HANSESTADT LÜBECK / Mengstraße Nr. 48–50 / Terrakottaportal
Mengstraße. Die noch
recht geschlossene Bebauung des unteren Straßenteils mit
stattlichen Giebelhäusern auf schmalen Parzellen gibt eine
eindrucksvolle Vorstellung von dem 1942 kriegszerstörten
Kaufmannsviertel am Hang des zum Travehafen abfallenden Stadthügels.
Die Besitzerlisten der Hausgrundstücke sind meist bis ins
späte 13. und frühe 14. Jh.
zurückzuverfolgen. (>> auch Alfstraße
und Braunstraße.)
Nr. 4.
„Buddenbrookhaus“
(1841–91 im Besitz der Familie Mann,
heute „Heinrich und Thomas
Mann-Literaturzentrum“, ständige
Ausstellungsstätte über Leben und Werk der
Dichterbrüder). 1942 bis auf die
prächtige Putzfassade zerstört, die 1957 in den Neubau einer Bank einbezogen
wurde. Das hohe, der ehem. Diele entsprechende Untergeschoss gehört
noch dem mittleren 16. Jh. an: Die Wand ist
beiderseits des hohen Rundbogenportals mit korinthischem Pilasterrahmen aus
Sandstein in je zwei schmale, rundbogige Fensterpaare aufgelöst und
wird einschließlich des Portals zierlich durch Quader rustiziert.
– Der obere Fassadenteil 1758 beim Ausbau eines vollen
Wohngeschosses neu gestaltet. Dieses lagert, durch kräftige
Horizontalgesimse begrenzt, mit einer Folge von fünf großen,
gerahmten Stichbogenfenstern repräsentativ über dem
Dielengeschoss. Dem damals für Lübeck neuartigen palaishaften
Zug in die Breite entspricht der behäbige Giebelaufbau, der den
Verzicht auf Speicherböden voraussetzt: Eingefasst von geschweiften
Giebelstücken mit gelagerten allegorischen Figuren ein dreiachsiges,
drittes Geschoss von fast gleicher Höhe wie das vorige unter breitem,
anmutig geschweiftem Giebelkopf. Zwischen den großen Stichbogenfenstern
über gemeinsamer Balustrade zwei Rokoko-Architekturvasen vor
Wandnischen. Die
Bildhauerarbeiten werden D. J. Boy zugeschrieben. Als
Giebelbekrönung eine klassizistische
Vase. – Auf dem
Portalgebälk Inschrift: Anno-Dominus providebit-1758. –
Barocker Keller.
Nr. 6. Oberer Teil einer
Backsteingiebelfront aus dem mittleren 14. Jh., 1953 von dem 1942 zerstörten Hause
Fischstr. 19 an den Neubau übertragen. Der prächtigste unter
den erhaltenen hochgotischen Bürgerhausgiebeln. Breite schaufrontartige
Ausbildung mit einer einzigen, hohen Mittelstaffel, in die die drei mittleren
der sieben spitzbogigen Hochblendennischen aufsteigen. Diese werden durch reich
profilierte senkrechte Glieder geteilt und bewirken zusammen mit den schlanken,
z. T. als Blenden erhaltenen Spitzbogenlukenpaaren den Eindruck einer straffen
Vertikalbewegung. Alle drei Staffeln zeigen unterhalb ihrer Schultern einen
glasierten Spitzbogenfries. Der obere rekonstruiert. Der urspr. für den
Eindruck wesentliche horizontale Schichtenwechsel aus dunkel glasierten und
unglasierten Ziegeln wurde leider beim Neuaufbau des Giebels aufgelöst.
Die Form der Blendenbögen ist nicht korrekt erneuert. –
Unter der heutigen Durchfahrt dreischiffiger Keller des Vorgängerbaus
erhalten.
(Nr. 8, Wede von St. Marien,
>> dort.)
