LOH / Wallfahrtskirche zum Hl. Kreuz / Seitenaltarblätter
Wallfahrtskirche zum Hl.
Kreuz. Seit 1689 neu
errichtet, wohl unter Einbeziehung von Teilen des gotischen Chores. Turmvollendung erst 1714. Der Neubau hängt zusammen mit der im 17. Jh. blühenden,
aber wesentlich älteren Wallfahrt zu dem als heilig verehrten Kruzifix,
jetzt am Hochaltar. Loh unterstand in der Barockzeit den Benediktinern von
Metten. – 1768 (Chronogramm am
Chorbogen) wird die Kirche im Inneren abermals vollständig verändert. Zwei
Münchener Hofkünstler werden berufen: der Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr d. J. und der Maler Thomas Christian Wink. 1772 Abschluss der Arbeiten. Renoviert 1980–86.
Äußeres schlicht bis auf den fernwirksamen Westturm. Kräftiger Unterbau mit
Ecklisenen am ersten und eingezogenen Rundecken am zweiten Geschoss.
Steinsichtige Voluten vermitteln den Übergang zum achtseitigen Oberbau,
gegliedert durch toskanische Pilaster und Lisenen. Kräftig eingezogene
Kuppel mit Laterne.
Inneres. Die noble, sorgfältig abgestimmte Dekoration und Ausstattung aus
der Spätzeit des Rokoko bestimmen den Eindruck des Raumes. Dieser war
vorgegeben im bescheidenen Maßstab einer Landkirche
um
1690.
Breites Schiff zu drei Achsen mit tief einspringenden Wandpfeilern.
Eingezogener Chor zu zwei Achsen und Dreiachtelschluss. In beiden Raumteilen
Stichkappen-Tonnenwölbung. Wandpfeilernischen an das Schiff gebunden, indem
die breiten Quergurte über dem Hauptgesims gespannt sind. Gleichmäßige
Belichtung durch hohe Fenster mit eingezogenem Halbkreis oben und unten. Die
Pilaster an den Stirnseiten der Wandpfeiler und im Chor zieren ornamental
gerahmte Stuckmarmorfelder.
Diese
verbinden sich optisch mit den gleichfalls in Stuckmarmor ausgeführten
Altären. Die
Seitenaltäre stehen in den Nischen jeweils
an der Ostwand, sind also auf eine Gesamtschau mit dem Hochaltar in der
Hauptblickachse berechnet. Geschweifte doppelte Westempore. Über den
Sakristeiräumen beiderseits des Chores
Emporen, in beiden Jochen fensterartig
geöffnet; geschweifte Balkonbrüstungen.
Deckenbilder bez. Christian Wink1768 (auf einem Stein, über der Westempore). Sie behandeln, mit
Bezug auf das Gnadenbild, die Heilsbedeutung des Kreuzes. – Chor. Moses
errichtet die eherne Schlange, alttestamentarisches Vorbild des Kreuzes
Christi. Kranke und Gebrechliche ziehen heran. – Langhaus. Östlich:
Kaiser Heraklius bringt das von Persern geraubte
Kreuz nach Jerusalem zurück. Vor den Toren rät der Patriarch
Zacharias dem Kaiser, seine Insignien bzw. Prunkgewänder
abzulegen und den Zug im Büßergewand fortzusetzen. Über der Szene Engel und
eine allegorische Frauengestalt mit dem Augensymbol Gottes. Nordseitig ein
Zug von Kriegern. Südseitig heranziehendes Volk, das vom Kreuz Heilung und
Trost erhofft. Westlich Christus als Richter im Zeichen des Kreuzes. –
Seitennischen. Historische Begebenheiten und Legenden, in denen das Kreuz
wundertätig gewirkt hat. Erscheinung des Kreuzes vor Kaiser
Konstantin; Kreuzauffindung durch die hl. Helena; Schlacht
auf dem Lechfeld; Taufe des Königs Chlodwig nach seiner
Bekehrung; St. Eustachius und St. Hubertus.
Das
Langhausfresko ist ein wichtiges
Zeugnis spätbarocker Monumentalmalerei in Bayern. „Für den
Rokokomaler Winck bedeutet dieses Werk
den Höhepunkt“ (Adolf Feulner). Den stilistischen Wandel des Malers zum
Frühklassizismus kann man im nahen >> Rettenbach verfolgen. – Das
Loher Fresko zeigt die seit dem Rokoko bevorzugte Konzentration der Szenen
auf den Bildrand, mit schmalem Illusionsstreifen. Dessen schwere Farbigkeit,
dominiert von Grün, kontrastiert mit hellen bis weißlichen Tönungen anderer
Bildteile. Wink brilliert mit der
Bewältigung schwieriger Perspektiven und einer Bildregie, die auf die
pompöse Gruppe vor dem Triumphbogen-Tor Jerusalems zielt. Das besondere
Interesse des Malers hat sichtlich dem Zug des Volkes in idyllischer
Kulturlandschaft gegolten.
Stuckaturen von Feichtmayr. Reiches, hellblau getöntes Muschelwerk. Dieses
ist verflochten mit vergoldeten Zweigen, Blütenschnüren und -girlanden,
teilweise frei hängend. Am Chorbogen und im Chor zusätzlich Putten auf
Wolken. Der Stuck ist unterschiedlich gewichtet. An den Quertonnen und den
Stichen des Hauptgewölbes zartes Ornament, gebunden an einfache
Profilrahmen. Kräftiger die Kartuschen, die den vergoldeten Rahmen des
Langhausfreskos überspielen. Bizarre Kämme und verdrehte Ranken teilweise
vom Wölbgrund abgehoben. Freieste Ornamentfiguren am Chorgewölbe, dynamisch
eingreifend in den Goldrahmen des Freskos, der mit Spiegelgläsern belegt
ist. – Die seltene Tönung des Stucks in Smalteblau nach Befund erneuert
1982–84, unter Einbeziehung
freigelegter Originalpartien.
Stuckmarmor-Ensemble von Feichtmayr,
vollkommen einheitlich. Farbskala von Grauschwarz über Blassviolett bis zum
Rot fein abgestimmt auf den Raum, mit stärkstem Rot-Anteil am Hochaltar.
Entsprechend die von Westen nach Osten gesteigerten Formen der Altäre von
flachen Rahmungen bis zum prachtvoll instrumentierten Hochaltar. Dieser
präsentiert das
Gnadenbild, ein um 1400 entstandenes holzgeschnitztes
Kruzifix. Säulenbaldachin über teilkreisförmigem Grundriss, doppelschalig
gebildet für die Möglichkeit des Umganges. Gebälk kompliziert verkröpft in
Konvex- und Konkavschwüngen. Volutenbögen leiten zum flachen Auszug mit
Stuckfigur Gottvaters über. Die seitlichen
Schnitzfiguren Maria und Johannes, erst 1788 von
dem Straubinger Mathias Obermayr
zugefügt, zeigen frühklassizistische Merkmale. – Kanzel in freier
plastischer Ausformung, mit großen vergoldeten Symbolen der
Evangelisten.
Seitenaltarblätter. Sie bieten
Gelegenheit, das Können des Münchener Hofmalers Wink auf dem Gebiet des Tafelbildes zu studieren. Erster
Altar Südseite: St. Josef als Tröster der Sterbenden, sign. und dat.
1771. Pendant Nordseite: Maria als Trösterin der Beladenen.
Zweites Paar: St. Johannes von Nepomuk; Tod des hl. Benedikt. Letzteres Bild
eng verwandt mit Winks themengleicher
Darstellung in der Klosterkirche >> Metten.
