ÖHRINGEN / Ev. Stadtkirche, ehem. Stiftskirche St. Peter und Paul / Grabdenkmäler

Ev. Stadtkirche, ehem. Stiftskirche St. Peter und Paul. Das Bild der um 1240 erbauten doppeltürmigen Vorgängerkirche ist in einer Darstellung des frühen 15. Jh.s überliefert. Im Zuge der 1454 begonnenen großangelegten Umbauarbeiten erweiterte Hans von Urachbis 1457 Krypta und Chor nach Osten; bis 1501 errichtete Bernhard Sporer1457 zunächst den eingestürzten Glockenturm an der Südseite des Chors und erbaute anschließend Langhaus, Querschiff und Fassadenturm neu. Die beiden ungleichen Türme mit achtseitigen Spitzhauben verleihen der großen Staffelhallenkirche ihr charakteristisches Erscheinungsbild. Der Südturm geht im dritten Geschoß ins Achteck über; den quadratischen Westturm umzieht am obersten Geschoß ein Umgang. Die beiden von der alten Kirche an die Südpforte des Chors versetzten romanischen Löwen wurden 1985 durch Kopien ersetzt; die beim Ausbau beschädigten Originale heute in der Krypta.
Den Innenraum prägt der Gegensatz zwischen dem behäbigen dreischiffigen Langhaus mit seinem dichten Netzrippengewölbe und dem wegen der Krypta beträchtlich höher liegenden, stark eingezogenen Chor. Ungewöhnlich reich ist die Behandlung der figürlichen Gewölbekonsolen und der vorzüglichen Schlußsteinreliefs. – Von der bedeutenden Chorverglasung (15./16. Jh.) sind nur noch geringe Reste erhalten. – Von dem urspr. Hochaltar lediglich die lebensgroßen ungefaßten Skulpturen – Maria mit Kind, Petrus und Paulus, Hieronymus und Veit – erhalten. Nach Georg Dehio sind sie „unter die Hauptwerke der süddeutschen Schnitzkunst einzureihen, . . . von einem an Veit Stoß gebildeten Franken“ geschaffen. Den Altar, dessen wiederhergestelltes Sprengwerk auf eine Entstehung um 1500 hindeutet, wurde von Kraft zu Hohenlohe (gest. 1503) und seiner Frau Helene von Württemberg (gest. 1505) gestiftet, deren Wappen an einem der Schlußsteine wiederkehren. An der Ostwand des nördlichen Querhauses spätromanische Skulpturen der beiden Kirchenpatrone (Kopien am Westturm). Im südlichen Querhaus Marmorrelief, angeblich von Gottfried Schadow, zur Goldenen Hochzeit des Fürsten Ludwig Friedrich Carl von Hohenlohe-Ingelfingen mit Karoline von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1799.
Das Hauptinteresse beanspruchen in diesem „hohenlohischen Mausoleum“ die fünf gewaltigen Grabdenkmäler an den Chorwänden. An der Nordwand: Ludwig Casimir (gest. 1568) und Anna von Solms-Laubach (gest. 1594), von Johann von Trarbach, Sandstein, blühendste deutsche Renaissance in weicher Formenfülle. – Philipp (gest. 1606) und Maria von Oranien; von preziöser Einfachheit, schwer und ornamentlos. Außer den nüchtern aufgefaßten, im Kostüm sehr eingängig behandelten Porträtfiguren an den Pilastern minutiöse Schlachtenreliefs (vielleicht von Michael Kern). – An der Südwand: Eberhard (gest. 1570) und Agathe von Tübingen (gest. 1609), vergleichbar, aber reicher als das Grabmal Ludwig Casimirs – Georg Friedrich (gest. 1600) und Dorothea von Reuß (gest. 1631) bez. MSiHP (= Melchior Schmid in Heilprunn), der sich hier als Schüler Trarbachs erweist. – In einem Rahmenwerk von allegorischen Figuren die Gedenktafel für die 1728 ausgestorbene Linie Hohenlohe-Pfedelbach, von Philipp Jakob und Georg Christoph Sommer, mit einer Allegorie des Todes.
In der dreischiffigen Krypta steht unter einem schlichten Kreuzrippengewölbe die Tumba, in der die Gebeine der Kaiserin-Mutter Adelheid1241, 200 Jahre nach ihrem Tod, zum zweiten Mal beigesetzt wurden. Der trotz seiner Einfachheit monumentale Sarkophag ist mit Blendpässen und Ecksäulchen geschmückt und durch ausführliche Inschriften identifiziert. – Von den übrigen Denkmälern hervorzuheben: große spätgotische Doppeltumba zur Erinnerung an Gottfried und Konrad von Hohenlohe, die von 1230–36 als staufische Statthalter in der Romagna wirkten. Auf vier Löwen ruhendes Tischgrab – wahrscheinlich – für den Deutschordenskomtur in Thüringen, Friedrich von Hohenlohe (gest. 1590). – Sog. Erbacher Gräflein, eine von Kern1609 geschaffene Kindergrabplatte.
In dem sich an das nördliche Querhaus anschließenden ehem. Kapitelsaal des Stifts, der sog. Hölle, spätgotischer Steinaltar mit den Skulpturen der hll. Helena, Margareta und Matthäus. – Zugehörig ist der enge dreiseitige Kreuzgang des 15. Jh.s und das mit diesem verbundene Stifsgebäude, dessen Räume als Versammlungs- und Verwaltungsräume des Stiftes dienten.

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