Nr. 19. Im Kern
mittelalterliches Giebelhaus mit klar ausgewogener
klassizistischer, geschossweise unterteilter Putzfassade des frühen 19. Jh. – Im
Flügelbau des 16. Jh.
Wandmalerei aus der
2. H. 16. Jh., zwei sich überlagernde, in
Grisailletechnik mit ocker- bzw. rotfarbigen Höhungen gemalte Schichten
mit der Darstellung Petri in Ranken, Zone darunter durch Faltwerk- bzw.
Vorhangmalerei betont.
Nr. 23. Giebelfront des
mittleren 16. Jh. Dielengeschoss um 1900 verändert.
Zwischengeschoss mit Fenstern in flachbogigen, feinprofilierten Blenden.
Darüber im dreistufigen Giebel fünf gestaffelte,
ähnlich profilierte, rundbogige Hochblenden, die Flachbogenluken mit
umlaufenden Taustäben übergreifen. – Hofseite mit
schlicht dreieckigem Lukengiebel. – Innen Rest der ehem. Diele im
hinteren Hausteil. Ihre
Balkendecke mit Ausmalung von
1736 zeigte biblische Symbolik in gerahmten Rundfeldern
innerhalb einer Laub- und Bandelwerkdekoration (nur teilweise
freigelegt).
Nr. 25 (heute
Haus der Kaufmannsjugend). Kernbau
vielleicht um 1300, im 16. Jh. verändert, 1963–65 durchgreifend
restauriert, dabei der obere Teil der Straßenfront im einzelnen
verfälschend neu aufgemauert, insgesamt dennoch von Interesse. Die auf
den Erstbau zurückweisende, über dem Erdgeschoss ansetzende
Hochblendengliederung benutzte Viertelstabprofile. Die Anordnung der
fünf Blenden, von denen die drei mittleren hoch aufsteigen, deutet auf
eine urspr. Giebelform mit einer großen Mittelstaffel. Reste
spitzbogiger Doppelluken (oben jetzt fälschlich winklig geschlossen).
Im frühen 16. Jh. Einzug eines Zwischengeschosses mit Fenstern
im unteren Teil der Blenden sowie vier neuer Lagerböden mit anderen
Höhen als die urspr. und Stichbogenluken. In diesem Zusammenhang die
Staffelhöhen verändert und die mittlere Hochblende nach oben
verlängert. Beschädigtes, reich profiliertes Backsteinportal
der Renaissance zwischen zwei großen Sprossenfensterflächen.
– Reich beschnitzte
Oberlichttür des
Rokoko. – In der Diele rechts neben dem
Eingang Reste einer
Stuckdecke
von 1643: drei Ovalfelder mit Darstellungen
personifizierter Elemente zwischen Früchtegehängen.
Nr. 27. Prächtige
Giebelfront um 1560/70, weitgehend im urspr. Zustand.
Das hohe Dielengeschoss beiderseits des reich profilierten Rundbogenportals mit
Taubandumzug und Sandstein-Bogengesims auf Konsölchen in zwei riesige,
rechteckige Sprossenfensterflächen aufgelöst, die schmalere
links für die ehem. Dornse. Über breitem Fries das hohe
Zwischengeschoss mit vier Sprossenfenstern in fein profilierten
Flachbogenblenden. Es folgen vier Lagergeschosse, eines noch im
Hauskörper, drei im Stufengiebel, die durch große,
flachbogige, wie die Zwischengeschossblenden profilierte Luken auf
geschossteilenden Gesimsen gegliedert sind. Maueranker sind zusätzliche
Gliederungselemente. Hauptschmuck der
Terrakottafries unter dem Zwischengeschoss
aus der Werkstatt des St. v. Düren: In
der Mitte Brustbilder der Propheten Joel und Daniel, seitlich
Porträtmedaillons in Kränzen und Putten auf Seeungeheuern.
