HANSESTADT LÜBECK / Wohnhäuser
Wohnhäuser. Das Bild der
Lübecker Hauptstraßen wurde bis zum späten
18. Jh. von Giebelhäusern geprägt, die sich auf
schmalen und tiefen, bereits in der Gründerzeit der Stadt, in der
2. H. 12. und im frühen
13. Jh. festgelegten Grundstücken von in der
Regel 8,10–9,50 m Breite aneinanderreihten. Kaufmanns- und
Handwerkerhaus unterschieden sich nur graduell durch Größe und
formalen Aufwand. Beide entsprachen in ihrer Grundform dem Typus des
nordwesteuropäischen Dielenhauses (fast vollständiger
Grundriss eines einschiffigen Fachwerk-Giebelhauses um 1236 unter dem
östl. Teil des Nebentraktes vom Heilig-Geist-Hospital an der
Großen Gröpelgrube ergraben). Die Diele mit dem Herd war das
Zentrum des häuslichen Lebens und der Berufsausübung. Der
Dachraum diente als Speicher. Wachsende Wohnansprüche wurden zum
Antrieb der Hausentwicklung. Sie ging deshalb im Wesentlichen von der
Raumaufteilung aus. Selten entschloss man sich zum Neubau von Grund auf. Die
Außenmauern, die seit der 2. H. 13. Jh. –
nach den Stadtbränden von 1251 und 1276 – massiv
aufgeführt werden mussten, ließen sich fast immer
wiederverwenden. Auf diese Weise blieb in zahlreichen Häusern
mittelalterliche Substanz erhalten (Brandwände). – Die Form
des Traufenhauses war im Mittelalter auf Häuser geringen Ranges (meist
Buden, die in Fachwerk errichtet werden durften), in Wohngängen,
Seitenstraßen und Stadtrandzonen (häufig in Form von
Reihenhäusern, wie An der Mauer, Wakenitzmauer) sowie auf
Sonderfälle (Vorderhaus des v. Dornes-Hofes, Schlumacherstr.
15–23, >> Stiftungshöfe)
beschränkt. Erst seit dem späteren 16. Jh. spielte
sie darüber hinaus, besonders für Miets- und
Kleinbürgerhäuser, eine Rolle (z. B. Schlumacherstr.
4, An der Obertrave 29–31), passte sich aber in der Regel mit hohem
Untergeschoss und gestuftem Zwerchgiebel der Erscheinung der
straßenbeherrschenden Giebelhäuser an. – Erst der
Abschluss des langwierigen Wandlungsprozesses von Werk- und Speicherhaus
mittelalterlicher Prägung zum neuzeitlichen Wohnhaus, der im
späten 18. Jh. mit dem Aufkommen klassizistischer
Formvorstellungen zusammenfiel, führte zum Verzicht auf den Steilgiebel
zugunsten eines betonten waagerechten Abschlusses und ermöglichte,
sofern der Bauherr zwei oder drei nebeneinanderliegende Hausgrundstücke
vereinigen konnte, die Ausbildung von Breitfronten (erstes Beispiel Behnhaus,
Königstr. 11). Das Maß der Parzellen, das auch noch in der
Verdoppelung spürbar ist, und das Einhalten gewisser Bauhöhen
bewahrten den Straßenbildern bis zu rigorosen Eingriffen seit dem
späten 19. Jh. (vor allem in den längslaufenden
Höhenstraßen, die sich zu modernen
Hauptgeschäftsstraßen entwickelten) eine wohltuende
Geschlossenheit (weitgehend ungestört in den östl. Stadtteilen
und auf der Westseite zwischen Großer Altefähre und
Fischergrube im Norden, Kleiner Peters- und Effengrube im
Süden).
Die Bindung an Parzelle, alte Bausubstanz
und Straßenflucht ließ jedoch eine freie Entfaltung
neuzeitlicher Wohnhaustypen nicht zu. Palaisartige Bauten konnten in geringem
Umfang nur in der Nachfolge mittelalterliche Ackerhöfe im
St.-Aegidien-Kirchspiel und im Dombezirk entstehen, wo die Domherrenkurien von
jeher freilagen („Schloss Rantzau“, Parade 1; Schildstr.
