengeschoss mit Fenstern in flachbogigen, feinprofilierten Blenden. Darüber im dreistufigen Giebel fünf gestaffelte, ähnlich profilierte, rundbogige Hochblenden, die Flachbogenluken mit umlaufenden Taustäben übergreifen. – Hofseite mit schlicht dreieckigem Lukengiebel. – Innen Rest der ehem. Diele im hinteren Hausteil. Ihre Balkendecke mit Ausmalung von 1736 zeigte biblische Symbolik in gerahmten Rundfeldern innerhalb einer Laub- und Bandelwerkdekoration (nur teilweise freigelegt).
Nr. 25 (heute Haus der Kaufmannsjugend). Kernbau vielleicht um 1300, im 16. Jh. verändert, 1963–65 durchgreifend restauriert, dabei der obere Teil der Straßenfront im einzelnen verfälschend neu aufgemauert, insgesamt dennoch von Interesse. Die auf den Erstbau zurückweisende, über dem Erdgeschoss ansetzende Hochblendengliederung benutzte Viertelstabprofile. Die Anordnung der fünf Blenden, von denen die drei mittleren hoch aufsteigen, deutet auf eine urspr. Giebelform mit einer großen Mittelstaffel. Reste spitzbogiger Doppelluken (oben jetzt fälschlich winklig geschlossen). Im frühen 16. Jh. Einzug eines Zwischengeschosses mit Fenstern im unteren Teil der Blenden sowie vier neuer Lagerböden mit anderen Höhen als die urspr. und Stichbogenluken. In diesem Zusammenhang die Staffelhöhen verändert und die mittlere Hochblende nach oben verlängert. Beschädigtes, reich profiliertes Backsteinportal der Renaissance zwischen zwei großen Sprossenfensterflächen. – Reich beschnitzte Oberlichttür des Rokoko. – In der Diele rechts neben dem Eingang Reste einer Stuckdecke von 1643: drei Ovalfelder mit Darstellungen personifizierter Elemente zwischen Früchtegehängen.
Nr. 27. Prächtige Giebelfront um 1560/70, weitgehend im urspr. Zustand. Das hohe Dielengeschoss beiderseits des reich profilierten Rundbogenportals mit Taubandumzug und Sandstein-Bogengesims auf Konsölchen in zwei riesige, rechteckige Sprossenfensterflächen aufgelöst, die schmalere links für die ehem. Dornse. Über breitem Fries das hohe Zwischengeschoss mit vier Sprossenfenstern in fein profilierten Flachbogenblenden. Es folgen vier Lagergeschosse, eines noch im Hauskörper, drei im Stufengiebel, die durch große, flachbogige, wie die Zwischengeschossblenden profilierte Luken auf geschossteilenden Gesimsen gegliedert sind. Maueranker sind zusätzliche Gliederungselemente. Hauptschmuck der Terrakottafries unter dem Zwischengeschoss aus der Werkstatt des St. v. Düren: In der Mitte Brustbilder der Propheten Joel und Daniel, seitlich Porträtmedaillons in Kränzen und Putten auf Seeungeheuern. Über dem Portal in dreiteiligem Sandsteinrahmen Relieftriptychon „Mensch zwischen Gesetz und Gnade“, beliebte mehrfach wiederholte allegorische Darstellung des Kernthemas der altprotestantischen Dogmatik (z. B. Depenau 31, Fleischhauerstr. 25, Glockengießerstr. 20, auch Schloss in Gadebusch/Meckl.). Klassizistische Haustür unter großem Rokoko-Oberlicht.
Nr. 29. Giebelfront, im Kern wohl aus dem 14. Jh. Die fünf schlanken, regelmäßig gestaffelten Hochblenden zeigen die gleichen Profile wie an den Giebeln Koberg 10 und 11. Während eines durchgreifenden Umbaus in der 2. H. 16. Jh. wurden sie in einen größeren Stufengiebel mit neuer Lukenanordnung einbezogen und unten zugunsten eines hohen, später vorne zweigeschossig unterteilten Dielengeschosses verkürzt. Staffeln wie am Nebenhaus abgeschlossen. Vom rundbogigen Renaissanceportal zwischen den großen, flachbogigen Blenden des ehem. Dielenfensters die profilierte Archivolte erhalten.
