STRALSUND / Ev. Pfarrkirche St. Nikolai / Weihwasserbecken

Ev. Pfarrkirche St. Nikolai. Im Süden des Marktes zusammen mit dem >> Rathaus eine der bedeutendsten mittelalterlichen Baugruppen in Norddeutschland. Dreischiffige Backsteinbasilika mit Umgangschor, Kapellenkranz und mächtiger doppeltürmiger Westfront. Als Kirche des Rates auf das reichste ausgestattet und neben der Marienkirche in Lübeck von entscheidendem Einfluss auf die Sakralarchitektur in Norddeutschland.
Baugeschichte
Baubeginn mit dem Chor kurz vor um 1270 (Entgegennahme von Spenden für das Werk durch den Rat 1272/76 ) als Neubau. Ein angenommener Hallenvorgängerbau von um 1260 ist nach einer Bau­analyse wohl zumindest im Chorbereich auszuschließen.
Vollendung der Ostteile bald nach 1308 (Eichenholzanker dat.), ein hölzerner Dachreiter 1314 genannt. Anschließend das basilikale Langhaus begonnen. Aufgrund der zahlreichen, zwischen 1330 und 1360 / 70 ausgeführten Wandmalereien und der Stiftungsnachrichten zur Nutzung der Langhauskapellen in diesem Zeitraum eine Fertigstellung M. 14. Jh. anzunehmen; möglicherweise unter Mitwirkung eines 1353 genannten Baumeisters Heinrich von Barth. Im Südwesten des Chores die ehem. Sakristei bis um 1320 / 30, die südl. Chorkapellen um 1350 bis um 1390 / 1400 angefügt. Der Westbau kurz vor Beginn der Arbeiten am Langhaus zunächst als Einturmfront mit geplanten Seitenhallen begonnen und noch während des Baus als Doppelturmfront weitergeführt, zuerst der Nordturm bis in Höhe des ersten Blendengeschosses und um 1320 die Nordvorhalle errichtet; danach der Südturm bis in Höhe des älteren Mittelturmes aufgeführt. Neben dem Westportal zwei nachträglich eingesetzte Inschriftplatten aus gotländischem Kalkstein: die linke mit Jahreszahl 1318 wohl auf den Baubeginn des Langhauses bezogen, die rechte Zahl 1329 auf den Beginn des Turmbaus, vermutlich des Südturms, dieser wohl bis spätestens 1366 vollendet (Zerstörung eines Turmhelmes durch Sturm). Der Nordturm im fr. 15. Jh. fertiggestellt, der gesamte Westbau wohl erst E. 15. Jh., worauf eine Urkunde von 1485 hindeutet. Nach Brand im Jahre 1667 erhielt der Südturm den heutigen barocken Helm. M. 19. Jh. und 1891 – 1910 umfassende Restaurierungen des Inneren ( 1890 – 94 Male­rei im Chor freigelegt, 1909 im Langhaus und in den Turmhallen), zuletzt 1978 – 91.
Baubeschreibung
Langgestreckte dreischiffige Basilika (Gesamtlänge 85 m) mit einem Langhaus von sechs Jochen, zwischen den Strebepfeilern im Bauprozess raumhoch aufgeführten Einsatzkapellen und einem zweijochigen Chor mit 5 / 8 -Schluss, um den, vergleichbar der Marienkirche in Lübeck, in Fortsetzung der Seitenschiffe ein Umgang mit fünf unter sechsteiligen Gewölben angeordneten, nach außen dreiseitig gebrochenen Kapellen gelegt ist. Die im Grundriss sichtbaren Unregelmäßigkeiten des Chorumgangs im Bauprozess begründet, die der Chor-Umrisslinie durch die späteren Kapellenanbauten.
Die Außengestalt des Chores durch die vor- und zurückspringenden Umgangskapellen und die massigen, weit ausgreifenden Strebepfeiler dazwischen von plastischer Wirkung, die in der unteren Zone durch die späteren niedrigen Kapellen unter umlaufendem Pultdach verschliffen wird. Die Reihe der eindrucksvollen Strebebögen des Hochchores am Obergaden des Langhauses fortgeführt. Im Kontrast dazu die über einem Feldsteinsockel glatten Wände der über die volle Höhe der Seitenschiffe reichenden Einsatzkapellen. Diese Flächigkeit später bei der Marienkirche übernommen und gesteigert. Nur ein glasierter Kleeblattbogenfries ( 1856 erneuert) unter dem Kranzgesims, drei- und vierteilige Fenster mit profilierten Gewänden und die Portale des Langhauses aus verschiedenen, im Wechsel glasierten Formsteinen akzentuieren die ansonsten schmucklosen Außenwände.
Am Chor reiches Südportal mit mehrteiligem Gewände und figürlichen Stuckkapitellen, verwandt mit Kapitellen am Westportal der >> Greifswalder Marienkirche (kurz vor 1300 ), um 1400 mit sterngewölbter Südvorhalle geschlossen und mit der benachbarten, im gleichen Zuge um ein zweites Geschoss erhöhten Sakristei mit profiliertem Portal zusammengefasst. Östl. davon die sog. Voet-Kapelle, um 1352 (d), zum Umgang mit Rundpfeiler geöffnet. Im Nordosten drei Kapellen angelehnt, 2. H. 14. Jh., die mittlere mit profiliertem Portal. Alle diese Anbauten in einer Höhe mit den Seitenschiffen. – Im Westen des Langhauses die zweijochige kreuzrippengewölbte Nordvorhalle, seit M. 16. Jh. als Annenkapelle bezeichnet; das schon 1307 erwähnte und später wohl namengebende Annenbild ( >> Ausstattung) zunächst an einem anderen Standort, vermutlich wie heute im Chor oder Turm. Das profilierte hohe Spitzbogenportal auf den Markt ausgerichtet, mit Verbindungsgang zu vorgelagerter Häuserzeile und hier seit 19. Jh. durch neugotische Giebelfassade abgeschlossen.
