TÜBINGEN / Rathaus / Fassadenmalerei

Rathaus ( Am Markt 1 ). Um 1435 traufseitig zum Marktplatz in alemannischem Fachwerk errichtet, zunächst dreigeschossig, 1508 aufgestockt. 1598 Anbringung des Ziergiebels und der Huldigungskanzel an der Marktseite (1849 in die Fassadenmitte versetzt). Erdgeschoß urspr. als offene Halle für Brot- und Fleischbänke. 1909 Anbau durch Paul Schmohl, ein hinter die Flucht an der Haaggasse zurückgenommener Flügel. Betonstützen des Erdgeschosses und neues Treppenhaus 1967–69 von Wilhelm Tiedje.
Fassade. Im Ziergiebel astronomische Uhr von Johannes Stöffler, 1511. An der Giebelseite zur Haaggasse Fassadenmalerei, 16./17. Jh. (?) (restauriert 1954). Die heutige Gestaltung der Marktseite 1876 nach Entwürfen von Conrad Dollinger in Sgraffitotechnik nach süddeutsch-schweizerischen Vorbildern des 16. Jh. Im Volutengiebel mit Glockentabernakel Allegorien von Tag und Nacht. Seitlich der Uhr das Wappen des Königreichs Württemberg und das Tübinger Wappen von 1514. Darunter Graf Eberhard im Barte als Universitätsgründer. Am zweiten Obergeschoß Bildnismedaillons bedeutender Tübinger Bürger. Am ersten Obergeschoß allegorische Figuren. An der Ecke zur Haaggasse das „Rebmännle“, eine Bacchusfigur als Symbol des Tübinger Weinbaus (um 1600).
Inneres: In der Eingangshalle Originale der Wächter vom oberen Schloßportal (Christoph Jelin, um 1535). Das ganze erste Obergeschoß nimmt eine zweischiffige Fachwerk-Pfeilerhalle ein, einst „Lederbühne“ (Verkaufsraum der Gerber, jetzt Sitzungssaal des Gemeinderats). Im zweiten Obergeschoß Gerichtsstuben, urspr. über eine Außentreppe von der Haaggasse zugänglich. Große Gerichtsstube (jetzt Kleiner Sitzungssaal) mit gewölbter Balkendecke und 1969 freigelegter Ornamentmalerei sowie Renaissance türrahmen, dat. 1596. In der kleinen Gerichtsstube (jetzt Zimmer des Oberbürgermeisters) Stuckdecke von 1760 mit Rocaillen von Ignaz und Konstantin Brill. Zwischen beiden Zimmern liegt ein Flur, um 1596 von Jakob Züberlin mit einem Zyklus von Gerechtigkeitsbildern in Grisaille ausgemalt. Das Programm stellt im Wechsel biblische und römische Beispiele gerechten und ungerechten Verhaltens gegeneinander. An den Fenstern von Flur und kleiner Gerichtsstube Wappenscheiben des 16. Jh.

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