12; Mühlenstr. 72). Die schönsten Beispiele finden sich
außerhalb der Stadt („Lachswehr“ und ehem.
Küselsches Sommerhaus in der St.-Lorenz-Vorstadt; ehem. Lindesche
Villa, St.-Jürgen-Vorstadt; ehem. Landhaus Kuhlmann,
St.-Gertrud-Vorstadt).
Entwicklung des altlübischen
Giebelhauses: Das im frühen 13. Jh. erstmals fassbare massive
Backsteingiebelhaus ist wahrscheinlich von Kölner Vorbildern
herzuleiten. Es umschloss zunächst nur die Werk-Diele und drei bis
fünf Speicherböden, von denen der erste noch unterhalb des
Dachstuhles lag. Außerdem war es, z. T. mit Gewölben,
unterkellert. Die eigentlichen Wohnräume und ein heizbarer
Gemeinschaftsraum befanden sich in einem Hofflügel von etwa halber
Hausbreite. Von der Ausstattung der Innenräume zeugen Malereifragmente
des späten 13. bis 15. Jh. (Königstr. 51,
Glockengießerstr. 33, Schüsselbuden 2, Mengstr. 40,
Fleischhauerstr. 22, Fischergrube 20). – Seit dem 14. Jh.
sind Einbauten in der Diele anzunehmen, zunächst die sog.
Hangelkammern, Schlafstellen für das Gesinde, die an einer Seitenwand
aufgehängt wurden und bis ins 18. Jh. üblich blieben.
Sie waren von einer zu den Speicherböden führenden Treppe in
einer hinteren Dielenecke zu erreichen. Seit dem mittleren 15. Jh. kann
man einen zweiten, ofenbeheizten Gemeinschaftsraum in der Diele nachweisen, die
Dornse (oder kleine Dornse im Unterschied zu dem jetzt ebenfalls so benannten
Festraum des Rückflügels), die meist neben dem Eingang an der
Straßenseite lag. Über ihr, im ersten Lagerboden wurde eine
Wohnstube eingerichtet. Die Stubenfenster zeichneten sich wenig
auffällig in der Fassade ab (erste Beispiele aus der 2. H.
15. Jh.: Vorderhaus des Illhorn-Elendenhauses,
Glockengießerstr. 39, >> Stiftungshöfe;
Hundestr. 76; Depenau 33; Große Petersgrube 25).
Der Außenbau wurde durch die aufwändige Gliederung der Giebel
geprägt. In der Frühzeit sind Straßen und Hofseite
mit gleicher Sorgfalt durchgestaltet. Die ältesten bekannten Giebel
haben unterschiedlich gestufte Umrisse und einzelne Lüftungsluken mit
spätromanischen Doppel- oder Drillingsarkaden unter je einer
Rundbogenblende in geschossentsprechender Anordnung, die mitunter durch
Strombänder unterstrichen wurde (aufrecht nur noch der
1900–08 rekonstruierte, nach Einsturz 1942 wieder
aufgeführte Hintergiebel Dr.-Julius-Leber-Str. 13), sehr
ähnlich den nicht erhaltenen Bürgerhausgiebeln in
Köln. – Der Übergang zur Gotik vollzog sich
innerhalb desselben Gliederungsschemas (verbauter Hintergiebel Koberg 12,
Vordergiebel des Crane-Konvents, Kleine Burgstr. 22,
>> Konvente).
In der 2. H.