Nr. 31. Eckhaus an der Geraden Querstraße um 1506 (d), 1678–1995 Sitz der Glasermeister J. J. Achelius und C. Berkentien (Firmenarchiv im Dachgeschoss als Privatmuseum erhalten). Giebelfront, durch Tafel über dem Portal 1612 dat. Diele vorne später unterteilt. Das große Rundbogenportal mit Sandsteinbogengesims auf Konsolen im 18. Jh. verputzt. Zwischengeschoss über einem Gesims durch stichbogige Fensterblenden gegliedert. Vierstufiger Giebel mit Reihen flachbogiger Luken. Alle Gewände haben fein gekehlte Profile.
Nr. 33. Behäbiges Eckhaus von drei und vier Geschossen mit Mansarddach, 1761 durch Umbau eines älteren Gebäudes entstanden, von dem im Erdgeschoss zur Geraden Querstraße ein Teil des durch Sandsteinzierstreifen belebten Backsteinmauerwerks freigelegt erscheint, schlicht verputzt. Die ungegliederte Hauptfront zur Mengstraße mit hohem, glatt gelaibtem Rundbogenportal und Rokoko- Oberlichttür. – Innen rechts neben dem Portal Saal mit Rokokostuckdecke.
Nr. 34–36. Neubau von 1957 an Stelle des 1942 zerstörten alten Schabbelhauses. Daran wiederverwendet Gebälk und Bekrönung des einst erheblich höheren, um 1595 wohl in der Coppens-Werkstatt entstandenen Sandsteinportals (ähnlich dem Portal Braunstr. 1–3, vom ehem. Amtshaus der Krämerkompanie), mit zwei lebensgroßen gelagerten Frauenfiguren, die Vanitassymbole halten, beiderseits eines im späten 18. Jh. zugefügten Aufsatzes.
Nr. 38. Eckhaus mit dreigeschossiger, horizontal abgeschlossener Putzfassade von fünf Achsen Breite, spätklassizistisch, gegen M. 19. Jh. – Monumentaler, höchst eindrucksvoller Hofgiebel 1460/61 (d), dreieckig, mit Firstzinne, durch fünf gestaffelte, spitzbogige Hochblenden gegliedert, die gekuppelte und einfache Flachbogenluken einschließen. Blenden und Luken noch mit Viertelstabprofilen. Sie werden durch schwarz glasierte Ziegel betont.
Nr. 40. Zwei miteinander verbunden Giebelhäuser. Das schmale Eckhaus mit weitgehend veränderter und im unteren Teil verputzter Treppengiebelfront der Renaissance. – Das andere mit fünfachsiger Putzfassade von zweieinhalb Geschossen um 1775/80, eine stattliche, jedoch fast schmucklose Ausprägung des Rokokofronttyps mit reduziertem Giebel. Angedeuteter, einachsiger Mittelrisalit, bis in den hohen Giebelaufsatz über der Mitte der attikaartig schließenden Front durchgeführt, von schräg gestellten Pilastern in den einzelnen Geschossen begrenzt, über denen sich die Gesimse verkröpfen. Erdgeschoss sockelartig mit Fugenrillen gequadert und mit einem über dem schlichten, korbbogigen Mittelportal leicht ausschwingenden Gesims. Fenster stichbogig, im Risalit besonders breit und gerahmt. – Geschnitzte Oberlichttür des Zopfstils. – Die Hoffront zum Teil noch mit Resten des Kernbaus von 1279 (d), von dem auch noch der von Kreuzgratgewölben überspannte Keller und der Dachstuhl stammen. – Alte Raumaufteilung vom Umbau der Rokokozeit, aus dem auch der jetzige Flügelbau hervorging, erhalten. Große Diele mit drei eingebauten Dielenschränken. Hier unter den später aufgebrachten Tünchen Reste gotischer Ausmalung, 2. V. 14. Jh., teilweise freigelegt, so auch Marienkrönung im Erdgeschoss des Flügels. Zimmer und Säle im Erdgeschoss. Im Obergeschoss des Flügels komplette Raumflucht mit Wandbespannungen, Paneelen und Stuckdecken.