Der massige doppeltürmige Westbau tritt über die Fluchten der Seitenschiffe vor. Der Unterbau über hohem Sockel aus Granitquadern und Kalksteinplatten ungegliedert. Das prächtige, über Kalksteinpodesten reich profilierte Westportal aus ungewöhnlich großen gelbtonigen Formsteinen in rechteckiger Putzrahmung mit aufgelegten Rundstäben, Kleeblattbogenblenden und glasierten Vierpässen wohl nachträglich (um 1329 ) eingesetzt. Darüber dreifach abgestuftes Mittelfenster mit gedrücktem Spitzbogen und Blendengiebel mit Lise­nengliederung als westl. Abschluss des Mittelschiffsdaches. Weithin wirkungsvoll die reiche Gestaltung der vier Turmobergeschosse durch die gleichmäßige Reihung von drei zweiteiligen Maßwerkblenden mit Scheitelkreis ( >> Rathaus, >> St. Jakobi; >> Greifswald, Ostgiebel St. Marien). Schmale geweißte Rechteckblenden zwischen den Geschossen unterstreichen die insgesamt grafische Wirkung der Gliederung. Die Turmecken z. T. durch hell abgesetzte Quaderung (Kalkstein, gelbe Backsteine) hervorgehoben. Über dem Südturm barocke Schweifhaube mit Laterne und spitzem Helm.
Das Innere von maßvollen Proportionen. Der geschlossene Raumeindruck zeugt trotz der zeitlichen Differenz zwischen Langhaus- und Chorbau von einer Gesamtplanung; unterstrichen wird dieser Eindruck von der im Mittelschiff und Hochchor freigelegten bzw. rekonstruierten einheitlichen Farbfassung der Bauzeit.
In den Chorwänden hoher Wandsockel mit darüberliegendem Laufgang, der tunnelartig die Wandpfeiler durchbricht (vgl. Lübecker Domchor), und die nur bis zu zwei Dritteln der jetzigen Raumhöhe reichenden, kräftigen kleeblattförmigen Dienstvorlagen im Chorjoch, um die sich das Abschlussgesims der unteren Wandzone verkröpft ( >> Neubrandenburg, Marienkirche). Der zweizonige Wandaufriss der Polygonseiten mit Spitzbogennischen in der unteren Wandsockel­zone und tiefen, unter dem Gewölbe spitzbogig geschlossenen Fensternischen über dem Laufgang. Die Wandvorlagen zwischen den Umgangskapellen nachträglich verstärkt und mit Rundstäben versehen. Dienstbündel mit Stuckkapitellen, die naturalistische Tier- und Pflanzendarstellungen als Sinnbilder des Paradieses zeigen.
Im Hochchor ein aus Arkaden und Obergaden gebildeter, ebenfalls zweizoniger Wandaufbau mit durchgehenden Dienstbündeln. An den kräftigen, übereck gestellten Bündelpfeilern blattgeschmückte Kapitellbänder aus Stuck. Die reiche Profilierung der Pfeiler in den spitzbogigen Scheidbögen fortgesetzt; darüber der Laufgang und die lange Blendenzone der in tiefen Spitzbogennischen liegenden Obergadenfenster.
Der Wandaufriss des Hochchores im Mittelschiff des Langhauses fortgeführt, aber dem Außenbau entsprechend weniger plastisch: schlanke Achteckpfeiler mit Viertelstäben an den Ecken und profilierte Arkaden; erst oberhalb der verzierten Kämpferbänder setzen schmale Dienstbündel an. Dadurch sowie durch einen die Arkadenzone abschließenden, um die Dienste verkröpften Blattfries sind beide Wandzonen deutlicher voneinander geschieden als im Chor. Die kontrastreiche Farbgebung oberhalb der Kämpfer und der über der Arkadenzone umlaufende Laufgang mit bemalter, wohl nur noch in Resten spätmittelalterlich erhaltener hölzerner Brüstung bilden eine horizontale Zäsur und verbinden zugleich die Raumteile als farbkräftiges Band, das die nüchtern weiß gefasste Obergadenzone noch leichter erscheinen lässt. Deren zweischaliges Wandrahmensystem wird von Kreuzgewölben mit bemalten Rippen überfangen. Gleichfalls kreuzrippengewölbt über einfachen Konsolen sind die Seitenschiffe sowie die seitlichen, längsrechteckigen Einsatzkapellen, die die Seitenschiffe optisch erweitern. Die Fenster der nördl. Einsatzkapellen in flachen Nischen mit geknickten Bogenschlüssen ( >> St. Marien).
Im Westbau drei über Spitzbogenportale miteinander verbundene Turmhallen. Die hohe kreuzförmige Mittelhalle von den vier mächtigen Turmpfeilern eingefasst, die Kreuzarme durch polygonale Nischen in den Pfeilern erweitert, mit kleeblattförmigen Diensten und strahlenförmigen Rippengewölben; die Grundrissform bei einer Reihe von vorpommerschen Kirchtürmen mit integrierter Westvorhalle übernommen (u. a. >> Altentreptow, >> Demmin). Die Turmseitenhallen auf eingestellten Runddiensten kreuzrippengewölbt und in ganzer Höhe und Breite zu den Seitenschiffen des Langhauses geöffnet.
Die sog. Kummerowkapelle (auch fälschlich Taufkapelle) im nordöstl. Kapellenzwickel des Chorumganges gilt als ein Juwel des Backsteinbaues, um 1330 / 40, von E. v. Haselberg in 1 . H. 19. Jh. z. T. erneuert (Sockel, Kaffgesims): zierlicher, fünfseitig geschlossener Bau über hohem Granitquadersockel; auf Postamenten schlanke, von den Fenstersohlbänken bis über die Traufe als Fialen hinausreichende, plastisch gegliederte Wandpfeiler aus wechselnd glasierten Rundstäben; das Traufgesims mit einem filigran durchbrochenen, glasierten Vierpassfries, dieser auch an der Nordwand der gegenüberliegenden >> ehem. Lateinschule. Das Innere vom Chorumgang aus zugänglich über zwei schmale, von Wimpergen bekrönte Spitzbögen auf glasierten schlanken Bündelpfeilern; über figürlichen Konsolen (Christus und Apostel) ein reiches Sterngewölbe.
