MINDELHEIM / Kath. Filialkirche Mariä Verkündigung / Leinwandbilder
Kath. Filialkirche Mariä
Verkündigung, ehem. Augustiner-, dann
Jesuitenkirche (
Maximilianstr. 62
). Von einer spätgotischen, um die Mitte
des 15. Jhs. erbauten Anlage der Konrad
Murer zugeschriebene Chor erhalten; mit dem Langhausneubau
1625/26 unter der Leitung des
Jesuitenlaienbruders Johann Holl
umgestaltet. 1721/22 völliger Umbau durch Pater
Joseph Guldimann, wobei die
Langhausmauern und die Fenster erhöht, Wandpfeiler eingezogen und die
quadratischen Treppentürme im Westen mit der verbindenden Vorhalle angebaut
wurden. Die 1690 an der Südseite des Chors
errichtete Franz-Xaver-Kapelle 1743 innen verändert.
Äußeres. Turmloser, ansehnlicher Bau mit
Pilastergliederung
von 1626 an Langhaus und Kapelle; über den Strebepfeilern des
Chors Lisenen, die gemalte, architektonische Rahmung der Fenster 1625. –
Inneres. Vornehm wirkender Raum. Wandpfeileranlage zu vier Jochen mit
halbkreisförmiger Stichkappentonne; beiderseits in halber Höhe elegant
geschwungene, schmale Emporen nach Art Vorarlberger Bauten (vgl. Hl. Kreuz
in >> Donauwörth), die, durch rundbogige Durchgänge in den
pilasterbesetzten Pfeilern miteinander verbunden, den Westteil des
Langhauses in sanfter Rundung umziehen. Darüber im Westen eine zweite
Galerie als Orgelempore; im östlichen Joch wegen der Seitenaltäre keine
Emporen, wodurch in den einschiffigen Raum eine querschiffartige Komponente
eingebracht wird. Im eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor
Wandgliederung durch Doppelpilaster über einer breiten, unterhalb der
Fenstersohlen umlaufenden Sockelzone; im westlichen Joch in reich mit Stuck
verzierter
Ädikula von 1690 Türen zum >>
ehem. Jesuitenkolleg (nördlich) und zur Kapelle (südlich), jede mit
Schlagleiste in Form einer gedrehten Säule.
Hinter dem Hochaltar Reste der
Stuckdekoration von
1625. Die dünnen
Laub- und
Bandelwerkstuckaturen von 1722 bisher mit Michael Stiller in Verbindung gebracht, jedoch
Melchior Paulus zuzuschreiben; am
Chorbogen ein geraffter, von Engeln gehaltener Vorhang mit Jesusmonogramm.
Anstelle von Fresken zarte figürliche
Reliefs; im Langhaus
1722, von Westen: Mariä Unbefleckte Empfängnis, Verlobung,
Heimsuchung und Himmelfahrt, in den Stichkappen Ordensheilige, David und
hl. Cäcilie;
im Chor
1907 von Jakob Bradl d. J.:
Marienkrönung, Rosenkranzkönigin und Pietà, in den Stichkappen Kirchenväter,
Herzen Jesu und Mariä.
Altäre vielleicht aus der Türkheimer Bergmüller -Werkstatt. Mächtiger, sechssäuliger
Hochaltar von 1737 mit straffem,
gestaffeltem Aufbau und prächtigem Auszug in Form einer Wolken- und
Strahlenglorie; großes
Altarblatt der Verkündigung Mariä,
1736 von Franz Anton
Germiller;
Seitenfiguren der hll. Ignatius von
Loyola und Franz Xaver neubarock, um 1907;
Messingtabernakel mit Silberdekor, 1787 von
Placidus Sauter, ehem. in >>
St. Stephan.
Seitenaltäre
1734/35;
Gemälde: links Schutzengel,
1735 von Germiller,
rechts Hl. Familie, 1661 von Johann Christoph Storer. – Prunkvolle
Kanzel von 1722; über Evangelistensymbolen
zylindrischer Korb mit Statuetten des hl. Franziskus, des Propheten Elias(?)
und Johannes des Täufers; auf dem Schalldeckel Putten als Personifikationen
der vier Erdteile und hl. Ignatius von Loyola als Prediger. – Leicht
geschwungene
Beichtstühle mit Ziergiebeln, 1726.
Chorgestühl in geradlinigen, klaren Formen, um
1625. An den Wangen des Laiengestühls üppige
Akanthusschnitzereien, 1722.
Gemälde: Im Chor hl. Franz von Regis und die drei japanischen
Jesuitenmärtyrer, beide 1738;
an den Pilastern
links die hll. Anna, Joachim und Jakobus, rechts die hll. Elisabeth,
Zacharias und Johannes der Täufer, alle um 1737 von Joseph Anton Dobler.
Am
Chorbogen hl. Joseph und hl. Joachim, zweites Viertel
18. Jh. Im östlichen Langhausjoch
Ganzfiguren der
hll. Aloysius (nördlich) und Stanislaus Kostka (südlich), um
1720/30 von Germiller; von ihm
auch
an den Pfeilern die hll. Sebastian und Michael
(nördlich) und Ignatius von Loyola, Johann Nepomuk und Franz Xaver
(südlich), zweites Viertel 18. Jh.; an der
Westwand die hll. Franz von Regis, Franz Borgia und
Johann Nepomuk, alle um 1720/30, die hll. Ignatius von Loyola,
Petrus, Paulus und Franz Xaver vortreffliche Arbeiten wohl von Franz Joseph Degle, drittes Viertel
18. Jh.– Auf den Galerien schmiedeeiserne
Spiralgitter von 1722/23.
Franz-Xaver-Kapelle. Zweijochiger Rechteckraum; über flachen, mit
Doppelpilastern besetzten Wandpfeilern Stichkappentonne. – Dichte
Rokokostuckaturen
1743 von Matthias
Willerotter; in den Stichkappen Reliefs mit Putten als
Allegorien der vier Erdteile; über der Tür
Allianzwappen der
Kapellenstifter, Herzog Maximilian Philipp von Bayern
und seiner Frau Mauritia Febronia, vgl. >>
Türkheim. –
Leinwandbilder
mit Szenen aus dem Leben des Titelheiligen, an der Decke von
1691, an den
Wänden von 1694,
alle Jakob Potma
zugeschrieben. – Hinter schmiedeeisernem
Gitter von 1751
Altar aus Stuckmarmor, 1743 von Willerotter; Scagliola-Antependium mit
Bandelwerk und Jesusmonogramm; auf der Mensa tabernakelartiger Aufsatz;
Gemälde: Tod des hl. Franz Xaver, um 1690,
ebenfalls Potma zugewiesen; im niedrigen
Auszug geschnitzte Putten mit den Attributen des Heiligen. –
Muttergottesfigur, um 1670.