Über dem Portal in dreiteiligem Sandsteinrahmen Relieftriptychon
„Mensch zwischen Gesetz und Gnade“, beliebte mehrfach
wiederholte allegorische Darstellung des Kernthemas der altprotestantischen
Dogmatik (z. B. Depenau 31, Fleischhauerstr. 25, Glockengießerstr. 20,
auch Schloss in Gadebusch/Meckl.). Klassizistische Haustür unter
großem Rokoko-Oberlicht.
Nr. 29.
Giebelfront, im Kern wohl aus dem 14. Jh. Die
fünf schlanken, regelmäßig gestaffelten Hochblenden
zeigen die gleichen Profile wie an den Giebeln Koberg 10 und 11.
Während eines durchgreifenden Umbaus in der 2. H. 16. Jh. wurden sie in
einen größeren Stufengiebel mit neuer Lukenanordnung
einbezogen und unten zugunsten eines hohen, später vorne zweigeschossig
unterteilten Dielengeschosses verkürzt. Staffeln wie am Nebenhaus
abgeschlossen. Vom rundbogigen Renaissanceportal zwischen den großen,
flachbogigen Blenden des ehem. Dielenfensters die profilierte Archivolte
erhalten.
Nr. 31. Eckhaus an der
Geraden Querstraße um 1506 (d),
1678–1995 Sitz der Glasermeister J. J.
Achelius und C.
Berkentien (Firmenarchiv im Dachgeschoss als Privatmuseum
erhalten). Giebelfront, durch Tafel über dem Portal 1612 dat. Diele vorne später
unterteilt. Das große Rundbogenportal mit Sandsteinbogengesims auf
Konsolen im 18. Jh. verputzt. Zwischengeschoss über einem
Gesims durch stichbogige Fensterblenden gegliedert. Vierstufiger Giebel mit
Reihen flachbogiger Luken. Alle Gewände haben fein gekehlte
Profile.
Nr. 33. Behäbiges
Eckhaus von drei und vier Geschossen mit Mansarddach, 1761 durch Umbau eines älteren
Gebäudes entstanden, von dem im Erdgeschoss zur Geraden
Querstraße ein Teil des durch Sandsteinzierstreifen belebten
Backsteinmauerwerks freigelegt erscheint, schlicht verputzt. Die ungegliederte
Hauptfront zur Mengstraße mit hohem, glatt gelaibtem Rundbogenportal
und Rokoko-
Oberlichttür.
– Innen rechts neben dem Portal Saal mit Rokokostuckdecke.
Nr. 34–36. Neubau
von 1957 an Stelle des 1942 zerstörten alten
Schabbelhauses. Daran wiederverwendet
Gebälk und Bekrönung des einst erheblich höheren,
um 1595 wohl in der Coppens-Werkstatt entstandenen Sandsteinportals (ähnlich
dem Portal Braunstr. 1–3, vom ehem. Amtshaus der
Krämerkompanie), mit zwei lebensgroßen gelagerten
Frauenfiguren, die Vanitassymbole halten, beiderseits eines im späten 18. Jh.
zugefügten Aufsatzes.
Nr. 38.
Eckhaus mit dreigeschossiger, horizontal abgeschlossener Putzfassade von
fünf Achsen Breite, spätklassizistisch, gegen M.
19. Jh. – Monumentaler, höchst
eindrucksvoller Hofgiebel 1460/61 (d), dreieckig, mit
Firstzinne, durch fünf gestaffelte, spitzbogige Hochblenden gegliedert,
die gekuppelte und einfache Flachbogenluken einschließen. Blenden und
Luken noch mit Viertelstabprofilen. Sie werden durch schwarz glasierte Ziegel
betont.