Gewölbe- und Wandmalereien
Die abschnittweise freigelegte und E. 19./A. 20. Jh. z. T. stark rest. bzw. überarbeitete urspr. Ausmalung bestimmt wesentlich den Raumeindruck: die Bemalung der Arkadenzone vor M. 14. Jh., die Profilstäbe der Arkadenbögen und die Dienstbündel ab Kämpferzone durchgehend rot, blau oder grün; in den gleichen Farben die Wandzwickel zum Mittelschiff mit einfarbigem vegetabilen Dekor, darin Drolerien und Köpfe, im Chor Rosetten; die untere Wandzone des Chorumgangs ähnlich gestaltet. Im Laufgangbereich des Mittelschiffs Farbband mit gemalten Wimpergen und abschließendem Kreuzblumenkamm, an den Wandpfeilern Apostel unter Baldachinen. Die Gewölbe sämtlich mit farbig bemalten Rippen, in den Seitenschiffen Krabben, 14. Jh.
An drei westl. Polygonseiten zweier östl. Langhauspfeiler zusammengehörige figürliche Darstellungen unter rahmenden Baldachinarchitekturen, vermutlich in der Funktion von Retabeln; bis 1330 / 35 wohl von drei Lübecker Werkstätten(?), danach von Stralsunder Malern, z. T. böhmisch beeinflusst. Im Einzelnen von Westen: 1. Nordpfeiler, Figuren von Petrus und Bartholomäus (Fragment), um 1360 / 70; 4. Nordpfeiler, Verkündigung zwischen Wappendarstellungen, darüber Kreuzigungsgruppe zwischen Petrus und Paulus, M. 14. Jh.; 5. Nordpfeiler, ungewöhnlich die Ausrichtung zum nördl. Seitenschiff mit Kreuztragung und Kreuzigungsgruppe, Madonna mit Petrus und Paulus, darüber Christuskopf, um 1330; 4. Südpfeiler, in der Höhe ganzflächig bemalt, Mutter Gottes mit Taube des Hl. Geistes, Engel, Petrus und Paulus, darüber Salvator mundi mit Engeln, um 1360 / 70; 5. Südpfeiler, Fragment einer kleinen Kreuzigungsgruppe, M. 14. Jh., Fassung nur noch in Resten. An mehreren Pfeilern außerdem plastische Konsolköpfe, einmalig die zugehörigen gemalten Körper als „Träger“ der Gewölbe (Bürger der Stadt oder Adlige?, die meisten waffentragend), um 1370, bisher nicht schlüssig gedeutet.
Die Scheidbögen zu den Seitenschiffskapellen und zu den Turmhallen mit Ornamenten und Figuren (Apostel, Engel), um 1335 bis A. 15. Jh. An den Wänden der Seitenschiffskapellen szenische Malereien: 2. Südkapelle, Wurzel Jesse, M. 14. Jh.; 3. Südkapelle mit Kreuzigungsgruppe zwischen Petrus, Paulus und Nikolaus, um 1335, gehört zu den herausragenden Beispielen gotischer Monumentalmalerei in Deutschland, Johannes und Nikolaus bei der Freilegung A. 20. Jh. weitgehend ergänzt; 5. Südkapelle, an der Ostwand in zwei Zonen übereinander Kreuzigungsgruppe (Fragment), Madonna und Auferstehung Christi sowie monumentaler Christophorus (Westwand), um 1340, 1909 überarbeitet, 2009 rest.; 6. Südkapelle, Szenen aus der Legende des hl. Georg, um 1370, wohl böhmisch beeinflusst, 1903 – 06 und jüngst rest.; 6. Nordkapelle, Fragment des Erzengels Michael, M. 14. Jh. – In einer Wandnische der Mittelturmhalle Martyrium des hl. Sebastian und der hl. Agathe, A. 15. Jh.; in der nördl. Turmhalle Wurzel Jesse mit Madonna im Strahlenkranz, A. 15. Jh. – In der südl. Chorumgangskapelle Fragment einer Kreuzigungsgruppe, A. 14. Jh. – In der Nordvorhalle (Annenkapelle) Quadermalerei und vegetabiler Dekor mit Apostel- und Engelsdarstellungen, wohl mittelalterliche Befunde 1891 – 1910 überarbeitet.
Würdigung
Die Stralsunder Nikolaikirche ist einer der herausragenden Bauten im Backsteingebiet. Neben den verwandten und konkurrierenden Kirchenbauten, der Lübecker Marienkirche, dem >> Schweriner Dom, der >> Rostocker Marienkirche, der Klosterkirche in >> Doberan und den Kirchen in >> Wismar stellt sie eine eigenständige frühe Leistung dar. Gemeinsam ist die Abwandlung klassischer nordfranzösischer Kathe­dralgrundrisse durch die in den Kathedralen von Soissons und Quimper eingeleitete Verschmelzung von Umgangschor und Kapellenkranz. Der Baubeginn des Chores liegt wohl noch vor dem der später datierten Marienkirche in Lübeck und ist von dem zuvor begonnenen Lübecker Domchor ( 1266 ) beeinflusst. Die Kenntnis der Kathedralchöre von Tournai und Köln muss sowohl für St. Nikolai als auch für St. Marien in Lübeck vorausgesetzt werden. Beide Kirchen zeigen im fehlenden Querschiff und Einzelheiten wie z. B. Kleeblattform der Dienste sowie in den Chorlösungen trotz voneinander abweichender Grundrisse enge Verwandschaft. Unmittelbaren Bezug lässt die im mecklenburgisch-vorpommerschen Gebiet seltene Doppelturmfront ebenso vermuten wie im Inneren der zweizonige Wandaufriss mit dem charakteristischen, farblich abgesetzten Laufgang (Lübecker Dom). Die Nikolaikirche unterscheidet sich von der Lübecker Marienkirche durch geringeren Höhendrang des Raumes und steht durch größere Plastizität und Körperhaftigkeit vor allem der Bauglieder im Chor französischer Kathedralarchitektur näher. Die raumhohen Einsatzkapellen der Nikolaikirche gehören zu den ersten, die sich seit M. 14. Jh. und verstärkt in den 1380 / 90 er Jahren im südl. Ostseeküstengebiet verbreiteten ( >> Greifswald, St. Nikolai; >> Rostock, St. Marien; >> Wismar, St. Georgen; Danzig, St. Marien). Sie bewirkten, möglicherweise von den Randkapellen des Lübecker Doms angeregt, die für die „Backsteingotik“ typische Vereinfachung des Außenbaus. Stiftung oder Kauf der Kapellen durch wohlhabende Bürger und Zünfte der Stadt trugen wesentlich zur Finanzierung des Neubaus bei. Die Organisation des Kirchenbaus lag wahrscheinlich in den Händen des Rates, dessen Ratsgestühl 1390 erstmals in St. Nikolai erwähnt wird und der sein Amt nachweislich 1507 in der südl. Turmhalle ausübte.
