OBERNDORF / Ev. Pfarrkirche St. Nikolai
Ev. Pfarrkirche St. Nikolai. Chorturmkirche; mindestens drei Bauabschnitte nachweisbar, deren frühester in das 11. Jh. reicht. Gelegen auf einem Hügelvorsprung über dem Dorf Oberndorf, unterhalb der ehem. Stammburg der Grafen von Schwarzburg – Käfernburg; die frühe Baugeschichte bleibt problematisch und erst seit dem frühen 12. Jh. rekonstruierbar. – Im Kern der Anlage steckt ein in Zusammenhang mit der Käfernburg stehender Sakralbau, wohl als Burgkapelle genutzt, der aus Langhaus, Turm und halbrund schließender Apsis bestand. Er erhielt im letzten V. 12. Jh., nach Abbruch der Apsis, ein rechteckiges Chorhaus. Danach wurde der bestehende Bau zu einer dreischiffigen Pfeilerbasilika, wohl mit kurzen Querhausarmen, erweitert. Wegen zunehmender Bauschäden erfolgten 1595 der Abbruch der Seitenschiffe, der Querhausarme und die Vermauerung der Arkaden des Langhauses, des südl. und nördl. Chorbogens. Um 1900 und 1978 Restaurierung des Innenraumes. – Zur ältesten Anlage gehört der zwischen Chor und Langhaus liegende quadratische Bauteil, darauf der spätromanische Turm mit Pyramidendach; dieser besitzt unterhalb der Dachtraufe nach allen Seiten ausgebildete Doppelarkaden mit eingestellten Säulchen (nur z. T. erhalten). Der rechteckige Choranbau erhebt sich in sorgfältiger Quadertechnik über hohem Sockel. Auf jeder Seite ist die Wandfläche – ähnlich der Wandgliederung der >>ehem. Peterskirche, Erfurt – durch zwei Halbsäulenvorlagen mit abschließendem Kapitell vertikal gegliedert. Dabei die Ostseite durch Ecklisenen und mittig liegendes Rundbogenfenster betont; nach Süden Achtpaßfenster; unter der Traufe Rundbogenfries. Das Langhaus (ehem. Mittelschiff) in sorgfältiger Quadertechnik errichtet; an seinen Seiten vermauerte, von Pfeilern getragene Rundbögen auf einfachen Kämpfern, darüber Balkenlöcher der Seitenschiffsdächer; nach 1595 und im 18. Jh. Rundbogen- und Rechteckfenster eingebaut. Innen im Turmerdgeschoß an der Ostseite große von Säulchen flankierte Bogenöffnung, an der Nord- und Südseite zwei niedrigere, ebenfalls von kleinen Säulen getragene Bogenlaibungen, die mit einer stuckierten Akanthusornamentik überzogen sind; die stilistisch nach Niedersachsen weisenden Akanthusformen, gehören zum ersten Bau (spätes 11. Jh.). Im Rundbogenfenster der Chorostwand befand sich ein Glasgemälde mit der Darstellung des hl. Nikolaus in einer figürl. Grisaillemalerei (letztes V. 12. Jh.), eines der frühesten deutschen Glasmalereien; an seiner Stelle Kopie (nach 1900), das Original im Thüringischen Museum Eisenach. – Während der Restaurierung des Innenraumes (1978) Seitenemporen und Kanzelwand hinter Altar entfernt; auf der Mensa kleiner Flügelaltar (nach 1400).