13. Jh. entwickelte sich die vertikale Giebelfrontgliederung durch
mehrere über dem glattwandig bleibenden Dielengeschoss aufsteigende
Hochblenden (frühestes erhaltenes Beispiel der fragmentarische
Hintergiebel Königstr. 25, 1268 [d]), die zunächst
Drillingsluken, bald aber lange, spitzbogige Doppelluken in mehreren Geschossen
übergriffen. E. 13 Jh. prägten sich die
Lösungen aus, die mit geringen Variationen über 200 Jahre in
Geltung blieben und eine einzigartige Geschlossenheit des Lübecker
Stadtbildes bewirkten. Kennzeichnend war – im Unterschied zu
überreichen Giebelformen im übrigen Backsteingebiet
– eine spröde Zurückhaltung (der Fialengiebel hatte
für Lübeck keine Bedeutung). Hochblenden und Staffeln traten
in eine bestimmte Beziehung zueinander: Je eine Blende stieg in eine ihr
entsprechende Staffel auf (wahrscheinlich in den Giebelfronten der
Häuser Koberg 10 und 11 zu rekonstruieren) oder mehrere gleich hohe
Blenden wurden unter einer Staffelschulter zusammengefasst, wobei es in der
Regel nur zu einer einzigen kraftvollen Stufung kam (Königstr. 30,
Mengstr. 6, Hundestr. 90); eine Sonderform war der ungestufte Schildgiebel
(Braunstr. 12). Die beiden letztgenannten schauwandartigen Monumentalformen (mit
bis zu neun Blenden) kennzeichneten vor allem das mittlere 14. Jh. Aufs
großartigste wurden sie in der Westfassade von St. Katharinen
und der Nordwand des Rathauses gesteigert.
Die Hochblenden
zeigten nach Überwindung der spätromanischen Formensprache
zunächst, beeinflusst durch den Hallenbau von St. Marien,
Viertelstabprofile (Koberg 10, 11; Mengstr. 25, 27; Königstr. 30).
Gegen M. 14. Jh. wurden sie kantig und so differenziert, dass die
Mauerstreifen zwischen den Blenden die Form kraftvoller Glieder mit vertikaler
Energie annahmen (Vordergiebel Dr.-Julius-Leber-Str. 13; Mengstr. 6).
Schichtenwechsel mit dunkel glasierten Ziegeln steigerte die reiche Wirkung ins
Prunkende (Königstr. 30, Mengstr. 6). – Bereits im
Ausgang des 14. Jh. verlor sich die tektonische Straffheit (Hundestr.
90, Große Petersgrube 11, Parade 1). Die Blenden wurden flacher und
einfach mit Normalsteinen, Fase oder Viertelstab profiliert.
Im späteren 15. Jh. kamen steile Fassadenproportionen mit
hohen Dielen auf, und die flache Blendengliederung erhielt häufig einen
nüchtern schematischen Zug, der durch dekorative Elemente, schmale
Blendnischen beiderseits der Hochblendengruppe und Rundpässe in den
Blendenspitzen gemildert werden konnte (Königstr. 43; Große
Petersgrube 15, 25). Die Luken, für die sich die flachbogige Form
durchsetzte, bildeten horizontal ablesbare, z. T. schon durch Gesimse
(Große Petersgrube 15) unterstrichene Folgen.
Die
spätgotische Ausprägung des Bürgerhauses wirkte im
16. Jh. weiter. Man steigerte noch die Dimensionen – die
Diele erhielt mit fünf bis sieben Metern ihre
äußerste Höhe – und
vergrößerte den Wohnraum: die Rückflügel
wurden fast durchweg erneuert, stets zweigeschossig und unterkellert. In ihrem
Obergeschoss, das häufig durch eine halbrund vortretende Wendeltreppe
am Ende des Traktes zugänglich war (nur noch Beckergrube 70 erhalten)
lag ein großer Festsaal (Reste Mengstr. 48). Die Ausstattung der
Räume war prunkvoll (sog. Fredenhagensches Zimmer, Haus der
Kaufmannschaft, Breite Str. 6–8, >> ehem.