Ausstattung
Im Ostseeküstengebiet außergewöhnlich umfangreiche, vor allem mittelalterliche und barocke Ausstattung mit hervorragenden Einzel­stücken.
Altäre
Hochaltar. Flügelretabel aus Eiche mit Reliefs in Schrein, Innenflügeln und Predella sowie Tafelgemälden auf den Außenseiten und Außenflügeln, angeblich 1470 gestiftet ( 1856 rest.), urspr. Pentaptychon. Bedeutendste Arbeit einer Stralsunder Werkstatt, deren Wirken bis nach Dänemark und Südschweden zu vermuten ist. Die figurenreichen und stark bewegten Reliefszenen unter Sterngewölben mit reichen Maßwerkschleiern niederländisch beeinflusst: im Mittelschrein Kalvarienberg (der Gekreuzigte und ein großer Teil der Figuren, des Hintergrundes und die Schleierbretter Kriegsverluste). In den Flügeln je drei Passionsszenen. In der Predella tiefenräumlich Verkündigung, Geburt und Beschneidung Christi. In der ersten Wandlung 12 gemalte Darstellungen aus dem Leben der hll. Anna und Maria, die im 19. Jh. abgenommenen Malflügel seit 1990 an den Chorpfeilern neben dem Retabel angebracht (auf den Rückseiten Fragmente von Heiligen­figuren), die sechs zugehörigen Szenen auf den Rückseiten der festgestellten Kastenflügel wegen der nahen Chorpfeiler gegenwärtig kaum sichtbar. Kruzifix im Mittelschrein durch eine im bewussten Kontrast moderne Metallarbeit von J.-P. Hinz, Halberstadt, ergänzt. Auf dem Mittelschrein drei Sitzfiguren der Kirchenpatrone Nikolaus, Katharina und Andreas, wohl um 1430 / 40. Der ehem. zugehörige Aufsatz mit drei Schreinen mit hohen Turmaufsätzen Kriegsverlust.
Hauptaltar (in Quellen auch als Kommunionaltar bez.) 1708 an der Stelle des mittelalterlichen Laienaltars zwischen Langhaus und Chor eingefügt. Entwurf 1706 von A. Schlüter, Berlin, auf Anforderung des Rates. Ausführung der Skulpturen der Schiffseite durch Th. Phalert aus Stralsund und seinen Gesellen E. Keßler (Glorie der Schiffseite und Abendmahl?) sowie in Berlin angeworbene Bildhauergesellen. Der prachtvolle Aufbau aus Holz zeigt im Hauptteil beiderseits das Auge Gottes in einem Wolken- und Strahlenkranz, umgeben von verehrenden Engeln mit den Gnadenzeichen. Glorie der Chorseite erst 1733 – 35 durch E. Keßlers Nachfolger M. Müller zugefügt, gleichzeitig die farbige Fassung und Vergoldung des gesamten Aufbaus durch Maleraltermann Warnecke und dessen Schwiegersohn Kruse. 2000 – 09 rest. Auf der Schiffseite neben je einem gestaffelten Säulenpaar große expressive Engel in aufgebauschten Gewändern, setzen wohl Skulpturen des italienischen Hochbarock voraus. Im gesprengten Segmentbogengiebel Relief des Abendmahls; auf der geschwungenen Verdachung darüber monumentale Kreuzigungsgruppe, begleitet von Hoffnung und Glaube. Das im Krieg verlorene Gethsemanerelief auf der Chorseite 2011 durch ein Bronzerelief von D. Waschk-Balz ersetzt. Die an den Altar seitlich angeschlossenen, hohen hölzernen Schranken mit schmiede­eisernen Gittern, Putti und Vasen auf dem Schlussbalken urspr. niedriger geplant, gleichzeitig mit dem Retabel, auf der Chorseite 1733 einzelne Ornamente durch M. Müller ergänzt; gelungen den transparenten mittelalterlichen Chorschranken angepasst.
