FRAUENPRIESSNITZ / Ev. Pfarrkirche St. Mauritius
Ev. Pfarrkirche St. Mauritius, ehem. Kirche eines Zisterzienserinnenklosters. Große, einschiffige Kirche mit eingezogenem Langchor und Südwestturm, durch das Patrozinium des hl. Mauritius als frühmittelalterliche Gründung ausgewiesen. Das Kloster 1259 erstmals bezeugt, seit E. 15. Jh. Grablege der Schenken zu Tautenburg. 1547 der Besitz des wohl eingegangenen Klosters durch die Schenken säkularisiert. Die Baugeschichte der Kirche weitgehend ungeklärt, einzelne Teile vielleicht nach Beschädigung 1525 neu erbaut. 1602–05, 1660 und später mehrfach umgebaut und instandgesetzt. Das Innere 1978–83 restauriert.
Äußeres. Das Erscheinungsbild trotz Veränderungen noch mittel-alterlich geprägt. Auffällig die Gliederung des Chores in ein kürze-res westl. Joch und ein erheblich längeres, fünfseitiges Ostpoly-gon. Zweibahnige Spitzbogenfenster mit erneuertem Maßwerk. Der untere Teil der Chorfenster nachträglich zugemauert. Am Chor rechteckige Strebepfeiler, die sich nach einem Rücksprung spitzwinklig fortsetzen und unter dem Traufgesims abbrechen. Das Trauf-gesims an Chor und Schiff als Karnies erneuert. Der mit der West-seite fluchtende Turm aus quadratischem Unter- und achteckigem Oberbau. Der obere Teil mit rundbogigen Schallöffnungen und Rundfenstern, geschweifter Haube und Laterne, erst nach 1525 oder am A. des 17. Jh. errichtet. Rundbogiges Südportal mit kannelierten toskanischen Säulen, Gebälk und Aufsatz mit Inschrift sowie Beschlagwerkverzierung, 1602–05 nach Entwurf des am Schloß der Schenken (>>Amtshaus) tätigen Melchior Brenner entstanden und 1978–83 durch eine Kopie ersetzt. An der Nordseite eine kleine Sakristei und ein schmaler, niedriger Anbau von Länge des Schiffs mit dem Mortuarium der Schenken zu Tautenburg. Das Mortuarium wahrscheinlich auch erst 1602–05 in diesem wohl älteren Bauteil eingerichtet.
Weiter
Innenraum mit wenigen älteren Ausstattungsstücken. Die urspr. dreiseitige, zweigeschossige Empore in barocker Zeit (1660 oder später) errichtet und um 1903 bzw. 1978–83 abschnittsweise beseitigt. Heute nur noch im Westen eine Orgelempore mit gewundenen Holzsäulen und Balustrade. – Putzbögen und Konsolen an allen vier Wänden des Schiffes markieren angeblich den Ansatz einstiger Gewölbe. Die Planung und vielleicht auch die Einsetzung von Gewölben im Schiff tatsächlich durch fragmentierte Rippenansätze an der Westseite gesichert, die beabsichtigte Gewölbegliederung aber schwerlich mit den Putzbögen in Verbindung zu bringen. Im Schiff heute eine Felderdecke, bez. 1668. – In Chorjoch und -polygon Kreuzrippengewölbe mit verschiedenartigen Rippenprofilen und Konsolen, die auf mehrere, noch nicht näher bestimmte Bauphasen hindeuten. Durch zwei wahrscheinlich aus dem 14. Jh. stammende Inschriftfragmente an Chorscheitel und Rippen ein terminus post quem für die Polygongewölbe gegeben, die aber nicht entsprechend der urspr. Planung ausgeführt oder zu einem späteren Zeitpunkt vollständig erneuert wurden. Figürliche Konsolen mit Segmenten runder Gewölbedienste, denen unvermittelt die Rippen entspringen. Im westl. Chorjoch ältere Gewölbekonsolen, über denen stilistisch abweichende angebracht, die wohl zugleich mit den Figurenkonsolen des Polygons entstanden sind. Raumfassung mit Fugenzeichnung von der letzten Restaurierung. An der Chorsüdwand Rest eines mittelalterlichen Wandbildes mit Engeln. – Hölzerne Kanzel an der Südseite des Triumphbogens, wohl M. 17. Jh., und Taufstein mit Beschlagwerk und Wappen, wahrscheinlich A. 17. Jh., beide mit erneuerter Fassung. Orgel, um 1850, z. Zt. ausgelagert. Im Turm Glocke von Jacob König aus Erfurt, 1639.
