SOSSAU / Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt / Gnadenbild

Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Graf Albert von Bogen schenkte 1146 sein Gut Sossau, wo schon eine Kirche bestand, an das von ihm gestiftete Prämonstratenserkloster Windberg. Unter Abt Gebhard Neubau der Kirche; Weihe 1178. Die im 14. Jh. zunehmende Wallfahrt erforderte eine Erweiterung: Abt Friedrich II. ließ 1350–52 bestehenden gotischen Chor errichten und das Schiff erhöhen. Inneres maßvoll barockisiert.
Kultentwicklung. Vermutlich verdankt schon die erste Kirche vor 1146 ihre Entstehung der Wallfahrt, die damit zu den ältesten auf deutschem Boden zählen würde. Um sie rankte sich eine Legende, nachweisbar seit Anfang des 16. Jh. In frühchristlicher Zeit habe der Bischof Lucius Cyrenäus missionarisch im Straubinger Land gewirkt und den römischen Offizier Acilius veranlasst, eine Marienkapelle bei Antenring zu errichten. Wegen der Unsicherheit der dortigen Gegend sei 1177 die Kapelle von Engeln nach Sossau versetzt worden. Dreimal sollen die Engel mit ihrer Fracht gerastet haben: bei Alburg, in Frauenbrünnl und am Donauufer bei Kagers. Hier hätten sie das Heiligtum in das „Frauenschiff“ geladen, um es nach Sossau überzusetzen. Das daraufhin von den Engeln angeschlagene „Frauenglöckl“ soll die Ankunft der Kirche verkündet haben.
Diese Legende, eine der merkwürdigsten unter den Wandersagen und ähnlich der Geschichte des Hauses in Loreto, ist im Inneren der Kirche mehrfach dargestellt. Die Tatsache, dass der Sossauer Bau wegen des festen Lehmgrundes nur gering fundamentiert ist, wurde in der Barockzeit als Echtheitsnachweis des wunderbar versetzten Gotteshauses ausgegeben. 1736 erfolgte im Beisein des Kurfürsten eine Untersuchung der Fundamente und die Bestätigung der Legende.
Äußeres. Langgestreckter einschiffiger Bau mit nicht eingezogenem, überhöhtem Chor und vorgesetztem Westturm. Langhaus im Kern romanisch, nach 1350 erhöht mit Maßwerkfenstern und verstärkt durch Streben, da die Fundamente nicht haltbar genug waren. Turm ebenfalls romanisch. Gekuppelte Schallöffnungen; Polygonsäulchen und Sattelsteine. Reichere Formen weist der in fünf Achteckseiten schließende Chor auf. Seine sorgfältig behandelten Kalksteingliederungen heben sich seit der letzten Renovierung (1977) vom hellgelb getönten Putz ab. Dominierend die großen spitzbogigen Blendfenster, in denen die zweibahnigen Maßwerkfenster sitzen (teilweise zugesetzt). Schlanke Strebepfeiler mit Dreikantstirn und fialenartiger Endigung, bis zum Dachgesims hochgeführt. Südseitig zwei leere Figurenbaldachine. Fenstermaßwerke in wechselnden Figurationen aus Fischblasen, Drei- und Fünfpässen.
Steinrelief in der Nordvorhalle um 1480. In Halbfigur Christus als Schmerzensmann mit dem Schweißtuch; unten zwei kleine kniende Figuren eines Papstes und eines Bischofs.
Inneres. Die Spätbarock- und Rokoko-Dekoration kleidete den langgestreckten Kirchenraum in ein festliches Gewand, ohne dessen mittelalterliche Bausubstanz wesentlich anzugreifen. Schiff flachgedeckt. Etwas höher der gotische Chor. Zwei kreuzgewölbte Joche und Fünfachtelschluss. Birnstabrippen gebündelt in polygonalen Dienststücken auf Profilkonsolen. Schlussrippen unmittelbar auf den Wandvorlagen auslaufend. Drei reliefierte Tellerschlusssteine: Lamm Gottes, sitzende Muttergottes, Haupt Christi.