Altar der Schneider links neben dem Hochaltar auf originaler Mensa. Flügelretabel mit vorzüglichen Schnitzarbeiten, Eiche, E. 15. Jh., wohl aus derselben Werkstatt wie das Hochaltarretabel. Im zweizonigen Schrein unten sitzende Maria mit dem spielenden Kind auf ihrem Schoß, oben Gnadenstuhl; die zwölf Figuren der Flügel verloren. Die erste Wandlung zeigt zwölf ausdrucksstarke, farbkräftige Passionsgemälde (im Hintergrund der Kreuzigungsdarstellung mutmaßlich die Türme Lübecks), das geschlossene Retabel Maria mit dem Kind und drei weibliche Heilige (Katharina, Dorothea, Maria Magdalena). Gemalte Predella mit Gnadenstuhl zwischen Engeln, Katharina und Nikolaus sowie Barbara und Andreas. – Sog. Junge-Altar in der nördl. Chorkapelle, Stiftung der Familie Junge, 2. V. 15. Jh.; Triptychon, die leeren Kastenflügel bei einer Restaurierung mit den bemalten Außenseiten (Verkündigung) nach innen am Schrein montiert. Im Schrein unter reichen Architekturbaldachinen Standbild der gekrönten Maria mit Kind, Nussbaum, von vier begleitenden Engeln (Linde) einer erhalten. Hervorragende Schnitzarbeit vom Typus der „Schönen Madonnen“ des weichen Stils, nach Vorbild der seit Kriegsende verschollenen Thorner Madonna, ein Hauptwerk der Region, A. 15. Jh. Die Innenseiten der Flügel urspr. mit acht Heiligenfiguren, statt ihrer jetzt die Außenseiten mit schönlinig gemalter Verkündigung bei geöffnetem Schrein sichtbar. – Altar der Riemer und Beutler am 1. Nordpfeiler, vor M. 15. Jh.; urspr. Pentaptychon, bewegliche äußere Flügel verloren; qualitätvolle Arbeit aus einer Rostocker Werkstatt, die Tafelbilder wohl aus der Werkstatt des Malers des Rostocker Dreikönigsaltars (Kulturhistorisches Museum Rostock) und des >> Teterower Altars. Bemerkenswertes Programm: im Schrein mystische Kreuzigung Christi durch die Tugenden (nur drei erhalten), assistiert von Gottvater, Maria und Johannes, vor dem Kreuzesstamm hockender Titulusschreiber der Kreuzesinschrift, wie er wiederholt auf mecklenburgischen Altären zu finden ist (vgl. Fronleichnamsaltar in der Klosterkirche zu >> Bad Doberan). In den vier Innenfeldern der Kastenflügel paarweise Relieffiguren unter reichen Architekturbaldachinen, Kirchenväter mit alttestamentlichen Propheten im Disput. Auf den Außenseiten übereinander je zwei Gemälde, durch niederdeutsche Inschriften erläuterte Wunder Christi, dazwischen Medaillons mit Brustbildern von Propheten. Auf den Standflügeln links Andreas und Eligius, rechts Madonna und Petrus. Auf der urspr. nicht zugehörigen gemalten Predella Christus, im Grabe stehend, daneben Maria und Johannes, Jesaia und Jeremia, A. 16. Jh. – Bürgermeister-Altar in der Nordvorhalle, Flügelretabel mit niederländisch beeinflussten Schnitzreliefs, Stralsunder Werkstatt, Stiftung der Bürgermeister Henning Mörder und Sabel Oseborn zwischen 1500 und 1516. Im Schrein Kreuzabnahme, in den Flügeln vier Heiligenlegenden (Georgs Drachenkampf und Martyrium der hl. Katharina, hl. Martin mit dem Bettler, Enthauptung der hl. Barbara), z. T. vor reizvollen geschnitzten Landschafts- und Architekturhintergründen, durch rankenverzierte kielbogige Schleierbretter abgeschlossen; in Sockelfüllung des Mittelschreins Stralsunder Stadtwappen. Die erste Wandlung zeigt sechs von ehem. acht gemalten Szenen des Marienlebens; auf dem geschlossenen rechten Außenflügel Bild der Schmerzensmutter, der linke nachgebaut und mit erhaltenem originalen Fragment versehen. In der urspr. nicht zugehörigen Predella aus St. Jakobi drei Schnitz­reliefs, Verspottung des Hiob (Figur verloren). – Altar im Kramergestühl auf mittelalterlicher Mensa am 3. Südpfeiler, Flügelretabel mit Schnitzreliefs, die Tafelbilder vom Maler des Hochaltarretabels und des Gnadenstuhlaltars aus der Jakobikirche (gegenwärtig im Pommerschen Landesmuseum), E. 15. Jh.; Pentaptychon. Im Schrein bewegte Kreuzigung, in den Innenflügeln vier dicht gedrängte Flachreliefs mit Passionsszenen von eleganten Schleierbrettern abgeschlossen. Die erste Wandlung mit acht lebhaft gemalten Szenen des Marienlebens, auf den geschlossenen Außenflügeln und den Standflügeln vier Heilige (hl. Diakon, hl. Bischof, Katharina und Erzengel Michael). Die gemalte Predella mit Schweißtuch Christi, von Engeln gehalten, Petrus und Paulus. – Olavschrein, am zweiten nördl. Chorpfeiler, wohl vom Altar der Bergenfahrer, Schnitzfigur des hl. Olav, König von Norwegen, Nussbaum- und Eichenholz, der Schrein im Krieg verloren, die originalen Flügel mit fragmentarisch erhaltenen Malereien aus der Olavsvita, auf den Außenseiten Heiligenfiguren, Olav, Birgitta von Schweden und die hl. Sunniva, Schutzheilige Bergens, an einem modernen Neubau von 1999 montiert, dabei ein verlorener Halbflügel ersetzt. Gute Arbeit aus dem Umkreis des Jungealtars, um 1420 / 30. – Zwei Kastenflügel eines verlorenen Retabels im nördl. Chorumgang auf mittelalterlicher Altarmensa, um 1500, fragmentarische Gemälde mit vier Heiligen (Bischof Martin, Anna Selbdritt, Georg und Barbara). Weitere bedeutende mittelalterliche Werke aus der Nikolaikirche, meist als Einzelstücke, im >> Kulturhistorischen Museum Stralsund.
