HANSESTADT LÜBECK / Wahmstraße Nr. 33–37 / Terrakottaplatten
Wahmstraße. Einst
insbesondere von Brauhäusern bestimmte Straße auf der Ostseite
des Altstadthügels.
Nr. 28.
Zweigeschossiges Volutenschweifgiebelhaus von 1719.
– Klassizistische Haustür aus der Zeit um 1800 vom Hause
Engelsgrube 27.
Nr. 29–37. Eindruckvolle
Folge hoher Backsteingiebel. Nr. 29. Dreistufiger Giebel
1469/70 (d), durch drei spitzbogige Hochblenden
zwischen kleinen Seitenblenden gegliedert. Die mittlere mit der Topstaffel
gekappt, alle beim Einzug eines Zwischengeschosses im 16. Jh. verkürzt. Reste
flachbogiger Zwillingsluken. Untergeschosse im 19. Jh.
überformt.
Nr. 31.
Ehem. Brauhaus mit Stufengiebel,
frühes 17. Jh. Über einem
Zwischengeschoss durch flachbogige Lukennischen gegliedert.
Nr. 33–37. Drei
hochragende Giebelhäuser, im Kern älter, zwischen 1557 und 1572 als Brauhäuser
umgebaut, die beiden äußeren mit Datum 1557. Die
fragmentarisch erhaltene Gliederung der Straßenfronten gehört
zu den schönsten des 16. Jh. in Lübeck. Der vertikal
gegliederte Typ fand hier eine Ausprägung, die besonders eindrucksvoll
nachgotisches Formgefühl zeigt. Die unteren Fassadenteile sind beim
späteren zwei- und dreigeschossigen Ausbau der hohen
Hauskörper z. T. auf Kosten der Vertikalgliederung verändert,
die Gesamtproportionen jedoch noch in Nr. 37 erhalten: Über
einem Gesims, das die Höhe des ehem. Dielengeschosses angibt, steigen
unmittelbar sieben schmale, rundbogig geschlossene Hochblenden auf, die drei
mittleren beträchtlich höher als die seitlichen. Der urspr.
entsprechend gestufte Umriss wurde im späten 18. Jh. durch
Abschweifen und mit einem Frontispiz geschickt modernisiert. Die Blenden
übergreifen hohe Flachbogenluken in fünf Geschossen, von denen
die beiden unteren noch im Hauskörper liegen. Zwischen den Lukenreihen
Rundpässe mit eingelassenen, zurechtgeschlagenen
Terrakottaplatten aus der Werkstatt des
St. v. Düren,
Bildnismedaillons, Putten auf Seeungeheuern reitend oder tanzend, Wappentiere,
oben in den seitlichen Blenden Tafeln aus dem Triptychon „Mensch
zwischen Gesetz und Gnade“ (vgl. Mengstr. 27). Hoch-, Kreisblenden
und Luken einheitlich mit feinen Kehlen und Stäben profiliert.
– Die beiden anderen Fronten zeigen die gleichen Gliederungs- und
Schmuckformen. – In Nr. 33 wurde der Stufengiebel im
17. Jh. abgetragen und über den gekappten Blenden ungegliedert
neu aufgemauert. – In Nr. 35 schweifte man den Umriss des
Giebels, der offenbar gleichmäßig gestuft war, rigoros ohne
Rücksicht auf die Blenden ab, bekrönte ihn mit einem
Frontispiz und veränderte die Luken. – Die Hofgiebel blieben
erhalten, dreieckig mit Firstzinne, Nr. 35 durch Hochblenden, Nr. 33 und 37
durch Lukenreihen (bei Nr. 37 profiliert) gegliedert. – Die zur
Durchfahrt umgestaltete geräumige Diele von Nr. 37 zeigt
umfängliche Reste ihrer Ausstattung mit zwei Treppenanlagen und
Holzgeländer aus sich
überschneidenden ausgesägten Kreisen gegen 1800, sowie aus der Bauzeit des Hauses
die Holzbalkendecke und einen am Kopfstück mit Masken und Cherubinen
beschnitzten Stützpfeiler. – In der Diele von
Nr. 33 hölzerne
Stützsäule mit
korinthischem Kapitell, 1. H. 18. Jh.
– Im Obergeschoss des Seitenflügels Holzbalkendecke mit
figürlich ausgemalten, barocken Kartuschen und ältere
Wandmalereien en grisaille
um 1575, Schöpfungsgeschichte nach dem
Stichvorlagenwerk von V. Solis d.