Nr. 41–43. Siebenachsiges Backsteintraufenhaus von drei Geschossen mit zwei kleinen Zwerchgiebelhäusern, gegen 1590. Im Einzelnen verändert und 1974/75 wiederhergestellt, dabei Neuschaffung des großen Hauptportals mit modernem Sandsteingewände. Klassizistische Haustür von abgebrochenem Haus An der Untertrave 57. Schweifgiebel der Zwerchhäuser aus dem späteren 18. Jh. Vom Nebenportal der reich profilierte obere Teil des Backsteingewändes und das von Konsolen getragene Bogengesims aus Sandstein erhalten. – Der Haustyp, im späten 16. und frühen 17. Jh. häufig für Klein-, Miets- und Vorderhäuser von Stiftshöfen angewendet, war jedoch in reinen Kaufmannsstraßen ungewöhnlich. – Innen im neuen Treppenhaus bemalte Holzbalkendecke aus dem Erdgeschoss von Nr. 43 mit Putten und Akanthusranken, E. 17. Jh.
Nr. 44. Schlichteres Kaufmannshaus, im Kern um 1500, Dachwerk 1565 (d); an der Hoffront Datum 1590. Spätes Beispiel des durch rundbogige Hochblenden vertikal gegliederten Stufengiebeltyps mit einem Zwischengeschoss. Die Blenden nur mit Fase profiliert. Erdgeschoss 1910 verändert. – Innen große Diele mit Treppenanlage, Galerie und Kücheneinbau sowie großem bemaltem Dielenschrank des späten 18. Jh. Im Flügel von 1552 (d) bemalte Balkendecken, im Erdgeschoss Akanthusrankenmalerei um 1720 im hinteren Raum, im Vorderzimmer Landschaften im Wechsel mit die Jahreszeiten symbolisierenden Putten in rankenumgebenen Ovalfeldern, 2. H. 17. Jh. Hier auch Fragmente mehrerer Malschichten, darunter spätgotische figürliche Malerei an der Innenwand.
Nr. 48–50. „Schabbelhaus“. Zwei stattliche Giebelhäuser, 1863 vereinigt, nach Erwerb durch die Stadt 1955/56 von der Lübecker Kaufmannschaft als Ersatz für das 1942 zerstörte alte Schabbelhaus (Nr. 36) zum „Alt-Lübecker Kaufmannshaus“ mit Gaststätte eingerichtet. – Nr. 48. 1558 erbaut, nach Beschädigung durch eine Explosion 1562 erneuert, im 18. Jh. dreigeschossig umgestaltet, wobei die Fassade mit großen Stichbogenfenstern und schlichtem, geschweiftem Frontispizgiebel ein neues Aussehen erhielt. Vom urspr. Putz befreit, zeigt sie deutlich die Spuren des Umbauvorganges. Zuvor glich sie der Fassade des Hauses Nr. 27. Auch ein Terrakottafries der Werkstatt des St. v. Düren war, wie eine abgearbeitete Platte (links) und eine Reihe weiterer, beim Umbau abgenommener Platten (jetzt außen am Rückflügel) zeigen, an entsprechender Stelle vorhanden. Das Zwischengeschoss hatte jedoch nur drei Fenster in profilierten Blenden (Spuren erkennbar). Die Diele wurde gegen M. 18. Jh. im vorderen Drittel zweigeschossig ausgebaut, wobei man, da ihre Höhe nicht genügte, die Balkendecke durchbrach. Das Zwischengeschoss und den ersten, noch im Hauskörper gelegenen Speicherboden fasste man vorne zu einem noch höheren dritten Wohngeschoss zusammen. Das reich gegliederte Backsteinportal der Renaissance wurde mit korbbogiger Archivolte verkürzt und mit einer Rokokokartusche geschmückt. Der Giebel ersetzte vielleicht erst im späten 18. Jh. den urspr. gestuften. – Weitgehend unverändert blieb die Hoffront mit riesigen Dielenfenstern, Zwischengeschoss und Lagerböden. Der Umriss des dreieckigen schlichten Lukengiebels etwas verändert. – Großer, zweigeschossiger Rückflügel, nach niederländischer Art durch Hausteinbänder und Gesimse, skulptierte Quadersteine in den Entlastungsbögen der im Barock verkleinerten Erdgeschossfenster und rundbogige Kellerluken mit hübschen Werksteinrahmen recht aufwändig gegliedert. – Die auf die Umbauzeit zurückgehende Raumaufteilung ist beispielhaft für das lübische Kaufmannshaus des Spätbarock. Zentrum des Hauses ist die großräumige Diele, die etwa zwei Drittel des Vorderhauses einnimmt und durch die beiden raumhohen Hoffenster eine Lichtflut empfängt. Vorne, beiderseits des Eingangs zwei ehem. Kontore, darüber zwei bequeme Wohnräume, von der Diele her über eine beschnitzte Holztreppe und eine Holzgalerie zu erreichen. Diese, an der Westwand z. T. als Hängewerk weitergeführt, leitet zu der Keller und