DRESDEN-DRESDEN-ALTSTADT / Johanneum
Stallhof/Johanneum (
Augustusstr. 1/Jüdenhof
). Der unregelmäßig umbaute Hof schließt östlich an das
Georgentor an und füllt den Raum des Zwingers der mittelalterlichen
Befestigungsmauer aus. Unter Kurfürst Christian I. 1586–91
nach einem Entwurf von Paul Buchner
und wohl unter Einfluß von Giovanni Maria
Nosseni von Hans
Irmisch errichtete Anlage, bestehend aus dem ehem.
Stallgebäude (Johanneum) im Südosten, dem sog. Langen Gang im Norden und
dem dem Schloß gegenüberliegenden Kanzleihaus. – Johanneum (seit 1872 nach König Johann
benannt; heute Verkehrsmuseum). Das ehem. Stallgebäude von Paul Buchner, als U-förmiger
zweigeschossiger Renaissancebau mit Zwerchgiebeln und reichen
Kalkmalereien in Sgraffitoart errichtet, im 18. Jh. mehrfach umgebaut: Johann
Georg Maximilian von Fürstenhoff setzte 1729–31 ein zweites, niedrigeres
Obergeschoß auf, entfernte die Giebelaufbauten, setzte über die
Hauptfassade am Jüdenhof vor das Walmdach einen Dreieckgiebel mit dem
sächsisch-polnischen Wappen und legte die doppelläufige Freitreppe vor.
Nach
1731 Überführung der Gemälde aus dem Schloß in die
Obergeschosse des Stallhofs, damit Gründung der Dresdner Gemäldegalerie. 1744–46 durch
Johann Christoph Knöffel ein
weiterer Umbau aufgrund der neuen Nutzung. Er zog die beiden oberen
Geschosse zu einem zusammmen, setzte in die Hauptfassade hohe
Rundbogenfenster und betonte die mittleren drei Fensterachsen mit einer
Lisenengliederung. 1745 Übersiedlung der Pferde in den neuen >>
Marstall. 1794 in der unteren Osthalle die Mengsische Gipssammlung
eingerichtet, während die Westhalle Remise blieb. 1856 Überführung der
Sammlungen in die neue >> Gemäldegalerie am Zwinger. Letzter Umbau
1872–76 durch Karl Moritz Haenel für die Unterbringung der Rüstkammer
und der Porzellansammlung, dabei die Fassade im Stil der Neurenaissance
gestaltet und den Hauptzugang wieder an die Augustusstraße verlegt.
1945 ausgebrannt, ab 1950 wieder aufgebaut, seit
1956 Verkehrsmuseum.
Der zweigeschossige Hauptbau mit U-förmig ausgerichteten kurzen Flügeln. Das mit Spiegelrustika
versehene Erdgeschoß zeigt zum Jüdenhof hin noch die beiden in
Bossenrustika mit Wappen und Löwenkopf gestalteten Portale des
Renaissancebaus. Davor die prächtige, zweiläufige Freitreppe mit den
Portalen von Fürstenhoff, auf der
Balustrade Putten, die Bezug auf die ehem. Porzellansammlung und das
Historische Museum nehmen, von Christian
Behrens aus der letzten Umbauphase, im Stil des 18. Jh.
Im Obergeschoß die Lisenengliederung und hohen Rundbogenfenster
Knöffels noch erhalten, zwischen
den Bögen die
Medaillonporträts Herzog Heinrich des
Frommen und der Kurfürsten Moritz, August und Christian I., auch von
Behrens, der zarte plastische
Schmuck im Stil der Neurenaissance. Abschluß der Fassade
durch Hohlkehle, Kranzgesims und Balustrade. Trophäenschmuck und
sächsisches Wappen in der Mittelachse ebenfalls von Behrens und anderen. An der östlichen
Seitenfassade in einer Nische stehend die
Sandsteinfigur
des Benvenuto Cellini, der hier das Kunstgewerbe
des 16. Jh. repräsentiert, darüber das
Medaillonporträt
Johann Friedrich Böttgers, beide von Behrens. Unterhalb das
Medaillonporträt
Augusts des Starken,
bez.
1730, vom Palais Wackerbarth nach 1945 hierhin
versetzt. Der sich hier befindliche Hauptzugang zum Hof wie die
Renaissanceportale gestaltet. Die Hoffassade zeigt noch wie die
Seitenfassaden zweieinhalb Geschosse, ebenfalls mit zarten Dekorationen
versehen, die z. T. noch auf die urspr. Nutzung hinweisen. Am südlichen
Flügel als Relief die geharnischte Reiterfigur Christians I., darüber
ein weiteres Medaillonporträt Augusts des Starken, ebenfalls von
Christian Behrens. Die Rampe zum
Obergeschoß stammt in ihrer Anlage noch aus der Renaissance.