Ä., Nürnberg (>> auch
Hüxstr. 32), ferner
Kartuschen mit biblischen Szenen nach der
sog. Merian-Bibel, um
1640 (Zweitausmalung, zur Deckenbemalung gehörig).
Nr. 36. Schlichtes
Backsteingiebelhaus, 1. H. 17. Jh.
Stufengiebel horizontal durch Gesimse und kleine Flachbogenluken gegliedert.
Zwischengeschoss und hohes Dielengeschoss nüchtern überformt.
Über dem Portal Inschrifttafel von 1793, darin ein vollplastisch
geschnitzter Hirschkopf auf einer
Schweifwerkkartusche des
frühen 17. Jh. verwendet.
Nr. 46. Durchgang zur
Aegidienstraße. Geräumige, einst im nördl. Abschnitt
durch mittlere Bebauung zweigeteilte Wohnganganlage des
16. Jh. Die zweigeschossigen,
traufenständigen Ganghäuser des frühen 17. Jh.
größtenteils erneuert und überformt. –
Haus 23 mit dreieckigem Fachwerkgiebel über massiv gemauertem
Erdgeschoss, um 1600. Rokokohaustür.
(Nr. 47–51, Bruskows Gang,
>> Stiftungshöfe.)
Nr. 54–56. Zwei
stattliche Renaissancegiebelhäuser, heute vereinigt und im Innern
umgebaut. Das erste durch Maueranker und Wappentafel
1593, das zweite 1603 dat.
Einander ähnlich gegliederte Straßenfassaden: Über
den hohen Dielen und zwei bzw. drei ehemals als Lagerböden genutzten
Zwischengeschossen mit Lukenfenstern in großen Flachbogenblenden
Stufengiebel, die durch rundbogige Hochblenden gegliedert und mit kleinen
Flachbogenluken versehen sind. Zwischen großflächigen
Dielenfenstern, bei Nr. 54 in Stichbogenblenden, schlicht aus
Fasensteinen gestufte, Rundbogenportale unter von Konsölchen getragenen
Werksteingesimsen. – Die Rückfronten mit breiten,
flachbogigen Fensterblenden und durch Lukenreihen gegliederten Dreieckgiebeln,
an Nr. 56 angefügt zweigeschossiger Flügelbau.
– Im Inneren von Nr. 56 Diele mit klassizistischer
Treppenanlage. Der Flügel im Erdgeschoss mit stuckiertem Saal von 1710.
In seinem Obergeschoss erhalten die
Fensterkonstruktion von
1603 mit reich beschnitzten Zargen und Pfosten sowie
bleiverglasten Scheiben.
Nr. 60. Dreistufiger
Backsteingiebel E. 15. Jh., durch fünf
spitzbogige Hochblenden gegliedert, mit einigen erhaltenen flachbogigen
Doppelluken und nicht vollständig durchgeführtem
Schichtwechsel aus dunkel glasierten und unglasierten Ziegeln. Der untere Teil
der Front, 1960 von Putz befreit,
zeigt ein Zwischengeschoss mit Fenstern in hohen Flachbogenblenden, das
vielleicht von vornherein bestand. Die Blenden sind in beiden Teilen gleich
breit und haben abgefaste Kanten. Das Datum 1725 am Wappenstein über dem
rundbogigen Portal deutet auf eine Veränderung des Untergeschosses
sowie die Errichtung des mit Mansarddach versehenen Flügelbaus.
– Innen Diele mit verglastem, zweigeschossigem Kücheneinbau
und gewinkeltem
Treppenlauf,
E. 18. Jh. Im Erdgeschoss des Flügels
schlichter Saal mit geschwungenem Deckengesims und zugehörigen
Rokokotüren.
Nr. 62. Stufengiebel des
frühen 17. Jh. mit breiten,
flachbogigen Blendenreihen.
(Nr. 73–75,
v. Höveln-Gang,
>> Stiftungshöfe.)
Nr. 79. Stattliche
zweigeschossige, mit horizontalen Fugenrillen versehene Putzfassade,
darüber breiter, gestufter Pfeilergiebel in neuromanischen Formen, der
durch rundbogige Fenster und Doppelluken in den Stufen gegliedert ist,
1866.
(Nr. 76,
Birgittenhof, >> Stiftungshöfe.)

