ILSENBURG / Ehem. Schloßkirche
Ehem. Schloßkirche. Vom Bau der
Zeit um 1000 nichts erhalten. 1078–87 Bau einer kreuzförmigen
Basilika mit doppeltürmigem Westbau sowie dreischiffigem Chor ohne Krypta
und drei gleichfluchtenden Apsiden. Am Querschiff keine Apsiden. Unter
Herrand entstand mit der Ilsenburger Klosterkirche ein früher Reformbau noch
vor St. Peter und Paul in Hirsau. Gegen E. 12.
Jh. Wölbung der bis dahin flachgedeckten Kirche und Einbringung
eines neuen Gipsestrichs. Im 16.
Jh. die beschädigte Kirche in reduzierter Form als Schloßkirche
wiederhergestellt, dabei der Nordturm, das nördl. Seitenschiff und große
Teile der Ostpartie abgetragen. Ab 1573
das ehem. Rippengewölbe durch ein niedrigeres Gratgewölbe im Mittelschiff
und eine Holztonne im Chor ersetzt. Im Zuge der Restaurierung 1932–38 der romanische Schmuckfußboden
freigelegt. In den Einzelformen des Baus wie in seiner Gesamthaltung der
reformerische Geist strenger, aber großartiger Einfachheit spürbar.
Außen. Die uspr. Gestalt des Westbaus des 11. Jh. nicht eindeutig rekonstruierbar. Der Südturm
heute mit einem Fachwerkaufsatz, der Mittelbau durch ein steiles Pultdach
verunklärt. Nach Westen trat ein rechteckiger Vorraum vor die Turmflucht
vor. Die vermauerte große Rundbogenöffnung wohl erst A. 13. Jh. mit einem
umlaufendem Sockelprofil versehen; heute nur kleine Spitzbogentür. Hinter
dem Bogen ein großes sechsstufiges Säulenportal eingefügt. In seinem
Tympanon der Salvator zwischen den beiden Johannesfiguren, alle drei als
Halbfiguren dargestellt, dazu Muschelnimben und Ranken; in der Anordnung
ähnlich dem stuckierten Tympanon an St. Godehard zu Hildesheim
(Niedersachsen), in der Qualität jedoch geringer. Die Schiffnordwand nach
1573, ungegliedert mit großen Rundbogenfenstern. Der Südseite des Langhauses
auf Grund der veränderten Schubkräfte infolge des Verlusts von
Nordseitenschiff und Kreuzgang Stützpfeiler vorgesetzt. In der Mauer
hochliegende kleine Rundfenster, Portal.
Innen. Im Langhaus einfacher Stützenwechsel in vier quadratischen Doppeljochen ohne
übergreifende Blendbögen. Die quadratischen Pfeiler im Langhaus ganz
schlicht, mit Platte und Schmiege an Basen und Kämpfern; die Säulen
gemauert, ihre Wulstbasen ohne Eckblätter, die Würfelkapitelle gedrückt, mit
zart aufgelegten Schilden, streng, ohne Ornament. Der Langhausquerschnitt
urspr. steil. Das Fußbodenniveau viermal um je drei Stufen zur Apsis hin
ansteigend, beginnend am östl. Pfeilerpaar des Langhauses; damit ein Chorus
minor angedeutet. Die Nebenchöre in zwei Arkaden auf mittlerem
Achteckpfeiler urspr. zum Hauptchor geöffnet. – Im Zuge der Wölbung E. 12.
Jh. der Obergaden z. T. erneuert und mit paarig angeordneten Fenstern
versehen; die Basen und Kapitelle sowohl an den neu eingestellten Diensten
als auch an den alten Stützen stuckiert. Von diesen Zutaten erhalten die
Basisverkleidung der drei westl. Stützen, die Kreuzgratgewölbe des
Seitenschiffs, zwei Stuckkämpfer am Ostende des Seitenschiffs sowie weitere
Kämpfer von Gewölbestützen im Mittelschiff (auf dem Dachboden sichtbar). Für
das Hochschiff sind Kreuzrippengewölbe zu ergänzen. Im Mittelschiff und
zwischen den Stützen Reste des Gipsestrichs mit schöner Ritzzeichnung, durch
rote und schwarze Farbpasten hervorgehoben, im Mittelschiff urspr. ein
Stamm, der beidseits Kreisranken entsandte, in diesen lebendige
Tierdarstellungen; am Ostende des Estrichs drei Grabstellen von Äbten, im
14. Jh. durch Ritzzeichnungen im Gips kenntlich gemacht. – Im Südturm des
stark reduzierten Westbaus breite Wendeltreppe, die wohl zu einer Westempore
führte. Eine entsprechende Treppe im Nordturm angelegt, aber anscheinend
nicht ausgeführt. Der Emporenraum im Turmzwischenbau heute durch das
Pultdach zerschnitten. Darunter ein Kreuzrippengewölbe eingespannt. Statt
des zu vermutenden urspr. Doppelbogens zum Schiff mit großer Emporenöffnung
darüber später unten eine geschlossene Wand mit schmaler Mitteltür
eingezogen, die Tür begleitet und bekrönt von drei Zwillingsblendarkaden mit
Einzelformen des 12. Jh. (von den niedergelegten Türmen?). Spätestens im 16.
Jh. auch die Emporenöffnung noch zugesetzt. – Die Tonne im Chor bemalt mit
dem Stolbergischen Wappen zwischen Wolken; im südl. Querarm die für den
Orgelprospekt von 1935 veränderte Fürstenloge. Die damals dort aufgestellte
Orgel heute in der >> Marienkirche, erhalten sind Teile der dazu
verwendeten ehem. westl. Orgelempore des späten 17. Jh. – Von der
Ausstattung wenig erhalten, am bedeutendsten die
Altarwand,
1706 von Bastian
Heidekamp: prächtiger dreiteiliger Aufbau mit gedrehten
Weinlaubsäulen, reich und sorgfältig geschnitzt, im Ornament mischen sich
Akanthus und naturalistische Frucht- und Blumengehänge; die Predella mit
Abendmahlsrelief, im Hauptfeld Hochrelief der Kreuzigung gegen den freien
Grund gestellt, ebenso im Auszug das Relief der Kreuzabnahme, seitlich
Freifiguren der vier Evangelisten, dazu Engel mit den Passionswerkzeugen, im
gesprengten Giebel der auferstandene Christus. Von Heidekamp auch die
Kanzel, der polygonale
Korb von Johannes dem Täufer getragen, an der Brüstung Figuren der
Evangelisten mit dem Salvator in der Mitte, der kronenartige Schalldeckel
von Engel mit Siegespalme bekrönt. Vom gleichen Künstler das
Epitaph des Grafen Ernst
(†1710), Fama hielt ehem. das ovale Brustbild des
Verstorbenen, darunter Trophäen und Vita-Tafel. Zwei Teile eines
Gestühls, eines 1619 dat., die Vorderwand
jeweils mit biblischen Szenen bemalt.
Taufengel
um 1700. Im Turmuntergeschoß fünf
Sarkophage,
18. Jh., vom Friedhof der Marienkirche aufgestellt.

