MOLSDORF / Ev. Pfarrkirche, ehem. Schloßkirche

Ev. Pfarrkirche, ehem. Schloßkirche. Erhöht stehende, aufwendig gestaltete werksteinsichtige Saalkirche mit halbrunder Apsis und eingezogenem Westturm 1717–21 gebaut. Am Außenbau Mittelrisalite mit Dreieckgiebelbekrönung. – Einheitlich gestalteter barocker Innenraum (Ausmalung 1896) mit Muldengewölbe, umlaufender Empore und Logeneinbauten. Kanzelaltar A. 18. Jh., der geschweifte Korb mit Monogramm F. S., darüber Schalldeckel mit Bekrönung. Taufstein mit originaler Bemalung von 1721. Orgel 18. Jh. Kruzifix, dessen Corpus A. 15. Jh., Kreuz 1655. Gemälde mit Grablegung Christi, wohl italienischer oder spanischer Herkunft, um 1600. Gemälde, Kreuzigung Christi E. 17. Jh. Mehrere Epitaphien E. 16. Jh. und A. 17. Jh.
Schloß (am südl. Ortsrand), heute Museum und Gaststätte. Die spätbarocke Anlage entstand im 18. Jh. unter Verwendung von Gebäudeteilen eines Renaissancebaues, welcher seinerseits auf den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg errichtet worden war. Die umfangreiche Bautätigkeit setzte ein, nachdem der Legationsrat Otto Christoph Schulze im Jahre 1713 den früheren Herrensitz erworben hatte. Durch Schulzes Tod im Jahre 1728 wurden die Arbeiten unterbrochen, bald aber durch den Reichsgrafen Gustav Adolf von Gotter (1692–1762), der Schloß und Gut 1734 kaufte, in noch größerem Umfange fortgeführt. Die Gestalt, die Schloß und Park Molsdorf unter dem Bauherren Gotter erhielt, prägt das heutige Erscheinungsbild der Anlage. Diese in der Geschichte des Schlosses Molsdorf wohl bedeutendste Periode war allerdings relativ kurz. Schon 1748 mußte Gotter das Anwesen wegen finanzieller Schwierigkeiten an den württembergischen Staatsminister von Schwende verkaufen, seit 1762 war die Anlage im Besitz des Landesherren und Herzogs von Sachsen-Gotha-Altenburg.
Zwischen dem ehem. Ehrenhof und dem Schloßpark erhebt sich der unregelmäßige Vierflügelbau, zweigeschossig mit Mittelrisalit und gedrungenen dreigeschossigen, vor die Bauflucht tretenden Ecktürmen, das rundbogige Tor nimmt die gesamte Breite des Risalits ein und wird von Pilastern mit Volutenkapitellen eingefaßt, der Scheitelstein des Torbogens trägt die Inschrift 1751, darüber befindet sich das Wappen Gotters. Der Risalit wird durch eine Attika mit weiblichen Figuren und einer Vase bekrönt. Die Grunddisposition und große Teile der Bausubstanz des Nordflügels sowie der angrenzenden Bereiche des Ost- und Westflügels sind anhand einiger Bauglieder in Formen des Renaissance wohl als Bestandteile des Vorgängerbaus zu identifizieren. Völlig neu errichtet wurde in den 1730er Jahren der Südflügel, die Gartenseite, unter Mitwirkung des sächsisch-gothaischen Landbaumeisters Gottfried Heinrich Krohne. Diese Schauseite des Schlosses mit seiner ebenfalls ausgewogenen, aber doch kräftig akzentuierten architektonischen Gliederung und den zahlreichen und prächtigen Schmuckelementen bildete urspr. den Ausgangspunkt des barocken Schloßgartens. Die elfachsige zweigeschossige Fassade wird durch die dreifache Akzentuierung der Vertikalen in Form eines dreiachsigen Mittelrisalits und ebenfalls dreiachsiger Seitenrisalite mit Dreieckgiebeln gegliedert. Der durch ein Mezzaningeschoß mit Attika herausgehobene Mittelrisalit durch einen Balkon und aufwendigeren Fassadenschmuck betont sowie durch Vasen und das zentrale Wappen Gotters auf der Attika bekrönt. Die sich über alle Achsen der Fassade erstreckende Reihe der Fenstertüren betont die Beziehung zum ehem. Barockgarten, wird aber in der Mittelachse der Seitenrisalite genauso wie das Fensterband des Obergeschosses durch