Taufgehäuse, 1710 von Ratsherr Nikolaus Pansow gestiftet, bis 1838 im Westen des Mittelschiffs. Prunkvoller Aufbau aus Holz über quadratischem Grundriss mit schmiedeeiserner Brüstung, von E. Keßler (Bildhauer) und Habermayer (Tischler); Fassung 1723 / 32. Auf Eckpostamenten als Karyatiden vier Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und Geduld, dazwischen Sitzfiguren der Evangelisten. Auf dem schweren, reich ornamentierten Baldachin mit Putten Johannes d. T. Die achteckige Holztaufe mit Deckel reich mit Engelsköpfen verziert. Taufstein, E. 13. Jh., über schmucklosem Säulenschaft halbrunde Kuppa mit eingekerbten Motiven von stilisierten Rosetten, Ranken und Fabelwesen. – Mittelalterliches Weihwasserbecken an der südl. Chorschranke, vierpassförmige Granitschale auf einer Säule aus wechselnd glasierten Backsteinen. – Kanzel aus Sandstein, Marmor und Alabaster, über dem Portal 1611 dat. Der von reichem Beschlagwerk übersponnene Kanzelkorb von einer Mosesstatue getragen, an der Brüstung über einem Fries mit Fabelwesen und Ranken in segmentbogigen, von Säulen flankierten Feldern sechs qualitätvolle Alabasterreliefs mit Szenen aus dem Leben Jesu; an der Treppenbrüstung die Evangelisten in Rundbogenarkatur. Das Kanzelportal von Apostelfiguren Petrus und Paulus eingefasst, über der rundbogigen Öffnung säulenflankierter Aufsatz mit reizvollem Alabasterrelief des Sündenfalls. Der Schalldeckel aus Holz von 1678, der ehem. bekrönende reich geschmückte hohe Aufsatz nicht erhalten.
Chorschranken, 1388 (d); zwischen den Pfeilern massiv ausgefachte Holzrahmen mit geschnitztem Blattwerk, darüber schmiedeeiserne Rautengitter, die abgeschlossen werden von geschnitztem Kreuzblumenkamm über schmalen Holzleisten mit volkstümlichen, z. T. derbdrastischen Reliefschnitzereien: außen an der Nordseite Büsten mit Inschriftbändern, wohl Propheten, sowie Wappen und Hausmarken, an der Südseite Darstellungen der Todsünden sowie Szenen des Marienlebens und der Passion Christi, innen zumeist musizierende Engel; die farbige Fassung A. 17. Jh. Türflügel mit Malereien, vermutlich auch 1380 er Jahre, gut erhalten an südöstl. Tür innen Heilige, außen vier Kirchenväter; an nordöstl. Tür außen Verkündigung, die nordwestl. Tür außen mit Anna und Joachim.
Reliefs vom Gestühl der Rigafahrer an der südl. Chorschranke. Fragment mit vier geschnitzten Reliefs, wohl 2. H. 14. Jh. Darstellungen russischer Pelzjäger bei der Jagd, Honigsuche und Szene vom Verkauf der Jagdbeute an Hansekaufleute. – Krämergestühl im Westen des Langhauses, vorzügliche Arbeit, 1574 dat. Über dem Sockel von Halbsäulen flankierte Muschelnischen, im Wechsel mit rundbogigen Blendfeldern; in den Nischen reliefierte, stark plastische Figuren; an westl. Schmalseite Christus und vier Evangelisten; an Längsseiten Tugen­den sowie keulenbewaffneter Wächter, mit drastisch-derber, niederdeutscher Inschrift. Besonders schön der Fries unter dem abschließenden Gesims, Ornamentstreifen, Kinderreigen u. ä., ferner Masken und prachtvolle vollplastische Köpfe. – Ratsgestühl vor 6. südl. Langhauskapelle, 1652. Über hohem Sockel die Brüstung mit wechselnd säulenflankierten Rundbogennischen und rechteckigen Blendfeldern, die der Vorderseite mit Stadtwappen sowie den Wappen von vier Bürgermeistern. Zugehörig auch die schöne Täfelung der Rückwand. – Gestühl der Åhusfahrer im südl. Seitenschiff, Kastengestühl, um 1720, über der Brüstung mit schmalen Lisenen, Blütengehängen und Bandelwerk üppig durchbrochen geschnitzter Akanthus mit Blumenkörben. – Ähnlich das nach Osten anschließende Goldschmiede­gestühl, um 1730, die Brüstung mit ornamentierten Füllungen, darüber durchbrochen gearbeitete Ranken, Putten und Blumengefäße. Die kleine Skulptur an der Stirnseite Bischof Eligius, der Schutzpatron der Goldschmiede, am Amboss bei der Arbeit, gestohlen, Kopie von 2015. – Fünf Wangen von ehem. Chorgestühlen, im südl. Chorjoch, E. 14.–A. 16. Jh., mit flachgeschnitzten Figuren (Bischof, Christo­phorus, Petrus, Hieronymus), Wappen und Maßwerk, bekrönt von Wimpergen mit Fialen.
Sänger(Orgel?)empore über dem östl. Arkadenbogen des Hochchores, 1511 (d), reichgeschnitzt, auf zwei Konsolgewölben, die Brüstungsfelder mit gemalten Heiligen, 1891 stark rest., darunter Fries mit vier Reliefköpfen, vielleicht die Stifter, an den Wölbfeldern vier gemalte Wappen. – Eine ähnliche Empore über der vierten Arkade der Nordseite, auf den gemalten Brüstungsfeldern Christus und die zwölf Apostel, laut Inschrift 1505 von J. Schulte aus Falkenberg. – In gleicher Höhe wie die beiden Emporen die Holzbrüstung des umlaufenden Laufgangs, je drei Brüstungsfelder über einem Arkadenbogen mit gemalten Wappen von Bürgermeistern und Ratsherren, die Malereien nachmittelalterlich, um 1582 und 1694 – 1707 ( 1857 / 91 rest.) – Orgel, 1841, vom Berliner Orgelbauer C. A. Buchholz mit neugotischem Prospekt nach Entwurf von Lübke, 1840 / 41. Neugotische Orgelempore, 1841, in Anlehnung an die Erstfassung 2005 übermalt. – Almosentisch, E. 17. Jh., wohl niederländische Arbeit, von vier Löwen getragen, die Platte mit Intarsien. – Hölzernes Lesepult, 1706 dat., über dem dreibeinigen Untersatz mit Akanthusschnitzwerk eine Engelsfigur, auf deren Flügeln die Pultplatte aufliegt.
