MITTENWALDE / Ev. Stadtpfarrkirche St. Moritz

Ev. Stadtpfarrkirche St. Moritz. Gotische dreischiffige Hallenkirche von vier Jochen mit Umgangschor. Beg. im 13. Jh. als Feldsteinbau mit westl. Querturm und gleichbreitem, vermutlich basilikalem Schiff. Im 14. Jh. vollendet als Hallenkirche in Backstein, ab E. 15. Jh. (wohl nach Brand 1473) Errichtung des Umgangschors und Einwölbung. 1773 Turmaufsatz von J. C. Barnick, an seiner Stelle 1877/78 der beherrschende Mittelturm aus Backstein nach Entwurf von J. E. Jacobsthal. – Neugotische Renovierung der Kirche 1861/62, das Innere 1956/57 schlicht erneuert, dabei Kanzel und Emporen entfernt. 1992–2006 saniert und rest.
Außen. Der Unterbau des querrechteckigen Westturms aus sorgfältigen Feldsteinquadern dreigliedrig, im Mittelteil bedeutend höher als in den Seitenteilen. Der darüber in reichen neugotischen Formen errichtete Turm mit Fialen und Blendgiebeln. Auch die Außenmauern des Schiffs bis zum (vermutlich neugotischen) Kaffgesims der Fenster aus Feldstein, im dritten Joch von Westen je ein spitzbogiges Stufenportal. Spitzbogige Fenster mit feinen Kantenstäben, das Maßwerk 1862 erneuert, ebenso die Formsteine im Sockel. Der Chor mit polygonalem 5/10-Schluss ganz in Backstein ausgeführt, Fenster mit einfachen geschrägten Laibungen. Chor und Schiff unter einheitlichem Satteldach. – An der Südseite des Chors zweigeschossiger Anbau mit Sakristei, Feld- und Backstein, 1. V. 16. Jh., Giebel und Portal 19. Jh. Innen am Eingang zur Sakristei Reste spätgotischer Rankenmalerei.
Innenraum von gedrückten Proportionen. Die Langhauspfeiler der Zeit um 1300 ungewöhnlich gebildet: sechseckig auf rundem Sockel, umstellt von sechs Halbsäulenvorlagen, die in Kämpferhöhe ohne Verbindung mit den Gewölberippen abrupt enden. Im Chor schlanke einfache achteckige Stützen mit Kämpferplatte. Einheitliche Wölbung mit Stern- und Netzrippenmuster ( >> Bernau, Fürstenberg/Oder), an der Nordwand auf schlanken Runddiensten, im Süden und Westen unmittelbar an der Wand beginnend. Die Turmhalle urspr. mit hohem Bogen zum Mittelschiff geöffnet, die graue Quaderrippenfassung des Sterngewölbes 1992 rest.; die Seitenräume durch schmale, flachbogige Durchgänge mit den Seitenschiffen verbunden. – In der Sakristei reiches Netzgewölbe, die Rippen taustabähnlich mit Rillen geschmückt, hängende Kreuzblume als Schlussstein; das ungewölbte Obergeschoss (sog. Jägerchor) spitzbogig voll zum Schiff geöffnet, steile Treppe vom Schiff als Zugang. An der Sakristeitür schöne Beschläge in Lilien- und Blattformen, 1. V. 16. Jh.
Ausstattung. Großer spätgotischer Flügelaltar, in der Verkündigung inschriftlich dat. 1514, Stiftung der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg, möglicherweise für die zur Schlosskirche erhobene Dominikanerkirche in Berlin Cölln. Vermutlich nach 1540 oder nach 1611 nach Mittenwalde gekommen. Rest. 1862 durch F. W. Koch und R. Huth. – Qualitätvolle, wohl sächsisch beeinflusste Arbeit, vielleicht einer Berliner Werkstatt. Im Mittelschrein in gesonderter Rahmung von Beginn an eingefügt die szenische und gedrängt perspektivische Darstellung einer Kreuzabnahme und Beweinung, A. 16. Jh., vermutlich aus Antwerpen stammendes Probestück; darüber und darunter die von Putten gehaltenen Wappen von Brandenburg und Dänemark. Beiderseits im Mittelschrein Thomas von Aquin und hl. Katharina, auf den Flügeln links Anna selbdritt, rechts ein weiterer Dominikanerheiliger. Im hohen, feingliedrigen Gesprenge hl. Katharina von Siena zwischen Abt und Bischof, musizierende Mönche und Engel, der Aufbau von Schmerzensmann bekrönt. Die Gemälde in der Art der Werkstatt L. Cranachs d. Ä., auf der Predella das von Engeln gehaltene Schweißtuch der Veronika, auf den Flügelrückseiten Verkündigung, auf den Standflügeln die hll. Elisabeth und Barbara. – Im Chorumgang Chorgestühl mit geschnitzten Wangen und Klappsitzen, 2. V. 16. Jh. In den Füllungen der Rückwand farbige Flachschnitzereien mit Wappen bzw. Hausmarken und originellen figürlichen Darstellungen. Orgelprospekt mit geschnitztem Muschel- und Gitterwerk, 1787 von Orgelbauer J. W. Grüneberg aus Brandenburg. An der Südwand qualitätvolle Schnitzfigur eines hl. Papstes (Gregor?), um 1510. Portrait Paul Gerhardts (†1676), 1827 gestiftete Kopie des Portraits in >> Lübben, St. Nikolaus. – Epitaphien: 1. für Wulff Kühne (†1572), figurenreiches Kreuzigungsgemälde mit Stifterfigur, dat. 1561, in verändertem Ädikularahmen; 2. für Conrad Kicke; erhalten eine Tafel mit Darstellung der Stifterfamilie (Sakristei), 2. H. 16. Jh.; 3. für Maria Elisabeth Gerhardt (†1657), reich verzierte Inschrifttafel aus Holz, der Rahmen mit Engelsköpfen besetzt.

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