Nr. 40. Zwei miteinander
verbunden Giebelhäuser. Das schmale Eckhaus mit weitgehend
veränderter und im unteren Teil verputzter Treppengiebelfront der
Renaissance. – Das andere mit fünfachsiger Putzfassade von
zweieinhalb Geschossen um
1775/80, eine stattliche, jedoch fast schmucklose
Ausprägung des Rokokofronttyps mit reduziertem Giebel. Angedeuteter,
einachsiger Mittelrisalit, bis in den hohen Giebelaufsatz über der
Mitte der attikaartig schließenden Front durchgeführt, von
schräg gestellten Pilastern in den einzelnen Geschossen begrenzt,
über denen sich die Gesimse verkröpfen. Erdgeschoss
sockelartig mit Fugenrillen gequadert und mit einem über dem
schlichten, korbbogigen Mittelportal leicht ausschwingenden Gesims. Fenster
stichbogig, im Risalit besonders breit und gerahmt. – Geschnitzte
Oberlichttür des Zopfstils. – Die Hoffront zum Teil noch mit
Resten des Kernbaus von 1279 (d), von dem auch noch der von
Kreuzgratgewölben überspannte Keller und der Dachstuhl
stammen. – Alte Raumaufteilung vom Umbau der Rokokozeit, aus dem auch
der jetzige Flügelbau hervorging, erhalten. Große Diele mit
drei eingebauten Dielenschränken. Hier unter den später
aufgebrachten Tünchen Reste gotischer
Ausmalung, 2. V.
14. Jh., teilweise freigelegt, so auch
Marienkrönung im Erdgeschoss des Flügels. Zimmer und
Säle im Erdgeschoss. Im Obergeschoss des Flügels komplette
Raumflucht mit Wandbespannungen, Paneelen und Stuckdecken.
Nr. 41–43.
Siebenachsiges Backsteintraufenhaus von drei Geschossen mit zwei kleinen
Zwerchgiebelhäusern, gegen 1590. Im Einzelnen
verändert und 1974/75 wiederhergestellt, dabei
Neuschaffung des großen Hauptportals mit modernem
Sandsteingewände. Klassizistische Haustür von abgebrochenem
Haus An der Untertrave 57. Schweifgiebel der Zwerchhäuser aus dem
späteren
18. Jh. Vom Nebenportal der reich profilierte obere Teil
des Backsteingewändes und das von Konsolen getragene Bogengesims aus
Sandstein erhalten. – Der Haustyp, im späten 16. und
frühen 17. Jh. häufig für Klein-, Miets- und
Vorderhäuser von Stiftshöfen angewendet, war jedoch in reinen
Kaufmannsstraßen ungewöhnlich. – Innen im neuen
Treppenhaus bemalte
Holzbalkendecke aus dem Erdgeschoss von
Nr. 43 mit Putten und Akanthusranken, E.
17. Jh.
Nr. 44.
Schlichteres Kaufmannshaus, im Kern um
1500, Dachwerk 1565 (d); an der Hoffront
Datum 1590. Spätes Beispiel des durch rundbogige Hochblenden vertikal
gegliederten Stufengiebeltyps mit einem Zwischengeschoss. Die Blenden nur mit
Fase profiliert. Erdgeschoss 1910 verändert. –
Innen große Diele mit Treppenanlage, Galerie und Kücheneinbau
sowie großem bemaltem
Dielenschrank des
späten 18. Jh. Im Flügel von
1552 (d) bemalte Balkendecken, im
Erdgeschoss
Akanthusrankenmalerei
um 1720 im hinteren Raum, im Vorderzimmer Landschaften
im Wechsel mit die Jahreszeiten symbolisierenden Putten in rankenumgebenen
Ovalfeldern,
2. H. 17. Jh. Hier auch Fragmente
mehrerer Malschichten, darunter spätgotische figürliche
Malerei an der
Innenwand.
Nr. 48–50.
„Schabbelhaus“. Zwei
stattliche Giebelhäuser, 1863 vereinigt, nach Erwerb durch die
Stadt 1955/56 von der Lübecker Kaufmannschaft als Ersatz für
das 1942 zerstörte alte Schabbelhaus (Nr. 36) zum
„Alt-Lübecker Kaufmannshaus“ mit
Gaststätte eingerichtet. – Nr. 48.
