SCHÖNBORN / Ev. Dorfkirche / Grabstein

Ev. Dorfkirche. Mutterkirche der formal verwandten Dorfkirche in >> Lindena. Backsteinbau mit eingezogenem quadratischen Chor und Halbkreisapsis, das Chorgewölbe aus der Erbauungszeit, Langhausdachwerk 1253 (d), der schiffsbreite Westturm nach M. 13. Jh. nachträglich angefügt. 1234 im Besitz des Klosters Dobrilugk ( >> Doberlug-Kirchhain); dessen Einfluss in der Materialwahl wie in vielen Details sichtbar, so auch in der urspr. Gliederung der später durch den Turm verdeckten Schiffswestwand: über dem rundbogigen Portal ehem. große Spitzbogenblende mit Deutschem Band und Begleitschicht. Das Turmoberteil mit Fialgiebeln erst 15. Jh., ebenso die tonnengewölbte Sakristei nördl. des Chors. Einwölbung des Langhauses sowie dazugehörige Strebepfeiler wohl erst A. 16. Jh. Auf dem Turm quadratischer Dachreiter von 1848. Die Kirche 1906 durchgreifend rest., dabei die Portalvorhallen im Westen und auf der Südseite des Chors angebaut. Die urspr. Lanzettfenster später korbbogig erweitert bis auf drei schmale rundbogige Apsisfenster; darüber, unter dem Traufgesims, Spitzbogenfries. Rundbogiges Chorsüdportal (innerhalb der Vorhalle) mit gestufter Laibung und mittelalterlichen Beschlagresten am Türblatt, die übrigen Portale stichbogig, wohl 16. Jh.
Innen. 1906 neu gestaltet und vollständig ausgemalt, rest. 1984. Triumph- und Apsisbogen breitspitzbogig, alle Raumteile gewölbt: Die Apiskalotte und das Kreuzrippengewölbe im Chor stammen aus der Bauzeit, Rippen aus Doppelwulst mit mittlerem Dreieckstab wie in der Apsis der Klosterkirche zu >> Doberlug. Im Schiff gratige Sterngewölbe, wohl A. 16. Jh., ebenso die Kreuzgratgewölbe der Turmhalle. Über dem Schiffsgewölbe auf der Ostwand Reste figürlicher Wandmalereien (sitzende Heilige, Apostel? unter Palmettenfries) einer Innenraumfassung E. 13./A. 14. Jh. Dreiseitige Emporen auf Balusterpfosten, 1710–15 von A. Jäger, Doberlug, die nördl. in den Chor hinein verlängert. – Guter Schnitzaltar, dat. 1513. In der Predella Nische mit Figurengruppe des hl. Martin zu Pferde mit Bettler. Im Mittelschrein Madonna zwischen Petrus und Paulus, in den Flügeln je zwei Heilige paarweise übereinander, auf den Rückseiten gemalt die Verkündigung. Im zierlichen Gesprenge drei Freifiguren, in der Mitte Hieronymus, die Figuren daneben durch offenbar falsch ergänzte Attribute nachträglich als Petrus und Paulus ausgewiesen. Prächtige, durch Mauertreppe zugängliche Sandsteinkanzel, inschriftlich 1655, von A. Schultze aus Torgau, bedeutendes Werk des späten Manierismus. Fünfseitiger Korb auf Balusterfuß, an seiner Brüstung bewegte Reliefs von Christus und den vier Evangelisten in Rundbogennischen. Seitlich der Kanzelrückwand ovale Reliefs mit Auferstehung und Jüngstem Gericht, gerahmt von Knorpelwerk und Ohrmuscheldekor. Auf dem hölzernen Schalldeckel Posaunenengel. Sakramentsnische dat. 1742, mit ornamental bemalter Tür. Spätgotisches Sakramentshaus, Holz, kastenförmig auf leicht gedrehtem Fuß, geschnitzt und gefasst. Pfarrstuhl 18. Jh. Ausdrucksstarker Triumphkruzifixus M. 14. Jh. Schwebender Taufengel mit Krone, A. 18. Jh., wie die Emporen wohl von A. Jäger, rest. 1994. Einbaumtruhe, um 1220 (d).
An der südl. Außenwand Grabstein Abraham Sieber (†1654) mit Ohrmuschel- und Knorpelwerkrahmung, evtl. ebenfalls von A. Schultze.

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