LAUENBURG / Ev. St.-Maria-Magdalenen-Kirche / Wappentafel
Ev.
St.-Maria-Magdalenen-Kirche. Angeblich Stiftung
Herzog Albrechts I. nach dem Siege bei
Bornhöved (1227), um 1598 aufwändig als Grabkirche
für Herzog Franz II. ausgestaltet.
1827
bilderstürmerische Restaurierung durch G. W. Timmermann.
Einschiffiges, geräumiges Langhaus gegen
1300, dessen urspr. Raumform nicht bekannt ist, etwa ab 1700 mit versputzter Holztonne
überdeckt. Der untere Teil des Mauerwerks aus behauenen Feldsteinen, im
Osten mit schlichtem Sockel, der obere aus Backstein. Beiderseits fünf
lange Spitzbogenfenster (verändert). Nachträgliche
Stützpfeiler (der zweite von Osten an der Südseite vor einer
gotischen Priesterpforte). Seitenportale in westl. Achse mit rundbogigen
Sandsteinrahmungen von 1598 in Formen der niederländischen Renaissance,
gegliedert durch Pfostenpilaster, Archivoltenrahmen, Gebälk und
Aufsätze, im Süden Rollwerkkartusche mit Doppelwappen des
Herzogpaares, im Norden Christus und Moses. Neben dem Süderportal
Wappentafel mit verloschener
Stiftungsinschrift von 1599.
Eingezogener, dreiseitig geschlossener Chor, einst mit
Stützpfeilern und zwei Kreuzrippengewölben über
gewölbter Gruft, ab 1595 in
nachgotischen Formen errichtet, 1827 von G. W. Timmermann bis auf die Gruft
nüchtern mit Flachdecke und stichbogigem Chorbogen erneuert. Der
hochgelegene Chorraum, der durch einen dreibogigen, vergitterten Steinlettner
mit einer Holzkanzel vor der Mitte abgeschlossen war, diente zugleich als
Grabkapelle und Ruhmeshalle des Herzogs Franz II. Im linken Teil befand sich,
den Blick auf einen großen Schnitzaltar freilassend, eine Tumba, auf
der das Herzogspaar unter dem Kruzifix kniete (ähnlich dem
Christoph-Monument im Schweriner Dom von 1594–98 und dem
Reventlow-Denkmal in Lütjenburg von 1608). An der
gegenüberliegenden Wand war eine steinerne Wappentafel als Ahnenprobe
angebracht. Davor stellten lebensgroße Freifiguren Kaiser Karls des
Großen, König Heinrichs I. und der Herzöge Heinrich
der Löwe, Otto I. von Braunschweig und Bernhard von Askanien die
geschichtliche Herkunft der sächsisch-lauenburgischen
Fürstenmacht dar: ein merkwürdiges Zeugnis des sich damals
unter den deutschen Territorialherren entwickelten
Souveränitätsbewusstseins. Die reiche
bildhauerische Ausstattung stammte wohl in
der Hauptsache aus der Werkstatt R. Coppens, Lübeck, und ist
1599 dat. Von den erhaltenen Bruchstücken noch
im Chor das lebensgroße, kniende Herzogspaar und vier thronende
Evangelisten von der Tumba, vier weibliche Hermenpilaster vom Lettner, vier
Wappentafeln und zwei Monogrammkartuschen, alles aus Sandstein in neuer
Aufstellung (weitere figürliche und architektonische Reste u. a. im
„Lapidarium“ des Schlossturms). – In der Gruft
18
Metallsärge des
16./17. Jh. mit reichen Gravierungen. An der
Nordseite des Schiffs zweigeschossiger, gotischer Anbau aus Backstein mit
Kreuzrippengewölben im Untergeschoss, Stützpfeilern und
Fachwerkgiebel. – Neugotischer Westturm aus Ziegeln, 1902 von O. Pieper, Hamburg. Der 1945 durch
Artilleriebeschuss beschädigte und danach abgetragene Spitzhelm 1992
wiedererrichtet. –
Bronzetaufe 1466,
C. Vribusch,
Lüneburg, zugeschrieben. Kesselfünte mit Umschrift und
Reliefplaketten auf vier rückenlosen Trägerfiguren
(Mönchen). –
Orgelprospekt
1625, mehrfach, besonders 1650, restauriert. Stattlich mit
dreitürmigem, jetzt zurückgesetztem Hauptprospekt und
ähnlichem Rückpositiv zwischen schlanken Basstürmen.
–
Kruzifix
gegen 1500, lübisch,
überlebensgroßes Corpus an Brettkreuz mit Evangelistensymbolen
in zipfligen Endscheiben. –
Gemäldetafel, „Lust der
Welt“, um 1470/80, zweiseitig bemalt, auf
der einen Seite ein elegant gekleidetes Paar, auf der anderen dasselbe im
Zustande der Verwesung. –
Epitaphien:
Weltzin (†
1590), R. Coppens zugeschrieben, feines
Alabasterrelief der Kreuzigung mit Stiftern in hölzernem
Renaissancebogen; Rest eines Rahmenaufbaus. Pastor
Mertens
(† 1703), ovales Porträtgemälde in Akanthusrahmen
mit allegorischen Figuren. – Unter dem Abendmahlsgerät
elegante bauchige
Deckelkanne,
Silber vergoldet, 1695.
– Vier
Messingkronleuchter mit doppelten
Lichterkränzen und bekrönenden Figuren: Doppeladler
1593, Engel bzw. Jupiter auf Adler
1644, Adler
1658. –
Marienleuchter der Schiffergilde
E. 15. Jh. Geschnitzte Doppelfigur,
Mondsichelmadonna/Anna Selbdritt, über kapitalem Hirschgeweih mit
Kerzenkranz und bizarrer Rahmung aus Schmiedeeisen. – Kleinerer
Marienleuchter des Schusteramts
A. 16. Jh., geschnitzte Doppelmadonna in
sechsseitiger, hölzerner Laterne auf barockem Sockel. – Vier
Messingwandleuchter
16./17. Jh. und 1652,
letzterer mit Meerweibchen im Volutenarm und geschnitztem Halterschild.
– Unter den
Glocken
eine des 14. Jh. mit Unzialumschrift und
eine reich geschmückte
1517 von H. v.
Kampen, Lübeck.
