DRESDEN-DRESDEN-ALTSTADT / Hof
Im Innern die Längsseiten der urspr. U-förmigen dreischiffigen Halle des Erdgeschosses mit
Kappengewölben über zwei Reihen toskanischer Säulen ebenfalls vom
Renaissancebau erhalten. – Hof. Dieser durch drei Tore zugänglich: das feierliche
Jagdtor mit dem plastischen Schmuck von Andreas
Walther III neben dem >> Georgentor, das heutige
Haupttor am Ostende des Langen Gangs und das schlichte Tor zur ehem.
Schössergasse. Ort für Turniere und Festspiele, wovon Turnierbahn und
die beiden prächtigen, mit Trophäenreliefs geschmückten
Bronzesäulen vom Ringstechen noch zeugen; letztere
nach Entwürfen Nossenis von Benedix Bachstädt und Gottschalch Specht1601 ausgeführt. Im Süden, oberhalb der Rampe, Reste der
alten Mauer mit „Schiedsrichter-Logen“, unterhalb die von Knöffel
um
1760 wesentlich veränderte Schwemme. – Langer Gang.
Zur Augustusstraße gelegener, 100 Meter messender Verbindungsgang
zwischen Schloß und Stallgebäude. Der Entwurf, nach italienischen
Vorbildern, geht wohl auf Giovanni Maria
Nosseni zurück. Über dem Arkadengang, mit heute noch 20
toskanischen Säulen, ein geschlossenes Geschoß mit Satteldach und
kleinen Zwerchhäusern mit Volutengiebeln. Über den Kapitellen der Säulen
Geweihe und Gehörne sowie die Wappen der sächsischen Landesteile nach
den Originalen von Andreas Walther
III wiederhergestellt. Gekuppelte Fenster mit
Dreieckgiebeln im Obergeschoß. Das urspr. mit Kalkmalereien nach
römischen Vorbildern in der Art des Polidoro da
Caravaggio verzierte Geschoß, zeigt nur noch Rudimente
der von Heinrich Göding, Zacharias Wehme und Michael Treuding nach graphischen Vorlagen von Heinrich Aldegrever und Cornelius Cort ausgeführten Dekoration. Auf
dunkelgrauem Grund
Friese mit weißen Grotesken und
Rollwerk (1979/80 in
Silikatmalerei rekonstruiert). Die verlorenen Bilder der Herkulessage
zwischen den Fenstern (Wiederherstellung vorgesehen) waren Ausdruck der
absolutistisch geprägten Regentschaft Christians I. Die Mitte bildet
eine Sonnenuhr. Auch die Fassade zur Augustusstraße zierten
Kalkmalereien; ein Triumphzug von Reitern, darunter Krieger
verschiedener Nationen. Diese durch Witterungseinflüsse verlorene
Dekoration wurde durch den
Fürstenzug von Wilhelm Walther, 1872–76
entworfen und als Sgraffito ausgeführt, ersetzt, und bereits 1906/07
aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes auf Meißner Porzellanfliesen
übertragen. In der Art italienischer Renaissancedekorationen ist auf
einem monumental wiedergegebenen Teppich symbolhaft die Geschichte der
Mark Meißen und Sachsens seit 1089 in der Wiedergabe der Regenten des
Hauses Wettin dargestellt. Dem Zug der Fürsten schließen sich
Zeitgenossen des Künstlers an.