Nischen unterbrochen, in welche unten Vasen, oben weibliche Aktfiguren eingestellt sind. Rokoko-Ornamentwerk ziert besonders die Brüstungs- und Traufenbereiche und setzt sich in den Giebeldreiecken der Seitenrisalite fort. Das gesamte Gebäude ist verputzt, Gliederungs- und Schmuckelemente sind farblich abgesetzt, die entsprechend dem Grundriß unregelmäßigen Walmdächer mit Gaupen, die Turmhauben schiefergedeckt. Die Fenster sind vorwiegend als achtteilige vierflügelige Fenster ausgebildet und von zeittypisch gestalteten steinernen Gewänden eingefaßt.
Die Gestaltung der Innenräume stammt überwiegend aus der Zeit der Gotterschen Umbauten, aber auch hier sind noch Bauteile und Reste des Vorgängerbaus aus dem 16. Jh. sichtbar. Unter dem Nordflügel und dem nördl. Teil des Südflügels befinden sich mehrere Kellerräume mit weitgespannten Tonnengewölben aus grob behauenen Bruchsteinen, wohl 16. Jh. Schmucklose Torfahrt, im Treppenhaus zweiläufige Holztreppe, das Geländer mit aufgemaltem Bandwerk. Deckengemälde mit der Darstellung der auf Wolken schwebenden Diana, umgeben von Putten und eingefaßt von illusionistischer Architekturdarstellung.
Repräsentative Eingangssituation im Südflügel mit einem ebenerdigen, durch mehrere Türen zu betretenden und durch die dichte Reihung der großen rundbogigen Fenster lichtdurchfluteten Gartensaal . Dieser und die beiden mit dem Gartensaal durch die großen zweiflügeligen Türen eine Raumflucht bildenden Eckräume sind prachtvoll mit marmorierten Pilastern und Stuckdecken ausgestaltet. Verspielte muschel- und bandförmige Stuckelemente akzentuieren die Kapitelle der Pilaster, Gesimse, Stuckkanten und die Kaminnische. Die bemalten Tapeten mit Landschaftsdarstellungen hier nicht urspr. Die Obergeschoßräume des Nordflügels werden über einen hofseitigen Flur erschlossen und besitzen ebenso wie die des Erdgeschosses nur eine relativ einfache Ausstattung. Dieses Erscheinungsbild scheint noch wesentlich den Zustand des Renaissancebaues wiederzugeben und wurde im 18. Jh. nur wenig überformt. Im weißen und grünen Blumenzimmer sind sämtliche Flächen mit gegliederten Wandbekleidungen, Gemälden, Spiegeln, Kamin, Kachelofen und aufwendigen Stuckdecken, z. T. mit Deckengemälden ausgestattet. Die Blumendekorationen des Erfurter Malers Jakob Samuel Beck erstrecken sich über Sockel, Wände und Fenstergewände. Ebenfalls von Beck die Bilder im oberen Vestibül und im Büfettzimmer; außerdem das Wandbild der „Fleurette“ bemerkenswert, das die blinde Wand oberhalb der Treppe vom Gartensaal ziert und die Illusion eines Ausblicks durch ein Fenster in die Landschaft vermittelt. Der Bankettsaal ist mit einer dunklen Eichenholztäfelung versehen, in die Bildnisse regierender Fürsten und Könige, Diplomaten und Feldherren des 18. Jh. eingesetzt sind. Die unmittelbar oberhalb der Täfelung ansetzende illusionistische Malerei mit Figuren der italienischen Komödie und symbolischen Darstellungen der Jahreszeiten leitet über zum großen Deckengemälde, 1738 von Peter Weingart, mit dem auf Wolken thronenden Apoll inmitten von weiteren Gestalten der griechischen Götterwelt. Vervollständigt wird das festliche Gepräge des Raumes durch die Kronleuchter, einen großen und mehrere kleine Spiegel sowie die Eckkartuschen mit der vierfach wiederholten Devise Gotters „Vive la joie“. An den Festsaal schließt sich das Damen- und Silberkabinett mit silbern gefaßtem Deckenstuck und alle-gorischen Tierdarstellungen an, die Malereien von Beck mit Tier- und Pflanzenmotiven, Instrumente und Masken überziehen die Täfelung des Sockels, die Wandgliederung, Türfüllungen und Fensterläden.
