FRIEDLAND / Ev. Kirche St. Marien

Ev. Kirche St. Marien. Dreischiffige Backsteinhalle von elf Jochen Länge mit flachem Ostschluss; das querrechteckige Westmassiv gleicher Breite im unteren Teil aus Feldstein, mit quadratischem Mittelturm. Vom Typus der märkischen Langhallen, deutlich beeinflusst von der >> Marienkirche in Neubrandenburg. Trotz langer Bauzeit M. 13.– E. 15. Jh., mehrfachen Planwechseln und Ergänzungen in 2. H. 19. Jh. von einheitlicher Wirkung.
Ein wohl dreischiffiger Feldsteinbau sicher bald nach Stadtgründung 1244; anstelle von dessen Chorpartie um 1330 / 40 in Backstein das 6.– 9. Joch (von Westen) des bestehenden Langhauses, Erhöhung des Westbaus und Beginn einer Doppelturmfassade mit dem Südturm; um 1400 Vollendung einer neunjochigen Halle mit Anschluss an das Westmassiv, Beginn des Nordturms, aber bald Aufgabe des Doppelturmplans und Vorbereitung des Verbindungsbaus zwischen den Türmen für einen Mittelturm; dieser wohl in 2. H. 15. Jh. fertiggestellt, gleichzeitig die Halle um zwei Joche mit flachem Ostschluss und Schaugiebel verlängert. 1703 durch Brand Einsturz des Turmhelmes, eines Teils der östl. Südwand, vierer Schiffspfeiler der Südreihe mit Gewölben und des Ostgiebels; bis 1714 renoviert. 1876 Fenstermaßwerk durch neugotisches Stabwerk ersetzt. 1885 – 89 Restaurierung durch E. Müschen unter Einfluss der Bauten F. W. Buttels. Dabei Ostgiebel als massiver Schaugiebel wiederhergestellt; an Westmassiv und Turm die Giebel, Satteldach und Helm erneuert sowie Fenster und Blenden vereinheitlicht, sämtliche Friese ergänzt.
Der Außenbau der Backsteinhalle regelmäßig gegliedert durch Strebepfeiler und Spitzbogenfenster über Mauersockel und Kaffgesims; an der Südseite zwischen 7. und 8. Joch ein Treppenturm, an der Nordseite zwischen 9. und 10. Joch ein schräggestellter Strebepfeiler, der mit Abbruchresten innen am korrespondierenden Schiffspfeiler einen urspr. Ostschluss mit drei flachen Apsiden ähnlich der Marienkirche in Prenzlau vermuten lässt. Die Ostwand durch Strebepfeiler dreigeteilt, im Mauersockel aus Feldstein Kreisblenden, darüber in der Mitte ein sechsteiliges und seitlich schmalere, vierteilige Fenster; der Treppengiebel von 1889 durch Spitzbogen- und bekrönende Kreisblenden mit Formsteinmaßwerk gegliedert, der vorgezogene Mittelteil von Giebelreiter bekrönt. Der querrechteckige Westbau bis Kranzgesimshöhe blockhaft in sorgfältigem Feldsteinmauerwerk, über breitem Fries und Kaffgesims die durch übergreifende Spitzbogenblenden mit Fenstern vertikal gegliederten Obergeschosse. Stattliches Westportal mit abgetrepptem Gewände und betontem Kämpfer; schlichte profilierte Seitenportale im Norden und Süden des 2. Joches sowie im Norden im 6. Joch.
Innen eine weite, gleichmäßig erhellte dreischiffige Halle, wesentlich bestimmt durch die Einbauten aus dem 18. Jh. Querrechteckige Mittel- und quadratische Seitenschiffsjoche mit Kreuzrippengewölben, im ältesten Teil ( 6.– 9. Joch) über achteckigen Pfeilern ohne Kapitelle und Kämpfer, sonst über Bündelpfeilern mit entsprechend gegliederten Arkadenbögen auf halbrunden Diensten und Kämpfersteinen. In der südl. Turmhalle Kreuzrippengewölbe und Fragmente von Gewölbe- und Wandmalerei, Kreuzigung und Weltgericht, im Raum darüber Drolerien, 15. Jh.
Ausstattung nach dem Brand von 1703: säulenflankierter Altaraufsatz aus Holz, 1716, Gemälde mit Ecce homo 1862 von G. Kannengießer, anstelle der urspr. geschnitzten Kreuzigungsgruppe (an der Südwand). Schlichte Holzkanzel, 1726. – Große Granittaufe, 13. Jh. – Orgel- und Sängerempore mit Balusterbrüstung und zwei mechanischen Figuren (Engel und Tod) mit Glocken, 1725; der reichgeschnitzte Orgelprospekt 1746. – Südl. anschließend der Garnweber-Chor mit Brüstungsgemälden der vier Evangelisten, 1733; geschlossenes Gestühl der Pastoren, Ratsherren, Scharfrichter sowie das Gemeindegestühl 1. H. 18. Jh. – Sandsteinrelief E. 16. Jh., mit Versuchung Christi, wohl Rest eines Epitaphs. – Zwei Glocken: 1820 von Gebr. Schweln, Stettin/Szczecin, Ton c hoch 1 – 5 ; 1710 von O. G. Meyr, Ton es hoch 1 – 6,5.

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