Die Nordseite des Schiffs durch drei große Segmentbögen zum
Mortuarium geöffnet. In den Bögen schmiedeeiserne Gitter mit Ranken im Bogenfeld und kleinen, ehem. bemalten Wappenschilden. Die Gitter wohl aus der mutmaßlichen Umbauzeit im frühen 17. Jh. Dahinter ein gestreckter Raum mit Kreuzgratgewölben und altem Bodenbelag, in den zwölf Grabplatten für die Schenken zu Tautenburg eingelassen sind. Die fünf ältesten – derbe Reliefplatten mit Darstellungen von Ehepaaren und einer einzelnen männlichen Figur – für mehrere seit 1475 verstorbene Familienangehörige wahrscheinlich nach Beschädigung der alten Grabstätten 1525 im Auftrag von Hans Schenk zu Tautenburg (†1529) neu gefertigt. Nach ihrem Vorbild drei weitere im 16. Jh. entstanden. Eine der nur inschriftlich bez. Grabplatten des 17. Jh. für Burkhard Schenk z. Tautenburg (†1605), der wahrscheinlich das Mortuarium eingerichtet hat und als erster in der Gruft darunter beigesetzt wurde. Neben seinem Sarg fünf weitere für Angehörige der letzten beiden Generationen der Schenken z. T. Sämtliche Särge aus Zinn- oder Kupferblech, teilweise plastisch verziert, bemalt und bez. Die Särge bei Öffnung der Gruft 1819 gesichert; heute alle in sehr schlechtem Zustand. – Im Mortuarium außerdem ein geschnitzter Kalvarienberg von einem Altarretabel des 17. Jh.
Nordwestl. der Kirche die Ostwand eines
Klausurflügels der ehem. Klosteranlage als Begrenzungsmauer des sog. Klostergartens (heute Schulgelände) erhalten. Stark eingesunkener Mauerzug mit fünf unregelmäßig angeordneten Lanzettfenstern, sicherlich noch aus dem 13. Jh.
Pfarrhaus, südl. der Kirche (MTS-Str. 6). Zweigeschossiger Bau mit Satteldach. Das massive Untergeschoß größtenteils vom Gründungsbau um 1608 oder vom Wiederaufbau 1661; das Obergeschoß aus konstruktivem Fachwerk und der Dachstuhl 1780–83 errichtet. Im Flur Wandmalerei (Inschriftkartusche mit Chronogramm, Eroten und Wappen) von 1661. Weitere Fragmente ornamentaler Wand- und Deckenmalerei des 17. Jh. in Flur und Stube.
Ehem. Amtshaus, ein stattlicher mehrgeschossiger Bau mit hohem Treppenturm an der Südseite eines ehem. Gutshofes. Zusammen mit einem Torgebäude, dem späteren Domänengebäude, 1602–05 durch den sächsischen Hofbaumeister Melchior Brenner als Schloß für den kurfürstlich-sächsischen Rat Burkhard Schenk zu Tautenburg errichtet. 1638 durch schwedische Truppen gebrandschatzt, danach wieder aufgebaut. Wohl 1776 bei Einrichtung als Sitz des Amtes Tautenburg tiefgreifend umgestaltet. (Das Amt 1822 aufgehoben.) Das Amtshaus nach 1945 zum Wohnhaus umgebaut, das Domänengebäude 1949 abgerissen. – [Das schlichte zweigeschossige
Domänengebäude durch eine aufwendige Torachse ausgezeichnet. Das Tor ähnlich den Portalen an >>Kirche und Amtshaus ausgestaltet und mit figürlichen Allegorien, Relief und Inschrift mit Dat. 1605 bekrönt. Darüber Zwerchhaus mit Volutengiebel.] – Im ehem.
Amtshaus jetzt Wohnungen. Rechteckiger Bau mit Walmdach und hofseitigem achteckigen Treppenturm mit Zwiebelhaube. Risalitartig vorgezogene Fensterachse an der Ostecke der Hoffassade. Das oberste Geschoß des dreigeschossigen Renaissancebaus spätestens beim mutmaßlichen Umbau im 18. Jh. abgetragen; die Zahl der Geschosse aber durch Einfügen eines Zwischengeschosses beibehalten. Fast alle Fenster erneuert. – Der
Treppenturm noch weitgehend original. An seinem quadratischen Unterbau das korbbogige Hauptportal mit kannelierten toskanischen Säulen und Gebälk mit Konsolenfries. Darüber urspr. wohl eine Wappentafel. Sämtliche Fenster mit abgeschrägten, rustizierten Laibungen. Die Ecken am oberen Teil des Turmschafts mit Diamantquadern. – An der Talseite außenliegende Kaminzüge aus Steinplatten. – Hohe, tonnengewölbte Keller; die Räume in den Obergeschossen vielfach verändert. Im Turm noch die originale hölzerne Spindeltreppe; daneben ein jüngerer Treppeneinbau.