1558 erbaut, nach Beschädigung durch eine
Explosion 1562 erneuert, im
18. Jh. dreigeschossig
umgestaltet, wobei die Fassade mit großen Stichbogenfenstern und
schlichtem, geschweiftem Frontispizgiebel ein neues Aussehen erhielt. Vom urspr.
Putz befreit, zeigt sie deutlich die Spuren des Umbauvorganges. Zuvor glich sie
der Fassade des Hauses Nr. 27. Auch ein
Terrakottafries der Werkstatt des
St. v. Düren war,
wie eine abgearbeitete Platte (links) und eine Reihe weiterer, beim Umbau
abgenommener Platten (jetzt außen am Rückflügel)
zeigen, an entsprechender Stelle vorhanden. Das Zwischengeschoss hatte jedoch
nur drei Fenster in profilierten Blenden (Spuren erkennbar). Die Diele wurde
gegen M. 18. Jh. im vorderen Drittel zweigeschossig ausgebaut, wobei
man, da ihre Höhe nicht genügte, die Balkendecke durchbrach.
Das Zwischengeschoss und den ersten, noch im Hauskörper gelegenen
Speicherboden fasste man vorne zu einem noch höheren dritten
Wohngeschoss zusammen. Das reich gegliederte Backsteinportal der Renaissance
wurde mit korbbogiger Archivolte verkürzt und mit einer Rokokokartusche
geschmückt. Der Giebel ersetzte vielleicht erst im späten
18. Jh. den urspr. gestuften. – Weitgehend
unverändert blieb die Hoffront mit riesigen Dielenfenstern,
Zwischengeschoss und Lagerböden. Der Umriss des dreieckigen schlichten
Lukengiebels etwas verändert. – Großer,
zweigeschossiger Rückflügel, nach niederländischer
Art durch Hausteinbänder und Gesimse, skulptierte Quadersteine in den
Entlastungsbögen der im Barock verkleinerten Erdgeschossfenster und
rundbogige Kellerluken mit hübschen Werksteinrahmen recht
aufwändig gegliedert. – Die auf die Umbauzeit
zurückgehende Raumaufteilung ist beispielhaft für das
lübische Kaufmannshaus des Spätbarock. Zentrum des Hauses ist
die großräumige Diele, die etwa zwei Drittel des Vorderhauses
einnimmt und durch die beiden raumhohen Hoffenster eine Lichtflut
empfängt. Vorne, beiderseits des Eingangs zwei ehem. Kontore,
darüber zwei bequeme Wohnräume, von der Diele her über eine beschnitzte
Holztreppe und eine Holzgalerie zu erreichen. Diese, an der Westwand z. T. als
Hängewerk weitergeführt, leitet zu der Keller und Boden
verbindenden Treppenanlage und dem Obergeschoss des
Rückflügels hin. Hauptakzent des Raumes ist eine
mächtige
Holzsäule, die den Unterzug der
Balkendecke trägt. Während die Dielenausstattung im
Wesentlichen in die Umbauzeit fällt, gehörte diese
wahrscheinlich schon in das erste Dr. 18. Jh. Das Postament zeigt
geschnitzte Nischenfiguren der Elemente, das komposite Kapitell trägt
ein reich beschnitztes Sattelholz mit Drachenköpfen an beiden Enden.