Boden verbindenden Treppenanlage und dem Obergeschoss des Rückflügels hin. Hauptakzent des Raumes ist eine mächtige Holzsäule, die den Unterzug der Balkendecke trägt. Während die Dielenausstattung im Wesentlichen in die Umbauzeit fällt, gehörte diese wahrscheinlich schon in das erste Dr. 18. Jh. Das Postament zeigt geschnitzte Nischenfiguren der Elemente, das komposite Kapitell trägt ein reich beschnitztes Sattelholz mit Drachenköpfen an beiden Enden. Bei der Umgestaltung der Diele wurde sie als Eckpfosten des Küchenverschlages benutzt, über dem auf der Galerie eine Mägdekammer zu ergänzen ist. – Zugehörig zwei große Dielenschränke. – Im Rückflügel reich ausgestattete Festräume. Im Erdgeschoss hinter einem kleinen Vorzimmer das Landschaftszimmer, beide mit zarten Rokokostuckaturen an Decken und Ofennischen. In der Mitte der Decke des letzteren Flachrelief, Amor auf dem Wagen der Venus. Die Landschaftstapete Neudruck nach Druckstöcken des späten 18. Jh. Runder Kachelofen mit Vasenaufsatz klassizistisch. – Im Obergeschoss Teile einer geometrisch bemalten Holzbalkendecke von einem Festsaal der Renaissance freigelegt. – Nr. 50 wohl etwa gleichzeitig erbaut wie Nr. 48 und nach dem erwähnten Explosionsunglück zumindest im Inneren erneuert. Die Giebelfront, 1955 durchgreifend restauriert, zeigt sich wieder weitgehend in ihrer urspr. Form: Über dem hohen Dielengeschoss mit erneuerten Fenstern, durch Gesimse abgetrennt, zwei Zwischengeschosse, im Stufengiebel drei Lukenreihen. Die flachbogigen Blenden der Zwischengeschossfenster und die Lukengewände fein profiliert. Staffeln mit kräftigen Abschlussgesimsen. Das prächtige glasierte Terrakottaportal wurde von dem 1942 zerstörten Haus Fischstr. 34 übertragen und war dort Teil einer Fassadengliederung durch Rundstäbe aus Terrakotta und Sandsteingesimse, die wohl noch mit der Werkstatt des St. v. Düren, 3. V. 16. Jh., in Zusammenhang zu bringen ist (eine vergleichbare Gliederung hatte das abgebrochene Haus Kohlmarkt 13), heute einzigartig in Lübeck. Die rundbogige Portalöffnung mit Taubandgewände und Sandsteinkämpfern liegt in einem Rahmen aus schlanken gekuppelten Säulen mit taustabartig geriffelten Terrakottaschäften und Sandsteinkapitellen, den eine von gleichartigen Schaftstücken eingefasste Attika mit einem Sandsteinrelief des bethlehemitischen Kindermordes und der Flucht der Hl. Familie nach Ägypten abschließt. – Rückfront gut erhalten, mit dreieckigem, von einer Firstzinne bekröntem Lukengiebel, großen Dielenfenstern und zweigeschossigem Rückflügelbau, der sich dem des Nebenhauses (Nr. 48) anlehnt. – Die Raumaufteilung entspricht dem Zustand der Renaissance. Aus der großräumigen Diele, die das ganze Untergeschoss füllt, ist vorne rechts neben dem Eingang mit Fachwerkwänden die gleich hohe Dornse ausgegliedert, deren verdeckte Holzbalkendecke eine Bemalung um 1570/80 trägt. Im Zwischengeschoss darüber ein weiterer Wohnraum. Diele und Vorderraum wurden im ausgehenden 17. und frühen 18. Jh neu ausgestaltet. Die schwere Holzbalkendecke der Diele zeigt reiche Akanthusbemalung mit Putten (z. T. erneuert), die Fachwerkwand des Einbaus ähnliche Akanthusornamentik über gemalter Diamantquaderzone, Ausgang des 17. Jh. Wohl gleichzeitig die ornamental beschnitzten Treppenpfosten sowie die Geländer der Galerie und Aufgänge mit ausgesägten Balustern. In der Dornse mit schwerer spätbarocker Tür aufwändige Bandelwerkstuckdecke, um 1735, wohl aus der Mogia-Werkstatt. – Im Erdgeschoss des Rückflügels elegantes Landschaftszimmer und kleines Vorzimmer. Beide mit einheitlicher Rokokoausstattung: reiche Stuckdecken, beschnitzte Türen, Paneele, im Landschaftszimmer in der Mitte der einen fensterlosen Längswand stuckierte Ofennische mit lübischem Fayenceofen des Rokoko (Leihgabe des St.-Annen-Museums). Beiderseits der Nische bemalte Wandbespannungen, vier meist amouröse Szenen aus dem Landleben, in denen die Jahreszeiten dargestellt sind. – Zahlreiche Gemälde (Leihgaben des St.-Annen-Museums).