Zahlreiche Gemälde in den Turmhallen, darunter Bethlehemitischer Kindermord, 1684, Kopie nach P. P. Rubens. Kreuzabnahme und Himmelfahrt Christi, Kopien von Pollet nach Gemälden des Hauptaltars der Jakobikirche von J. H. Tischbein, wohl A. 19. Jh. – Pfarrerbildnisse des 16. und 17. Jh., darunter zwei Bildnisse des Dr. Christian Ketelhodt, der die Reformation in Stralsund einführte. – Drei Tafelbilder, E. 17. Jh., Barmherziger Samariter, Auferweckung des Lazarus; an südl. Langhauspfeiler ganzfigurige Darstellung der hl. Apollo- nia, E. 15 . Jh., urspr. wohl als Standflügel zum Altar der Schneider gehörig.
Skulpturen. Anna Selbdritt, Großplastik aus Hochbrandstuck mit Resten farbiger Fassung, beschädigt, Rückenlehne des Thrones aus Eichenholz, 1292 ± 10 (d), wohl 1307 erstmals genannt (im Zusammenhang mit einem vor dem Bildwerk sitzenden Wächter). Die monumentale überlebensgroße Sitzfigur eine der frühesten plastischen Darstellungen des Themas und eines der bedeutendsten Werke dieser Zeit im Ostseeraum. Hl. Anna thront streng frontal mit überlängtem Oberkörper in faltenreichem, urspr. reich gemustertem, überwiegend in Gold gefassten Gewand mit kindhaft kleiner Maria im Arm, die wiederum das mit gekreuzten Beinen frontal sitzende Kind umfasst hält. Folgt dem französischen Typ der hieratischen thronenden Madonnen vor 1250 (Reims) und steht in Einzelmotiven (Saum) der im Umkreis von Magdeburg M. 13. Jh. entstandenen sächsischen Plastik nahe. In kastenförmigen Vertiefungen auf der Brust der Frauenfiguren wohl ehem. Reliquien. Die reich verzierten Thronwangen zeigen Reliefs, kniende Engel und Maßwerkblenden, in der Schmuckleiste am Sockel Vierpassmedaillons mit Engelsköpfen. – Monumentaler Kruzifixus, urspr. Triumphkreuz, jetzt in südl. Chorarkade (über 5 m hoch); die Gestalt des Gekreuzigten mit ge­längten, kantigen Gliedmaßen, der Brustkorb drastisch modelliert, 3. V. 14. Jh. – Wohl aus derselben Werkstatt Andachtsbild unter Baldachin, Christus, die Wund­male zeigend, Holz, überlebensgroß, von eindrucksvoller Hoheit, M. 14. Jh., möglicherweise urspr. im Zusammenhang mit verlorenem Sakramentshaus dahinter im Chor. – Kreuztragender Christus, 1. V. 15. Jh., urspr. wohl Teil einer Passionsgruppe, zugehöriger Schrein mit hohem Baldachin Kriegsverlust. – Kleines geschnitztes Kruzifix am 3. Nordpfeiler, 2. H. 14. Jh., wohl aus der Werkstatt des Triumphkruzifixes. – Archivtür, 2. V. 14. Jh., prächtige geschnitzte Rahmung mit Weinranken, Tieren und Menschenköpfen, darüber schlanker Dreipassbogen mit drohenden Drachen, von gekehltem Spitzbogen umgriffen, in den Zwickeln Mischwesen mit langen Trompeten (Vorbild für Kopie des 19. Jh. in der Marienburg/Polen). – Tür des Westportals, um 1700, die Flügel mit aufwendigen Schnitzereien, im Tympanon um ein ovales Inschriftfeld Akanthusranken, zwei Tugenden und Putten, bekrönt von Figur des hl. Nikolaus. – Das nördl. Chorportal mit reich geschnitzter Tür, Adler und Engelputten, 1701 dat.
Von den zahlreichen Epitaphen des 16.– 18. Jh. zu erwähnen (Rundgang im Uhrzeigersinn, von Westen beginnend): an westl. Mittelschiffswand P. Baumann ( † 1577 ) und M. Meyer, in reichem architektonischem Rahmen mit Adam und Eva als Karyatiden Gemälde der Auferstehung, darunter Bild der Familie des Verstorbenen und Inschrift. Bürgermeister L. Steinwich ( † 1629 ), reicher Holzaufbau, im Hauptteil Gemälde der Kreuzabnahme zwischen freistehenden ornamentierten Säulen, ehem. seitlich davon Rundbilder des Verstorbenen und seiner Frau. – In nördl. Turmseitenhalle reichgeschnitztes Wappenepitaph für J. v. Klinckowström ( † 1702 ). E. Preis ( † 1707 ), Holz, Kreuzigungsrelief gerahmt von Engeln und kriegerischen Emblemen. – Am 1. Nordpfeiler Margarethe Simon ( † 1628 ), gerahmte Inschrifttafel aus Sandstein, 1633, seitlich die reliefierten Brustbilder der Verstorbenen und ihres Mannes in reichem Ohrmuschelwerk. – Neben der Nordvorhalle große Inschrifttafel für Chr. v. Staude ( † 1723 ), Marmor und Sandstein, von E. Keßler, auf dem gebrochenen Giebel zwei Putten und das Reliefbildnis des Verstor­benen. – In nördl. Chorseitenkapelle Bürgermeister J. Klinkow ( † 1601 ), sehr reicher Sandsteinaufbau mit Farbfassungsresten, in dem von Säulen flankierten Hauptfeld fast freiplastische Kreuzigungsgruppe, im Aufsatz Himmelfahrtsrelief, seitlich Evangelistenfiguren, üppige Beschlagwerkrahmung und weitere Figuren (die Grabplatte siehe unten). – Im südl. Chorumgang Ph. Schoras ( † 1661 ), reich geschnitzter Ohrmuschelwerkrahmen mit Kreuzigungsrelief, darunter gemalte Bildnisse des Verstorbenen und Frau sowie Inschrift. Im Aufsatz Gemälde Christus am Ölberg, gerahmt von grotesken Knorpelwerkmasken und Tugendallegorien. – In 4 . südl. Langhauskapelle schwedischer General Mack Duwall ( † 1634 ), Kalkstein, Alabaster und Holz, architektonische Rahmung mit Kreuzigungsrelief zwischen Säulen, seitlich auf Gesimsstücken die betende Familie des Ver­storbenen, in den Seitenwangen Allegorien von Glaube und Hoffnung (zugehörige Grabplatte siehe unten). – Am 2. Südpfeiler Stadthauptmann H. Schwerin ( † 1602 ), in schlichtem Rahmen mit Giebeldreieck bemerkenswertes Brustbildnis des Verstorbenen von 1591. – Am südwestl. Wandpfeiler C. Middelborch ( † 1572 ), schlichter hölzerner Architekturrahmen, im Hauptfeld Gemälde mit Auferstehung, im Aufsatz Opfer Abrahams; im Sockel lange Inschrift sowie Bildnisse des Verstorbenen und seiner Frau. – An den dritten Chorpfeilern zwei Wappenschilde aus Holz mit Inschrift, Gedenktafeln für die Bürgermeister Chr. Lorber und N. Steven (beide † 1555 ).
