BAD SCHMIEDEBERG / Ev. Stadtkirche St. Nikolai

Ev. Stadtkirche St. Nikolai. Große dreischiffige, fünfjochige Hallenkirche mit 5 / 8 -Schluß aus Backstein auf Feldsteinsockel, das Stadtbild beherrschender Turm über dem Südteil des Westriegels. 1813–16 Universitätskirche der Universität Wittenberg. 1666–81 Wiederaufbau nach Zerstörung, rest. 1905, 1967, 1991 und 1997/98. Am Langhaus querhausähnliche Anbauten, im Süden Vorhalle mit zwei Obergeschossen, im Norden Sakristei und Ratsherrnloge. Der Nordanbau sowie Teile des Mauerwerks an der südwestl. Fassade bezeugen den 1429 zerstörten, vermutl. kreuzförmigen, spätromanischen Vorgängerbau, zwei zugespitzte Fenster erhalten. Das bestehende Langhaus inschriftlich 1453/54, von Strebepfeilern umgeben, mit schlichten spitzbogigen Fenstern. Die Portale mit gekreuztem Stabwerk, E. 15. Jh., gleichzeitig die kielbogigen Pforten des Treppenturms an der Südseite des Turms. Die gefasten Sandsteingewände vom Wiederaufbau nach 1640. Der Westquerbau wohl das Fragment eines dreiteilig angelegten Querriegels. Der Turm im Kern spätgotisch, nach 1806 und 1904 erneuert. – In der Turmhalle achtstrahliges Gewölbe mit Birnstabrippen, zum südl. Seitenschiff Spitzbogen; der nördl. angrenzende Raum kreuzgratgewölbt. Das Langhaus mit Achteckpfeilern, 1666 nach Einsturz der gotischen Gewölbe (1640) flach eingedeckt, bis 1681 frühbarocke Ausmalung (an der Decke Wolkenhimmel mit Gloriole, Engel mit Spruchbändern nachgewiesen); 1731 spätbarocke Erneuerung des Innenraums mit heller Wandfassung, den erhaltenen Stukkaturen an der Decke sowie den zweigeschossigen Seitenschiffsemporen; die vorschwingende Orgelempore mit Balustergitter. 1904/05 ornamentale Neuausmalung nach Entwurf von August Oetken mit vereinheitlichender Fassung der Ausstattungsstücke; beispielhaft für die anspruchsvolle Interpretation historisch gewachsener Innenräume in der Zeit um 1900. Seitlich des Altars historisierende Glasmalereien im Stil des frühen 16. Jh. nach Entwurf Oetkens. Altaraufsatz mit seitlichen Durchgängen, 1680 aus einer Leipziger Werkstatt; das zweigeschossige Retabel mit umwundenen Säulen und reichem Knorpelwerk; seitlich auf Gebälkkonsolen stehend die Evangelisten, als Bekrönung der auferstandene Christus. Gemälde des Abendmahls, der Kreuzabnahme und Himmelfahrt Christi von einem Torgauer Meister. Polygonale spätmanieristische Kanzel aus Holz, 1676; unter Muschelbaldachinen Engelsfiguren, die Leidenswerkzeuge Christi vorweisend. Bemerkenswerter Taufstein, um 1731, am Schaft zwischen Lambrequins und Blütenschnüren Grottennischen, urspr. wohl mit Evangelistenfigürchen. Ratsloge mit Stadt-, Kur- und Landeswappen, 1731. Im Chorraum barocke Priechen, um 1905 ergänzt. An der Südseite prunkvolles hochbarockes Epitaph für Oberpfarrer Georg David Ziegra (†1724), vermutlich Leipziger Provenienz. Grabsteine in der nördl. Turmhalle für Gottfried Daniel (†1657) und Balthasar Meißner († 1662), Söhne des Pfarrers Daniel Meißner; Wilhelmina Eberhardina von Döring, geborene von Klingenberg (†1780). Gemälde: an der Ostwand Segnender Christus und Johannes der Täufer, dat. 1695; in der nördl. Turmhalle ganzfigurige Bildnisse der Pfarrer Andreas Samuel Fabricius (†1721), sign. Michael Adolph Siebenhaar aus Wittenberg, und Joachim Samuel Weickhmann, 1695. Porträt des Pfarrers Daniel Meißner, 1655, in der Sakristei. – Südl. Turmhalle nach 1920 als Gedächtnisraum für Gefallene des Ersten Weltkriegs unter Mitwirkung von Paul Horn umgestaltet, dabei Einbeziehung eines spätgotischen Kruzifixus aus Holz (Kopf und Arme erneuert). – Die kreuzrippengewölbte Südvorhalle mit Wandmalereien, 2. H. 15. Jh. (1904 aufgedeckt und stark übermalt): Über dem Kirchenportal (Nordwand) archaisch wirkende thronende Muttergottes, seitlich hl. Nikolaus und Maria mit Kind; die zweifach erscheinende Gottesmutter und z. T. große stilistische Ungleichheiten lassen auf Wiederverwendung erhaltener romanischer Reste bei der Neuausmalung schließen. An der Südwand Vertreibung aus dem Paradies, an der Westwand Geißelung und Dornenkrönung Christi, an der Ostwand Jüngstes Gericht; im Gewölbe zwischen Rankenwerk die Evangelistensymbole.

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