In der Mittelachse des Südflügels nimmt der Marmorsaal die Symmetrieachse des Parkes und der Fassade auf, seine gesamte Gestaltung und das Bildprogramm vermitteln den Eindruck heiterer Festlichkeit. Das Deckengemälde „Aurora mit dem Sonnenwagen“ von Antoine Pesne stellt den thematischen Höhepunkt im Raumprogramm dar. Rokokostuck ziert den Rahmen des Deckenbildes und vier Eckkartuschen mit Allegorien der vier Jahreszeiten. Das Schlafzimmer mit der Bettstatt stammt nur noch teilweise aus der Zeit Gotters, so die brüstungshohen Reste der Wandvertäfelung und die sehr kostbare Stuckdecke mit Rocaillen, Pflanzen und Fabelwesen. Die prächtige grün-goldene Tapete wurde erst nach Abnahme der Täfelung hier angebracht. Im Roten Salon Deckengemälde „Die sieben freien Künste“.
Im Ostflügel das Moseszimmer, das Marmorkabinett und das Jagd- oder Gobelinzimmer, deren Namen von früheren Ausstattungen herrühren. Die Decken weisen ebenfalls in Stuck gerahmte Deckenbilder auf. Das Mohren- oder Kaffeezimmer ist der einzige Raum im Obergeschoß, der nur vom Innenhof aus belichtet wird. Hier eine schlichte Stuckdecke, die Wandgestaltung mit Weinrankenmuster. Das Marmorbad um 1910 neoklassizistisch. Im Mezzaningeschoß die Bibliothek, die Wandschränke mit handgemalten Tapeten ausgeschlagen, über den Fenstern und über der Tür Medaillons mit Porträts von historischen Personen der griechischen und römischen Antike.
Der Park südl. des Schloßgebäudes als regelmäßige Anlage begonnen und zwischen 1734 und 1748 unter Gotter fertiggestellt. Die von einer Mauer umgebene Gesamtanlage war durch Achsen und Wasseranlagen gegliedert und im Parterrebereich mit Skulpturen, ornamentalen Blumenanlagen und Kübelpflanzen ausgestattet. Nach 1826 auf Veranlassung von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha unter Anleitung des Hofgärtners Johann Rudolf Eyserbeck zum Landschaftsgarten umgestaltet, dabei Teile des ehem. Achsen- und Kanalsystems sowie Alleen, die Umfassungsmauer mit den schmiedeeisernen Gittern und einzelne Stücke des urspr. umfangreichen Skulpturenbestandes beibehalten.
Brücke bei Marienthal, nördl. des Ortes. 1752 gebaut, 1991/92 restauriert und ergänzt. Zweibogige massive Brücke. Die Brüstungsplatten zwischen rechteckigen Pfeilern, die Mitte der Westseite erhöht mit geschweiftem Giebel und segmentbogigem Abschluß, darin Wappen des Grafen von Gotter.

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