Amts- und Gildehäuser). – In der Gestaltung des
Außenbaues wandte man größte Sorgfalt auf die
Straßenfronten, während die Hintergiebel, die noch am Ausgang
der Gotik eindrucksvoll gegliedert wurden (Große Petersgrube 25,
Mengstr. 38), oft schlicht blieben (Mengstr. 48–50). Der gotische
Vertikalzug herrschte in der 1. H. 16. Jh. weiter und hielt
sich in einer Reihe von Giebeln bis zum Ende des Jahrhunderts, doch wurden die
Hochblenden jetzt rund- oder korbbogig geschlossen und in berechneten Kontrast
zu horizontalen Reihen breiter Flachbogenluken gesetzt (Mühlenstr. 51;
Engelsgrube 24), die in reichen Giebeln Rundpassfolgen zwischen den Geschossen
unterstützten (Hüxstr. 34; Haus der Schiffergesellschaft,
Breite Str. 2, >> ehem. Amts- und Gildehäuser;
Mühlenstr. 60; Wahmstr. 33–37). Wichtigste Neuerung war die
Ausgliederung des noch im Bereich der Hauswände gelegenen ersten
Lagerbodens als Zwischengeschoss, motiviert durch die über der Dornse
eingerichtete Wohnstube, deren Fenster über die ganze Fassadenbreite
fortgesetzt wurden. Die Gliederung zeichnete sich durch Präzision aus,
die bis in die feine lineare Profilierung der Blenden wirkte.
Sparsame Akzente setzte man mit dem aus Lüneburg
übernommenen Taustab. Er prägte vor allem die hohen,
rundbogigen Backsteinportale. Das Dielengeschoss wurde weitgehend in
große Fenster aufgelöst, schmale, hohe
Rundbogenöffnungen in Paaren beiderseits des Portals (Haus der
Schiffergesellschaft, Breite Str. 2, Mengstr. 4), häufiger riesige,
durch Sprossen kleinteilig gegliederte Glaswände (Mengstr. 25, 27, 64;
Engelwisch 50), zur Dornse etwas kleiner bemessen als zur Diele, die
außerdem durch ähnliche Hoffenster eine Lichtflut
erhielt.
Nach M. 16. Jh. begann sich die
Horizontalgliederung durchzusetzen. Teils wurden die Zwischengeschosse
verdoppelt und verdreifacht, so dass sie die Wirkung der Hochblenden in den
angehobenen Giebeln beschränkten (Beckergrube 95; Große
Altfähre 31, 33; Wahmstr. 54–56), teils die
Vertikalgliederung zugunsten flachbogiger Lukenreihen über
geschossteilenden Gesimsen überhaupt aufgegeben (Engelsgrube
81–83, Mengstr. 27, 50, 52; Beckergrube 65). Gleichzeitig kamen
tektonische Terrakottagliederungen der Werkstatt St. v. Düren (um
1550–70) in Mode, die erstmals spezifischen Renaissancedekor in die
Fassadengestaltung einführten. Die durch die Lombardei angeregten
vollständigen architektonischen Gliederungssysteme setzten sich jedoch
nicht durch (vgl. Musterbahn 3; Terrakottaportal Mengstr. 50); man
begnügte sich meistens mit einem Fries unter dem ersten
Zwischengeschoss (Mengstr. 27, Depenau 30) und der Verwendung einzelner Platten
in Rundpässen der Giebel (Wahmstr. 33–37).
Gegen 1600 zeigte sich die Tendenz, die Luken durch Rechteckfenster in
Flachblenden zu ersetzen und die Erscheinung der Lukengeschosse dem
Zwischengeschoss anzugleichen: über dem beibehaltenen hohen
Dielengeschoss entstand in Ansätzen eine gleichmäßige
Fassadengliederung (Große Burgstr. 24; Engelsgrube 64, 66;
Große Petersgrube 4; Mühlenstr. 71). Als Hauptschmuck der
anspruchsvollen Kaufmannshäuser setzte sich unter dem Einfluss der
niederländischen Renaissance das aufwändige Sandsteinportal
durch, das reizvoll mit den Backsteinwänden kontrastierte (Braunstr.
1/3, 6; Fleischhauerstr. 14; Mengstr. 66–70, Schildstr.
10 a; auch am Füchtingshof, Glockengießerstr.
23–27, >> Stiftungshöfe). In der 1.
H. 17. Jh. stagnierte die Entwicklung des
Bürgerhauses.