Nr. 52. Wohl gleichzeitig wie das vorige Haus. Die Straßenfront mit Stufengiebel gleichartig gegliedert. Dielen- und erstes Zwischengeschoss im 19. Jh. beim Umbau des Inneren mit neuen Fensteröffnungen versehen. Gewändereste eines ehem. aufwändigen Hausteinportals mit Beschlagwerkornamentik aus der Zeit um 1600. Oberhalb des jetzt horizontalen Portalschlusses fünf Terrakotten aus der Werkstatt des St. v. Düren, im Zuge der Instandsetzung 1970–72 hierher verbracht. – Schlichter, dreieckiger Lukengiebel mit Firstzinne zum Hof. – Im Inneren Diele und Treppe aus der 2. H. 18. Jh.
Nr. 54. Eckhaus, 2. H. 16. Jh. Straßenfront des Typs mit vertikal durch rundbogige Hochblenden gegliedertem Stufengiebel über einem Zwischengeschoss, im 19. Jh. verändert. – An der Hofseite dreieckiger Lukengiebel mit Firstzinne. – Schwibbogen greifen über die Siebente Querstraße zu einem schmalen Volutenschweifgiebelhaus aus dem 3. V. 18. Jh. (Nr. 56) über.
Nr. 60. Im Kern älteres Giebelhaus 1533 (d), klassizistische, dreigeschossiger Putzfassade, spätgotischer Hofgiebel mit flachbogigen Luken. – Im Flügelerdgeschoss spätgotisches, großformatiges Wandbild, Wurzel Jesse, um 1510 (verkleidet).
Nr. 62. Dreigeschossige, klassizistische Putzfassade vor älterem Giebelhaus aus der Zeit um 1518 (d), zu dem der zur westl. Hälfte erhaltene rückwärtige Dreieckgiebel mit Hochblende und Doppelluken gehört. – Lang gestreckter Flügelbau des 18. Jh.
Nr. 64. Stattliches Giebelhaus mit einer durch horizontale Sandsteingesimse und Kreisblenden in den Staffeln geschmückten Stufengiebelfront, 1554 (d), 1982–84 umfassend wiederhergestellt. Älteres profiliertes Kalksteinportal. Giebeltyp wie Mengstraße Nr. 50 und Nr. 52. Der Hintergiebel mit Firstzinne gegliedert wie an der Straßenseite. In dem im 19. Jh. umgebauten Flügel ältere Bauteile. – Das Innere später zum Speicher umgebaut. In der hohen Diele erhalten die stämmige, einst freistehende Dielensäule mit figürlicher Schnitzerei an der unteren Säulentrommel, Jahreszeitenallegorien, und mit verziertem Sattelholz, frühes 18. Jh., ergänzt 1912. Damals auch die neue Treppe in historisierenden Formen zur Galerie hergestellt.
Nr. 66–70. Werksteinportal des frühen 17. Jh. Großer Portalbogen, in dessen Gewände Quader mit Ornamentreliefplatten wechseln, bis zum Kämpfer von zwei dorischen Halbsäulen auf Postamenten flankiert; das Bogenfeld von kleinen Hermenpilastern eingefasst, die das Gebälk tragen. Die Säulenschäfte eigenartig mit kleiner blütenartiger Diamantrustika überzogen. Im Bogenfeld Zwickelfiguren von Krieg und Frieden. Auf dem Gebälk beiderseits einer beschädigten und veränderten Aufsatzädikula kleine Figuren eines Abschied nehmenden antikischen Kriegers und einer trauernden Frau. Rokokohaustür.

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