Bei der Umgestaltung der Diele wurde sie als Eckpfosten des
Küchenverschlages benutzt, über dem auf der Galerie eine
Mägdekammer zu ergänzen ist. – Zugehörig
zwei große
Dielenschränke. – Im
Rückflügel reich ausgestattete Festräume. Im
Erdgeschoss hinter einem kleinen Vorzimmer das Landschaftszimmer, beide mit
zarten
Rokokostuckaturen an
Decken und Ofennischen. In der Mitte der Decke des letzteren Flachrelief, Amor
auf dem Wagen der Venus. Die
Landschaftstapete Neudruck nach
Druckstöcken des späten
18. Jh. Runder
Kachelofen mit Vasenaufsatz
klassizistisch. – Im Obergeschoss Teile
einer geometrisch bemalten
Holzbalkendecke von einem Festsaal der
Renaissance freigelegt. – Nr. 50 wohl etwa gleichzeitig erbaut wie
Nr. 48 und nach dem erwähnten Explosionsunglück
zumindest im Inneren erneuert. Die Giebelfront, 1955 durchgreifend restauriert,
zeigt sich wieder weitgehend in ihrer urspr. Form: Über dem hohen
Dielengeschoss mit erneuerten Fenstern, durch Gesimse abgetrennt, zwei
Zwischengeschosse, im Stufengiebel drei Lukenreihen. Die flachbogigen Blenden
der Zwischengeschossfenster und die Lukengewände fein profiliert.
Staffeln mit kräftigen Abschlussgesimsen. Das prächtige
glasierte
Terrakottaportal wurde
von dem 1942 zerstörten Haus Fischstr. 34 übertragen und war
dort Teil einer Fassadengliederung durch Rundstäbe aus Terrakotta und
Sandsteingesimse, die wohl noch mit der Werkstatt des St. v. Düren,
3. V. 16. Jh., in Zusammenhang zu
bringen ist (eine vergleichbare Gliederung hatte das abgebrochene Haus Kohlmarkt
13), heute einzigartig in Lübeck. Die rundbogige Portalöffnung
mit Taubandgewände und Sandsteinkämpfern liegt in einem Rahmen
aus schlanken gekuppelten Säulen mit taustabartig geriffelten
Terrakottaschäften und Sandsteinkapitellen, den eine von gleichartigen
Schaftstücken eingefasste Attika mit einem Sandsteinrelief des
bethlehemitischen Kindermordes und der Flucht der Hl. Familie nach
Ägypten abschließt. – Rückfront gut
erhalten, mit dreieckigem, von einer Firstzinne bekröntem Lukengiebel,
großen Dielenfenstern und zweigeschossigem
Rückflügelbau, der sich dem des Nebenhauses (Nr. 48)
anlehnt. – Die Raumaufteilung entspricht dem Zustand der Renaissance.
Aus der großräumigen Diele, die das ganze Untergeschoss
füllt, ist vorne rechts neben dem Eingang mit Fachwerkwänden
die gleich hohe Dornse ausgegliedert, deren verdeckte
Holzbalkendecke eine Bemalung
um 1570/80 trägt. Im Zwischengeschoss
darüber ein weiterer Wohnraum. Diele und Vorderraum wurden im
ausgehenden 17. und frühen 18. Jh neu ausgestaltet. Die
schwere Holzbalkendecke der Diele zeigt reiche Akanthusbemalung mit Putten (z.
T. erneuert), die Fachwerkwand des Einbaus ähnliche Akanthusornamentik
über gemalter Diamantquaderzone, Ausgang des 17. Jh. Wohl
gleichzeitig die ornamental beschnitzten Treppenpfosten sowie die
Geländer der Galerie und Aufgänge mit ausgesägten
Balustern. In der Dornse mit schwerer spätbarocker Tür
aufwändige
Bandelwerkstuckdecke, um
1735, wohl aus der Mogia-Werkstatt. – Im Erdgeschoss
des Rückflügels elegantes Landschaftszimmer und kleines
Vorzimmer. Beide mit einheitlicher Rokokoausstattung: reiche Stuckdecken,
beschnitzte Türen, Paneele, im Landschaftszimmer in der Mitte der einen
fensterlosen Längswand stuckierte Ofennische mit lübischem
Fayenceofen des
Rokoko (Leihgabe des St.-Annen-Museums). Beiderseits
der Nische bemalte
Wandbespannungen, vier meist
amouröse Szenen aus dem Landleben, in denen die Jahreszeiten
dargestellt sind. – Zahlreiche Gemälde (Leihgaben des
St.-Annen-Museums).