Im Jubiläumsjahr 1777 hat man das Gewölbe wie auch die Flachdecke des Schiffes teppichartig mit Goldbrokatmalerei überzogen. Sie bildet im Chor den Fond für weißes Rocaille-Ornament, belebt von Putten, Vasen und Blütenranken. Im Schiff bindet der Brokat ein Gefüge lebhaft geschweifter Stuckrahmenfelder. Sie enthalten die Gemälde sowie dekoratives Rocaillewerk mit blütenstreuenden Putten. Die drei Gemälde hatte schon 1715Joseph Anton Merz geschaffen. Kahnfahrt der Kapelle und des Gnadenbildes. Übergabe des Ordenskleides und des Ringes an den Gründer des Prämonstratenserordens St. Norbert, Hinweis auf die Zugehörigkeit Sossaus zum Kloster Windberg.
Hochaltar 1777 in späten, reduzierten Rokoko-Formen. Bildschnitzarbeiten wohl von Mathias Obermayr. Der in den Chorschluss einkomponierte Aufbau ursprünglich weiß gestrichen und vergoldet. Neu gefasst 1900 und abermals 1962, nun in heller Marmorierung mit Gold und Silber. Seitlich Figuren des hl. Bischofs Lucius und des Offiziers Acilius. Im Mittelfeld schnitzplastische Schilderung der legendären Kahnfahrt. Die von Engeln getragene Kapelle seit 1900 ersetzt durch das Gnadenbild, eine beachtliche Straubinger Kalksteinfigur des frühen 14. Jh. Stehende Muttergottes, in der Rechten das segnende und mit einem Vögelchen spielende Kind, in der Linken einen Blütenkelch haltend.
Glocke, sog. „Frauenglöckl“, neben dem Hochaltar, 13. Jh. Eine der ältesten Glocken des Landkreises.
Seitenaltäre, Kanzeln und Orgelbühne einheitlich um 1715–18, von dem Windberger Laienbruder Fortunat Simon. Gefälliges spätbarockes Ensemble, marmoriert mit vergoldeter Bandwerk- und Akanthusschnitzerei. Bemerkenswert die beiden als Pendants ausgeführten Kanzeln am Chorbogen, mit emporenartig erweiterten Oratorien in beiden Chorjochen. Die eine Kanzel war für den Prediger, die andere für den Windberger Abt bestimmt. Auf den Schalldeckeln Schnitzgruppen, dem Straubinger Bildhauer Simon Hofer zugeschrieben. St. Norbert mit einer Monstranz in der Rechten siegt über den bekämpften Häretiker Tanchelin von Antwerpen und den als Teufel dargestellten Unglauben. Der hl. Augustinus, dessen Regel den Prämonstratensern als Vorbild galt, siegt über den Irrlehrer Pelagius und seine früheren Versuchungen in Gestalt der Wollust. Er hält sein Flammenherz Gott entgegen.
Gemälde im Schiff. Zwei großformatige Tafeln, in den Schnitzrahmen dat. 1626 bzw. 1677. Sie erzählen liebenswert die Legende von der Versetzung der Gnadenkapelle und des Gnadenbildes. Die 1626 entstandene Tafel mit dem Straubinger Stadtprospekt im Hintergrund ist auch künstlerisch belangvoll. Im Kahn die recht genau wiedergegebene Sossauer Kirche. Die andere Tafel zeigt die Kahnfahrt eingebettet in die weite Donaulandschaft mit der Stadt Straubing und den Stationen der Kapellenwanderung.
Nothelferkapelle südlich am Chor, 1677. Altarblatt mit Darstellung der vierzehn Nothelfer von Daniel Minck, München, sign. und dat. 1678. An den Wänden Rest der einst zahlreich vorhandenen Votivtafeln und Weihegaben.

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