KEITUM / Ev. Kirche / Gemäldereste
Ev.
Kirche, ehem.
St. Severin. Einsame Lage nordwestl.
außerhalb des Ortes auf einer Anhöhe über dem nahen
Watt, vom Kirchhof umgeben. Einschiffiger, spätromanischer Bau des
frühen 13. Jh. (Dachstuhl um 1216
[d])mit eingezogenem Kastenchor und abgesetzter, in Form einer Halbkuppel
gewölbter Halbrundapsis, im Übrigen flach gedeckt. Untere
Schichten aus Granitquadern (am Schiff Feldsteinmauern vorgeblendet), vielleicht
der nordschleswig-jütischen Granitquadergruppe zuzuzählen
(vgl. Nieblum), darüber Tuff und Backstein in
regelmäßigem Schichtwechsel auf Sicht berechnet. Ecklisenen
und abwechslungsreiche Zierfriese aus Rauten, Winkeln, Treppen und gekreuzten
Rundbogen, z. T. doppelt übereinander. Apsis besonders reich mit
eingetieften, durch doppelte Rundbogenfriese abgeschlossenen Blendfeldern. Von
den drei Apsisfenstern nur das mittlere mit reich gegliederter Archivolte offen.
Weitere urspr. Öffnungen: zwei Nordfenster am Quadrum, Priesterpforte,
Norder- und Süderportal etwas westl. der Schiffsmitte. Die Portale mit
Granitgewänden und -tympana. Gestufter Apsisbogen, Chorbogen und
Granitbogen in der Westwand rund mit Kämpfern. Schiffs- und
Chorsüdfenster 1845–47 und 1863. Dachdeckung 1992 wie urspr.
in Blei erneuert. – Spätgotischer Westturm aus Backsteinen,
rechteckig mit Nordtür, Schallöffnungen und
Längssatteldach. Turmhalle vielleicht urspr. als Taufkapelle zum
romanischen Bau gehörig, auf Wölbung angelegt. Im
Mittelgeschoss Westgiebel des Schiffes mit Kreuzblende sichtbar. –
Spätgotisches Backsteinvorhaus an der Südseite des Chores,
ehem. „Kalfaster“ (= geheizter Raum).
Fünfflügeliger
Schnitzaltar um
1500. Im Mittelschrein Gnadenstuhlgruppe zwischen der Madonna und
hl. Severin. In den quergeteilten Flügeln Apostelfiguren in
zwei Reihen übereinander. Alle Figuren mit Ausnahme Christi
überwiegend in urspr. Fassung. Maßwerkbaldachine.
Außenflügel mit bemerkenswerten spätgotischen
Gemälderesten, acht
Passionsszenen, außen Maria und Bischof, unter
südniederländischem Einfluss. Auf der Predella
Abendmahlsgemälde
1705. – Bentheimer
Sandsteintaufe
13. Jh. Zylindrische, mit Wellenband
ornamentierte Kuppa über Wulstring, quadratische Fußplatte,
darauf vier liegende Löwen. Hölzerner
Taufdeckel 1697,
mit Gemälde der Taufe Christi. –
Holzkanzel, 1699
aus der Kirche in Mögeltondern erworben und zur Emporenkanzel
umgearbeitet (urspr. 5/8-Grundriss). Barocke Farbfassung. Einfache
Renaissancegliederung, urspr. mit Hermen statt Säulen am Korb. In
Brüstungsfeldern Tugendreliefs nach Plaketten von P. Flötner und
Rantzau-Wappen. Zugehöriger sechsseitiger Schalldeckel mit
Kopfmedaillons in spitzgiebeligen Aufsätzen. –
Pastorenstuhl, ehem. Müllerstuhl,
mit Daten 1769 und 1780. In Rückwand und
Tür Passions- und Auferstehungsgemälde. –
Nordempore 1724
mit schlichter Pilastergliederung.
Westempore 1699
von B. Hansen,
Mögeltondern, auf ionischen Stützen und mit achteckigen
Felderfüllungen. Die urspr. darüberliegende
Orgelempore mit Dockenbrüstung
wohl von 1787, gleichzeitig mit dem Zopfstilprospekt
der
Orgel von J. H. Angel, Flensburg, beides
1999 beim Orgelneubau entfernt
und abgestellt. –
Votivgemälde, Gekreuzigter und
Stifter, 1654, in spätgotischem Rahmen.
–
Gemäldeepitaph
Frödden1654,
interessant wegen der Stifterdarstellungen in Sylter Tracht. – Drei
wertvolle
Messingkronleuchter,
mit einem Lichtkranz, gegossenen Putten und Caritasfigur, holländisch,
1. H. 17. Jh.; mit zwei
Lichtkränzen und Jupiter auf dem Adler reitend 1683 und
1698.