Nr. 52. Wohl gleichzeitig wie
das vorige Haus. Die Straßenfront mit Stufengiebel gleichartig
gegliedert. Dielen- und erstes Zwischengeschoss im 19. Jh. beim Umbau des Inneren mit
neuen Fensteröffnungen versehen. Gewändereste eines ehem.
aufwändigen Hausteinportals mit Beschlagwerkornamentik aus der Zeit
um 1600. Oberhalb des jetzt horizontalen
Portalschlusses fünf
Terrakotten aus der Werkstatt des
St. v. Düren, im
Zuge der Instandsetzung 1970–72 hierher verbracht. –
Schlichter, dreieckiger Lukengiebel mit Firstzinne zum
Hof. – Im Inneren Diele und
Treppe aus der 2. H.
18. Jh.
Nr. 54.
Eckhaus, 2. H. 16. Jh.
Straßenfront des Typs mit vertikal durch rundbogige Hochblenden
gegliedertem Stufengiebel über einem Zwischengeschoss, im 19. Jh. verändert.
– An der Hofseite dreieckiger Lukengiebel mit Firstzinne.
– Schwibbogen greifen über die Siebente Querstraße
zu einem schmalen Volutenschweifgiebelhaus aus dem 3. V. 18. Jh.
(Nr. 56) über.
Nr. 60. Im Kern
älteres Giebelhaus 1533 (d), klassizistische, dreigeschossiger
Putzfassade, spätgotischer Hofgiebel mit flachbogigen Luken.
– Im Flügelerdgeschoss spätgotisches,
großformatiges
Wandbild,
Wurzel Jesse, um 1510 (verkleidet).
Nr.
62. Dreigeschossige, klassizistische Putzfassade vor
älterem Giebelhaus aus der Zeit um 1518 (d),
zu dem der zur westl. Hälfte erhaltene rückwärtige
Dreieckgiebel mit Hochblende und Doppelluken gehört. – Lang
gestreckter Flügelbau des 18.
Jh.
Nr. 64. Stattliches
Giebelhaus mit einer durch horizontale Sandsteingesimse und Kreisblenden in den
Staffeln geschmückten Stufengiebelfront, 1554
(d), 1982–84
umfassend wiederhergestellt. Älteres profiliertes Kalksteinportal.
Giebeltyp wie Mengstraße Nr. 50 und Nr. 52. Der
Hintergiebel mit Firstzinne gegliedert wie an der Straßenseite. In dem
im 19. Jh. umgebauten
Flügel ältere Bauteile. – Das Innere
später zum Speicher umgebaut. In der hohen Diele erhalten die
stämmige, einst freistehende Dielensäule mit
figürlicher
Schnitzerei
an der unteren Säulentrommel, Jahreszeitenallegorien, und mit
verziertem Sattelholz, frühes
18. Jh., ergänzt 1912. Damals auch die neue
Treppe in historisierenden Formen zur Galerie hergestellt.
Nr. 66–70.
Werksteinportal des frühen 17. Jh.
Großer Portalbogen, in dessen Gewände Quader mit
Ornamentreliefplatten wechseln, bis zum Kämpfer von zwei dorischen
Halbsäulen auf Postamenten flankiert; das Bogenfeld von kleinen
Hermenpilastern eingefasst, die das Gebälk tragen. Die
Säulenschäfte eigenartig mit kleiner blütenartiger
Diamantrustika überzogen. Im Bogenfeld Zwickelfiguren von Krieg und
Frieden. Auf dem Gebälk beiderseits einer beschädigten und
veränderten Aufsatzädikula kleine Figuren eines Abschied
nehmenden antikischen Kriegers und einer trauernden Frau.
Rokokohaustür.

