KLEVE / Garten- und Parkanlagen

Garten- und Parkanlagen: Urspr. ausgedehnte Parks im Südosten und im Nordwesten der Stadt mit Sichtschneisen und Alleen zur Umgebung, angelegt unter Johann Moritz von Nassau-Siegen, Brandenburgischer Statthalter (1647–79); heute nur in Teilen erhalten bzw. rekonstruiert. – Im Neuen Tiergarten (Tiergartenstraße) das sog. Amphitheater, halbkreisförmige Terrassengärten in dem nach Norden abfallenden Hang des Springenbergs, ab 1653 angelegt; 1976–97 Terrassen, Teiche und der nach Norden verlaufende Prinz-Moritz-Kanal rekonstruiert. Fast auf halber Höhe des Hangs liegt der sog. Cerestempel, ein Rundbau von 1857 mit Kuppel über ionischen Säulen, flankiert von den Viertelkreisen eines neuen Laubengangs auf Edelstahlgerüst. Der Halbkreis öffnet sich zu den Terrassen mit Teichen in verschiedenen Höhen, in dem obersten eine Kopie der heute im nahegelegenen >> Museum Kurhaus aufbewahrten Minerva Tritonia, 1660 von A. Quellinus d. Ä. Über die vielbefahrene Tiergartenstraße (B 9) hinweg der Blick über den Prinz-Moritz-Kanal bis zum Turm der ehem. Stiftskirche in >> Elten. Auf zwei Inseln im Vordergrund das Monogramm des Statthalters und das Johanniterkreuz aus Buchsbaumhecken. Auf dem Berg oberhalb des Amphitheaters ein Obelisk. Von dort in südl. Richtung auf dem bewaldeten Bergrücken der künstlich aufgeschüttete Sternberg, von hier aus ehem. Sichtschneisen zu Blickpunkten in der weiteren Umgebung.
Von dem Schneisen- und Alleensystem des 1650–53 angelegten Alten Parks die nach Westen begrenzende Nassauer Allee erhalten, die vom Kleinen Markt bei der Stiftskirche aus nach Süden auf das Weiße Tor zuführt. 1677 verlegte Johann Moritz seine Grabstätte aus dem Neuen Tiergarten in das stille Tal am Fuß des Papenbergs, in dem er sich kurz zuvor eine heute verschwundene Einsiedelei errichtet hatte. Hier wurde die 1663 von H. Pithan gefertigte gusseiserne Tumba aufgestellt mit dem Wappen von Nassau auf der einen und dem Johanniterkreuz auf der anderen Schmalseite, den Wappen der Ahnenprobe des Prinzen auf den Breitseiten. 1678 der halbrunde Vorplatz vor dem Grabmal durch ein aus zwei Viertelkreisen bestehendes Bauwerk eingefasst. Die Zwischenräume zwischen 16 grobschlächtigen Pfeilern aus Bruchstein mit Ziegelmauerwerk ausgefüllt, darin eingemauert römische Spolien und Keramik (heute Abgüsse der im Rheinischen Landesmuseum >> Bonn aufbewahrten Originale). Auf jedem Pfeiler ein gusseiserner Krater (heute Nachbildungen). Nach seinem Tod im Jahre 1679 wurde Johann Moritz zunächst hier beigesetzt, seine Gebeine aber bald darauf in die Familiengruft nach Siegen überführt. Instandsetzungen 1811, 1929, 1965 und 1979.

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