TÜBINGEN / Schloß Hohentübingen / Großes Faß

Schloß Hohentübingen. Eine um 1050 als Vierflügelanlage erbaute Burg im Besitz der Grafen von Tübingen 1078 erwähnt. Seit 1507 Ausbau zur Landesfestung unter Herzog Ulrich. Die vier Rundtürme wohl bis 1519, das Äußere bis 1550 weitgehend vollendet. Anfang 17. Jh. Erweiterung der Befestigungen, u. a. Anlage des stadtzugewandten Unteren Tores. 1647 Sprengung des Südostturmes; an seiner Stelle 1667 sog. Fünfeckturm. 1752 Einrichtung eines astronomischen Observatoriums im nordöstlichen Rundturm; Ausgangspunkt der württembergischen Landesvermessung von 1819 ff. 1796 und 1803 Teilerneuerung des Ost- und Südflügels in Fachwerk. Seit 1803 Nutzung durch die Universität. 1821 Umbau mehrerer Räume, u. a. des Rittersaals zur Universitätsbibliothek, und teilweise Entfernung der Hofgalerie. Seit 1979 abschnittsweise Restaurierung und Umbauten durch das Universitätsbauamt.
Der untere Torbau zur Stadt, ein rechteckiger Baukörper aus Tuffquadern, 1606/07 durch Anton Keller wohl unter Mitwirkung von Heinrich Schickhardt errichtet. Horizontaler, von Schießscharten unterbrochener Gesimsabschluß, an den Ecken auf Konsolen Schilderhäuschen mit Pyramidendächern. Durchlaß mit triumphbogenartiger Rahmung aus Sandstein, Beispiel der Spätrenaissanceplastik von Christoph Jelin nach Entwurf von Hans Braun. Je zwei flankierende dorische Säulen. In den Zwickeln Neptun und Diana; Gebälk mit Waffenfries. Im Aufsatz ordensgerahmtes herzogliches Wappen in prächtiger Beschlagwerkkartusche, flankiert von vollplastischen Landsknechtsfiguren.
Die geschlossene Vierflügelanlage um rechteckigen Innenhof in beherrschender Lage über der Stadt. Die vier Flügel mit Fachwerkobergeschossen. An der Südseite im Hof Rest der hölzernen Galerie. In den vier Hofecken Treppentürme; der achteckige nordöstliche mit Renaissanceportal. Inneres Schloßtor um 1538, 1892 fast vollständig erneuert. Drei Pilaster mit korinthischen Kapitellen flankieren zwei rundbogige Durchgänge; auf den äußeren Pilastern antikisierende Kriegerfiguren, auf den Säulen des Aufsatzes Putten. Im Südflügel Schloßkapelle, ein Rechtecksaal mit Holzgewölbe. Ausstattung hauptsächlich von 1886; rundbogiges, von Pilastern flankiertes Renaissanceportal. Im östlichen Obergeschoß Herzogszimmer mit reichen Renaissancetürrahmen. Im Nordflügel Rittersaal mit sternrippengewölbtem Erker; rundbogiges, von Balustersäulen gerahmtes Renaissanceportal mit Wappenaufsatz. Die beiden Obergeschosse des nordöstlichen Turmes aufwendig gestaltet (wohl ehem. herzogliche Wohnräume); Felderdecken auf Stabmittelstützen. Im Keller des Nordflügels sog. Großes Faß von 1548.
An der Südostecke vorspringende Bastion mit von Pyramidendach gekröntem Fachwerkaufbau (Fünfeckturm). An der Südwestecke Rechteckbastion (sog. Kalte Herberge), z. T. verbunden mit mächtigem Rundturm (Haspelturm). Dessen kuppelgewölbtes Untergeschoß (ehem. Gefängnis) nur durch den Gewölbescheitel zugänglich.

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