BOTHKAMP / Gut
Gut.
Zwischen 1531 und 1538 erwarb
Johann Rantzau den seit dem Mittelalter der
Familie Pogwisch gehörenden Hof
Bissee, vergrößerte ihn beträchtlich durch
Ländereien, vor allem aus dem Besitz der säkularisierten
Klöster Segeberg, Uetersen und Bordesholm, und ließ einen
neuen, Bothkamp benannten Hof in guter Schutzlage am Ende eines schmalen
Moränenhügels anlegen, der steil zum Bothkamper See
abfällt und sich nach Norden in ein einst unzugängliches
Niederungsgebiet schiebt. Das 1547 vollendete Herrenhaus hatte wohl erstmals im
Norden eine systematische Renaissancegliederung aus Terrakotta, die
wahrscheinlich aus der Werkstatt des St.
v. Düren, Lübeck, stammte (erhalten
fünf Reliefs am Bauernhaus Friedrichsen in Kirchbarkau). –
Die recht aufwändige Hofanlage entstand im Wesentlichen unter dem
prachtliebenden Bendix v. Ahlefeldt,
der das Gut 1705 erwarb.
Herrenhof und Wirtschaftshof liegen
L-förmig zueinander. Der erste steigt, von zwei
Kavaliershäusern flankiert, nach Westen zum breit gelagerten Herrenhaus
an, das den höchsten Geländepunkt über dem See
einnimmt. Der andere in der Querachse von zwei einander gegenüber
stehenden Torhäusern abgeschlossen. Scheune und Kuhhaus des 18. Jh., im 1. Weltkrieg
abgebrannt, füllten, parallel aneinandergebaut mit doppelten
Treppengiebeln zum Wirtschaftshof gerichtet, den Winkel, von den
gegenüberliegenden, ähnlich gestalteten
Wirtschaftsgebäuden eins erhalten.
Herrenhaus vermutlich um 1700 auf den
tonnengewölbten Kellern des Rantzau-Baus neu errichtet
(Dachstühle nach 1690 [d]). Verputzter Breitbau von zwei Geschossen mit
Kellersockel aus Granitquadern und doppelfirstigem Walmdach (der Renaissancebau
war wohl ein Doppelhaus). An der neunachsigen Hoffront dreiachsiger,
angedeuteter Mittelrisalit. Ecken mit Sandstein rustiziert. In der Mitte
rundbogiges Säulenportal mit Akanthusdekor über Freitreppe und
Podest, das
Schmiedegeländer
1794. Urspr. stellte sich das Haus sicher wie die
Torhäuser als roter Ziegelrohbau dar. Putz und schwarze
Glasurpfannen E.
18. Jh. – Das Innere um 1790 wahrscheinlich von
F. A. Taddei nach
Plänen von J. A.
Richter im Zopfstil dekoriert. Bedeutend die beiden
Repräsentationsräume in der Mittelachse mit nobler
Pilastergliederung und Gesimsen: Das Vestibül in dorischer, der
Gartensaal mit ausgerundeten Ecken in ionisierender Ordnung (sog.
„Deutsche Ordnung“ des L. Ch. Sturm), dazu Blüten-
und Früchteschnüre, Idealporträtmedaillons,
Reliefsupraporten (Jahreszeitenallegorien) und Deckenstuckaturen. –
Zwei einander entsprechende Kavaliershäuser eingeschossig
über hohen geböschten Sockeln mit Eckrustika aus Sandstein,
frühes 18. Jh., E. 18. Jh. überformt und
verputzt. – Kleines Torhaus von 1711 („Kieler
Tor“, Hauptzufahrt im Norden), eingeschossiger Backsteinbreitbau mit
zweigeschossigem Durchfahrtsrisalit, der noch in altertümlicher Weise
beiderseits einen Staffelgiebel aufweist; ein weiterer Giebel an der Westseite.
Am Haus ferner Wappen des Erbauerehepaares (v. Ahlefeldt/Rumohr) und
Bauinschrifttafel. Die Durchfahrt führte urspr. zu einer
Fähre, ab 1794 Brücke. – Großes Torhaus („Hamburger
Tor“) im Süden durch Glockeninschrift 1714 dat.,
Z. Wolff zugeschrieben.
Eindrucksvolle, wuchtige Anlage. Backstein mit sparsamer Hausteinverwendung,
Granitquadersockel. Zweigeschossiger Mittelbau von vier Achsen, durch
korinthische Kolossalpilaster gegliedert, von denen der mittlere unvermittelt
auf dem derben Rustikarahmen der rundbogigen Durchfahrt aufsitzt. Mittenbetonung
durch ein breites Zwerchhaus mit dreiteiligem Segmentfenster (ehem. querovales
Ochsenauge) im Dreieckgiebel. Seitlich zwei stämmige, quadratische
Türme mit rustizierten Kanten und schweren, von vierseitigen Laternen
bekrönten Hauben (Oberteile der Türme wohl
nachträglich). In der Querachse anschließend zwei kurze,
eingeschossige und durch Pilaster gegliederte Flügel. –
Sandsteinwappen des Erbauerpaares in Pilasterädikularahmen an den
Türmen. Das mit seiner Repräsentationsseite zum Hof gerichtete
Bauwerk eröffnete den Zugang zu den Gutsländereien, den einst
größten in Schleswig-Holstein, die sich bis vor
Neumünster erstreckten. Der Fahrweg zunächst als Allee durch
einen verwilderten, früher bedeutenden Landschaftspark
geführt. – Neben der Zufahrt zum „Kieler
Tor“ das Brückenhaus, klassizistisch
überformtes Wohnhaus des 18. Jh., davor kreisrund gemauerter Sockelrest
der 1870 errichteten Sternwarte (1930er Jahre abgebrochen).