Zahlreiche Grabplatten bzw. -fragmente, z. T. im Kirchenboden eingelassen, die mittelalterlichen überwiegend aus Kalkstein, vielfach mit der eingeritzten Gestalt des Verstorbenen oder Wappen und Inschriften. Besonders hervorzuheben die Messingplatte für Bürgermeister Albert Hovener ( † 1357 ) in der 3. Chorkapelle, flandrischer Import von außerordentlicher Qualität, vgl. die gleichzeitigen Platten in den Domen von Lübeck und >> Schwerin und in St. Johann zu Thorn/Toruń. Graviertes Bildnis des Verstorbenen in prachtvollem Gewand, das Haupt auf einem von Engeln gehaltenen Kissen, gerahmt von zierlicher gotischer Architektur, in Wimpergnischen Apostel und Propheten; zu Füßen des Verstorbenen lebhafte Jagdszene mit reizvollen Details. – In 3. südl. Langhauskapelle Ratsherr Gherwin Storkow ( † 1338 ), Kalkstein, flach reliefiert, zwei von zierlichen Säulen getragene Spitzbögen flach herausgearbeitet, unter dem einen die schön­linige Gestalt des Verstorbenen; das für die Ehefrau vorgesehene Feld leer. – In einer südl. Chorkapelle B. Ploetze ( † 1437 ), Ritzfigur des Geistlichen mit Minuskelinschrift und Evangelistensymbolen. – In 4. südl. Langhauskapelle Mack Duwall ( † 1634 ) und Frau, die Gestalten stark plastisch in schwach angedeuteter Architekturkulisse, der Mann in voller Rüstung. – In 1. Nordkapelle des Chorjochs Grabplatte J. Klinko w ( † 1601 ) und Frau, lebensgroße Gestalten der Verstorbenen in Zeittracht, darüber Wappen.
Zahlreiche, die Seitenkapellen des Langhauses und des Chorumganges abschließende hölzerne Schauwände von Erbbegräbnissen des 17 . und 18. Jh., besonders zu erwähnen (von Nord nach Süd im Uhrzeigersinn): in nördl. Turmhalle Malcom v. Sinclair ( † 1739 ). – Im nördl. Seitenschiff sehr interessanter architektonischer Aufbau, 1763 dat., ohne Fassung. – J. F. Sander/Florentzen ( † 1760 ), reich gestalteter Logenprospekt mit geschnitzten Draperien und Lambrequins, darüber Segmentbogengiebel mit Figur des Chronos und Auge Gottes in Wolkengloriole. – Anschließend E. Hagemeister ( † 1738 ), besonders prachtvoller dreigeteilter Logenprospekt, vor den seitlichen Öffnungen allegorische Schnitzfiguren; sehr reich der hohe Aufsatz über dem gebrochenen Giebel, wohl schon vor 1710 geschaffen (E. Sager in der >> Marienkirche). – Chorscheitelkapelle: N. Brahme, 1649 , architektonische Gliederung in Spätrenaissanceformen, reiches Ohrmuschelornament an Pilastern und Füllungen und schöne schmiedeeiserne Gitter im oberen Teil; der Aufsatz mit Wappen und Akanthusschnitzwerk, 2. V. 18. Jh. – Baumann und v. Schävenbach, 1749, architektonische Gliederung, die rundbogige Tür von korinthischen Säulenpaaren flankiert, über dem Gesims Aufsatz mit Wappen in durchbrochener Rahmung sowie Schnitzfiguren. – Chr. E. Charisius, 1697, reiche Knorpelwerkschnitzereien in architektonischer Rahmung. Im südl. Chorumgang Schauwand in schlichten frühklassizistischen Formen, nach 1791. – In südl. Turmhalle Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, monumentale Christusfigur sowie Inschrifttafeln und Wandleuchter, Bronze, H. Schwegerle, 1931.
Drei prachtvolle Kronleuchter, Messing, 17. Jh., im 18. Jh. verändert, der mittlere mit Madonna auf der Kogge als Bekrönung, die anderen mit Doppeladler und Inschrift, 1633 von General Mack Duwall gestiftet. Zahlreiche Wandleuchter, spätes 16. und 17. Jh.
Astronomische Uhr im Chorumgang, laut Inschrift 1394 von N. Lilienfeld vollendet. In den Ecken des Ziffernblattes vier bedeutende Astronomen als gemalte Halbfiguren mit Spruchbändern, oben Ptolomäus und König Alfons V. v. Kastilien, unten Hali und Albumacar. Darunter, seitlich des Unterbaus, zwei Tafelbilder, Morgen und Abend durch einen die Tür öffnenden bzw. schließenden Mann dargestellt. ( >> Bad Doberan, ehem. Klosterkirche; >> Rostock, St. Marie); originales Uhrwerk zum größten Teil erhalten. – Glocke, 1925 von Gebr. Ulrich, Apolda, Ton cis hoch 1 + 3, aus der Petrikirche zu >> Wolgast; Glocke, 1662 von A. Lehmeier, Ton d hoch 1 + 2.

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