Infolge der lang anhaltenden
wirtschaftlichen Depression nach dem 30jährigen Krieg mussten die neuen
Wohnraumbedürfnisse des Barock meistens durch einfache
Umbaumaßnahmen befriedigt werden. Leitgedanke war die Gewinnung eines
bequemen Wohntraktes an der Straßenseite. Er ließ sich am
einfachsten durch Unterteilung des vorderen Drittels der überhohen
Renaissancedielen gewinnen; wo die Dielenhöhe nicht ausreichte, nahm
man ein Stück der Decke heraus (z. B. Mengstr. 48). Eine
Holztreppe führte von der Diele zu den oberen Vorderräumen und
auf eine Galerie, die diese mit dem Obergeschoss des
Rückflügels und der Treppe zu den Speichergeschossen verband.
Die verkürzte, nur noch von den großen Hoffenstern beleuchtete
Diele erhielt durch die schön beschnitzten Einbauten, einen
Küchenverschlag unter der Galerie und vor allem durch eine stattliche
Holzsäule, die mit reich ornamentiertem Schwellholz den Unterzugbalken
der Dielendecke trug, ein repräsentatives Gepräge (Mengstr.
48; Dr.-Julius-Leber-Str. 32). Die im Rückflügel verbliebenen
Festsäle schmückte man mit Stuck (Alfstr. 38;
Königstr. 23). – Die Umbaunarben an den
Straßenfronten wurden durch Putz verdeckt, die gestuften Giebelumrisse
durch Abschweifen und Aufsetzen von Giebelköpfen modernisiert
(besonders gelungen Beckergrube 89; Wahmstr. 37).
Nach M.
18. Jh. belebte sich die Bautätigkeit wieder. Der Typ des
altlübischen Giebelhauses inspirierte noch einmal einige bedeutende
spätbarocke Schöpfungen (am großartigsten
Große Petersgrube 21), doch entwickelte sich gleichzeitig ein neuer
Haustyp, der ausschließlich dem bequemen und repäsentativen
Wohnen diente. Der Verzicht auf Lagerböden, durch reine Speicherbauten
ermöglicht (Fischergrube 83, Wakenitzmauer 118, 130), führte
zur Reduktion des Giebels (Entwicklungsstufen: Mengstr. 4; Breite Str. 29;
Königstr. 81 und 21, ehem. Amtshaus der Junker- und Zirkelkompanie,
>> ehem. Amts- und Gildehäuser). Die Diele
verlor ihre Funktion als Pack- und Werkraum und konnte bei
vollständiger Durchführung der Geschossteilung auf das
Erdgeschoss beschränkt (Königstr. 21 und 81) oder, durch zwei
Geschosse geführt, zu mächtiger repräsentativer
Wirkung gesteigert werden (Koberg 2; Behnhaus, Königstr. 11). Der
Rückflügel blieb bevorzugter Wohntrakt (z.
B. Behnhaus) mit dem im Rokoko aufgekommenen
„Landschaftszimmer“ (Königstr. 5, 9; Mengstr.
48–50) als geselligem Zentrum. – In der Fassadengestaltung
wurde das im Vergleich zu Renaissancefronten niedrig gehaltene Erdgeschoss
Sockel für das gleich hohe Obergeschoss, dessen
repräsentativen Charakter man besonders hervorhob. Trotz Reduktion des
Giebels und der Betonung eines horizontalen Fassadenabschlusses blieb die
Vertikale in risalitartiger Gestaltung der Mittelachse wirksam (am
schönsten Königstr. 81). – Die französisch
geprägte Breitfront des Behnhauses (Königstr. 11) bedeutete
dagegen den Bruch mit der altlübischen Tradition. Ihre horizontale
Gliederung mit alternierender Achsenbetonung bereitete den Klassizismus vor, der
bis um die M. 19. Jh. die Straßenbilder modifizierte. Die
erste Phase vollzog sich in der Auseinandersetzung mit der Behnhausfassade auf
dem Boden eines lokalen Zopfstils (z. B. Koberg 2, Königstr. 12). Um
1800 führten C. F.
Hansen und besonders J. C. Lillie die strenge Form
dänischer Prägung ein (z. B. Königstr. 5,
Große Petersgrube 17–19). – Gleichzeitig
änderte sich auch die innere Struktur des Hauses.

