HUYSBURG / Benediktiner-Kloster
Benediktiner-Kloster. Auf dem
nördl. von Halberstadt dem Harz vorgelagerten Höhenzug des Huy. Von einer
Mauer weitläufig umgebene Bautengruppe, bestehend aus der Kirche, Resten der
Klausur und den wesentlich in der letzten Blütezeit des Klosters im 18. Jh.
errichteten Wirtschafts- und Repräsentationsbauten. Das Gelände bereits
vorgeschichtlich besiedelt. 1. H. 11. Jh. Hof der Halberstädter Bischöfe in
einer wohl älteren Burganlage. Um M. 11. Jh.
Ansiedlung von Inklusen, aus der ein der Benediktinerregel folgendes
Doppelkloster hervorging, das 1084 durch Bischof Burchard
II. förmlich gegr. wurde. 1444 Anschluß an die Bursfelder
Kongregation. 1525 Brand im Kloster, Kirche aber nicht betroffen.
Fortbestand des Klosters bis zur Säkularisation 1804. Kath. Pfarrei, die Klostergebäude
seit 1823, wie auch das Gut >> Röderhof, im Besitz der Freiherrn
von dem Knesebeck. Seit 1972 wieder
Benediktiner-Kloster. Umfangreiche bauarchäologische Forschungen seit 1995.
– Klosterkirche Mariae Aufnahme in den
Himmel. Von einem 1058
geweihten Vorgänger haben sich wenige, aber wichtige Reste in den beiden
östl. an die Apsis anschließenden Querwänden erhalten: Demnach bestand hier
eine doppelgeschossige Kapelle mit über Pfeilern gewölbtem Untergeschoß und
einem über Säulen gewölbten Obergeschoß von mindestens 33 Jochen Ausdehnung
und Abschluß in drei Apsiden. 1088/89
Erweiterung der bestehenden Kapelle nach Westen, davon Reste in den jüngeren
Sanktuariumswänden erhalten. Wenig später bei der erneuten und erheblichen
Erweiterung nach Westen Ostteile der Kapelle einbezogen, Weihe 1121. Singuläre Lösung im Anschluß der jüngeren
Apsis an die östl. Joche der doppelgeschossigen Kapelle mit Sichtbeziehung
aus der Basilika mindestens in das mittlere Joch im Obergeschoß. Hier
Anfügung von stuckierten Würfelkapitellen an die Säulen des
Kapellenobergeschosses baueinheitlich mit den Apsispfeilern der Basilika. Im
ehem. Kapellenuntergeschoß Reste einer figürlichen
Ausmalung
des mittleren 13. Jh. – Die Basilika selbst ein bedeutendes
Denkmal sächsischer Baukunst am Übergang zur hochromanischen Architektur:
einheitlicher, dreischiffiger Bau über kreuzförmigem Grundriß mit
Flachdecke. Im Osten langgestrecktes Sanktuarium mit apsidialem Schluß in
drei hohen offenen Rundbögen. Westapsis zwischen den romanischen
Turmuntergeschossen. Die durch Befund gesicherten Querhausapsiden verloren.
Langhaus mit einfachem Stützenwechsel, die drei Pfeiler jeweils durch
übergreifende Blendbögen verbunden. Säulen mit attischen Basen, z. T. mit
Eckhülsen, und korinthisierenden bzw. Rankenkapitellen. Werksteinflächen
überarbeitet. Seitenschiffe mit nachträglicher Kreuzgratwölbung. Am nördl.
Querhaus jüngerer (gotischer?) Sakristei-Anbau, heute Marienkapelle,
Kreuzgratgewölbe, dreieinhalb Joche. In der Wand zum Sanktuarium romanische
Doppelarkade mit ornamentaler Ausmalung auf Säule mit Würfelkapitell und
Bündelpfeiler (wohl zwei Bauphasen). – Außenbau schlicht. Relativ große
Fenster mit fast senkrecht in das Mauerwerk eingeschnittenen Laibungen.
Östl. der Vierung urspr. achteckiger Glockenturm (dafür der zusätzliche
Gurtbogen im Sanktuarium), 1886 stattdessen
Vierungstürmchen. Die Turmobergeschosse von 1487 ersetzen einen urspr. Westgiebel mit flankierenden Türmen.
1492 Erneuerung des südl.
Querhausgiebels, spätestens zu dieser Zeit Erhöhung der Dächer. Vorhalle zum
Südeingang inschriftlich 1756. – Ausstattung
und Deckenmalereien überwiegend barock:
Deckenbilder von
1729, im 19. Jh. übermalt, in den 1930er Jahren zusammen mit der
Überarbeitung der Werkstein- und Putzoberflächen verändernd rest. Hölzerner
Hochaltar von 1787 mit Heiligenfiguren (u.
a. Mitpatrone Gregor und Maria Magdalena) in den vorschwingenden
Seitenfeldern, über dem Architrav Darstellung der Trinität und Engel in
Wolken, im Mittelfeld Gemälde Mariae Himmelfahrt von Anton Stratmann. Vor den Vierungspfeilern zwei
Seitenaltäre (1793) mit Heiligenfiguren und
Gemälden der Kreuzigung (links) und Maria Immaculata (rechts), ebenfalls von
Stratmann. Reich geschnitzte
barocke
Chorschranke.
Orgel, 1760,
von Johannes Adolarius Papenius.
Prospekt von Joseph F.
Bartoli1767, weit ausschwingende Empore und Kanzel stileinheitlich aus
der gleichen Zeit. Schlichtes
Chorgestühl
15. Jh. In der Westapsis
frühbarocke
Sandsteintaufe mit Engeln und Festons, hölzerner Deckel
mit freiplastischer Gruppe der Taufe Jesu. Geschnitztes und gefaßtes
Vesperbild, E. 15. Jh. im nördl. Querhaus.
Romanisches
Türsturzfragment im nördl. Seitenschiff:
Halbfigur
eines Engels in Hochrelief, 12. Jh. Im südl.
Querhaus aufwendiges
Holzepitaph für Abt Nikolaus
von Zitzwitz († 1704) mit Gemälde Erweckung des
Lazarus.
Bronzegrabplatte des 15. Jh. zum
Gedächtnis an den ersten Abt Eckehard († 1084) mit
Ritzzeichnung des Verstorbenen im Ornat im nördl. Querhaus auf modernem
Sockel. Grabstein eines 1484 verstorbenen Mönchs in Ritzzeichnung im südl.
Querhaus. Steinerne Grabplatten mehrerer Äbte im Boden des nördl.
Seitenschiffs eingelassen.

