REGENSBURG / Kath. Dompfarrkirche Niedermünster
Kath. Dompfarrkirche
Niedermünster, ehem. adeliges Damenstift (
Niedermünstergasse 3
).
Geschichte des Stifts
Ober- und Niedermünster waren die einzigen adeligen Damenstifte Altbayerns,
Niedermünster nach >> St. Emmeram das reichste der Reichsstifte. Die
zumeist dem Adel angehörenden Frauen waren laut Stiftssatzung nicht zu
Besitzlosigkeit und (mit Ausnahme der gefürsteten Äbtissin) Zölibat
verpflichtet.
Das Stift entwickelte sich aus der Verehrung der Grabstätte des
Hofbischofs Erhard († um 700). Sie lag in einer
wohl bereits in agilolfingische Zeit zurückgehenden Kirche. Überliefert ist,
dass Herzog Heinrich I. von Bayern († 955) einen neuen
Kirchenbau begann und seine Frau Herzogin Judith
(† 986) diesen (nach seiner Beisetzung dort) vollendete. Sie trat 973 dem
Stift bei und wurde Äbtissin. 1002 erlangte das Damenstift durch
Kaiser Heinrich II., den Enkel Judiths, die
Reichsunmittelbarkeit. Ab etwa 1146 Neubau der
Kirche und des Stiftes, dessen südlicher Kreuzgangflügel erhalten ist.
Barockisierung in zwei Phasen durch Äbtissin A. Maria von
Salis (1616–52) und Äbtissin Katharina Helena von
Ahamum 1730. Die Stiftsgebäude errichtete 1720 (unter Äbtissin Franziska
Sibylla von Muggenthal) der Baumeister Franz Beer von Bleichten. 1803 Aufhebung der
Reichsfreiheit, 1810 Übergang an Bayern; 1819 starb die letzte Stiftsdame.
1821 wurde die Kirche Dompfarrkirche. Die Stiftsgebäude wurden Bischöfliche
Residenz und Ordinariat.
Gesamtanlage. – In der Nordostecke des römischen Castrums und im Bereich des
vermuteten spätantiken Binnenkastells, das in frühmittelalterlicher Zeit
wohl als älteste baierische Herzogspfalz diente, auf der südlichen
Niederterrasse des Donautals ca. 100 m östlich des karolingischen
Petersdomes gelegen.
Ergebnis der archäologischen Untersuchungen
Ausgedehnte Ausgrabungen von 1963–68 haben 4 m unter Fußbodenniveau der
heutigen Basilika (zur Besichtigung zugänglich, nach Abschluss der
gegenwärtig durchgeführten, umfassende Restaurierungsarbeiten) Zeugnisse
dieses Ortes über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrtausend freigelegt.
Spuren von sechs baulichen Anlagen übereinander, deren früheste das Lager der III. Italischen Legion (179 n. Chr.) ist.
Die Grabungen erbrachten vier hölzerne Mannschaftsbaracken des späten 2. Jh.
mit Portikusanlagen beiderseits zweier Lagergassen, die um 240/50 nach
Brandschäden durch Fachwerkbauten auf Steinsockeln ersetzt und nach
neuerlichen Bränden um 275 erneuert wurden. Um 400 wurde der
Barackengrundriss zugunsten kleiner heizbarer Räume ebenso aufgegeben wie
die Portiken und dadurch die westliche Lagergasse verschmälert. Um 430/50
verfielen die Bauten bzw. wurden von den Germanen umgenutzt; an ihre Stelle
traten einfache Holzbauten mit Feuerstellen. Die östliche Lagergasse blieb
wohl bis ins 8. Jh. in Gebrauch. Über spätrömischen Mauerresten und einem
Kirchenbau des 7. Jh. entstand um 700 eine massive Saalkirche mit östlichem
Rechteckchor und westlicher Vorhalle in einem ausgedehnten Friedhof. An der
inneren Nordwand wurde das Grab Bischof Erhards († um 700) in einem Tuffgrab
unter römischem Deckel angelegt; es stellt eine Verbindung der Kirche zur
Herzogspfalz her und lässt sie als Pfalzkapelle erkennen.
Die zweite Kirche an dieser Stelle war etwas breiter und deutlich länger; sie
zeichnete sich durch einen breiten Rechteckchor aus und war in der Mitte des
Saals durch eine Chorschranke unterteilt. Dies deutet auf eine neue Nutzung
durch die Einrichtung des Damenstifts um 800; der Stifter dürfte
Herzog Tassilo III. oder Kaiser Karl der
Große gewesen sein. Auf Veranlassung Herzog Heinrichs I., des
Bruders Kaiser Ottos des Großen, wurde eine wesentlich größere Basilika
erbaut, die fast die Ausmaße der heutigen erreichte (die Nordmauer mit dem
Erhardgrab blieb allerdings unverändert) und beim Tode des Herzogs 955
zumindest in den Ostteilen benutzbar war, der vor den Hochaltarstufen im
Hochchor beigesetzt wurde. Seine Gemahlin Judith fand neben ihm ihr Grab,
weitere Grablegen von Mitgliedern der Herzogsfamilie wie der
Herzogin Gisela von Burgund, der Frau
Herzog Heinrichs II. und Mutter Kaiser
Heinrichs II. sowie der ungarischen Königin Gisela, zeigen, dass das
Niedermünster als Familiengrablege der bayerischen Ottonen die vornehmste
Kirche Regensburgs wurde. Ihrem Rang entsprechen die Leistungen der
bildenden Kunst, wie das Uta-Evangelistar und das Giselakreuz. Das
Erhardsgrab 1052 aus Anlass der Heiligsprechung durch Papst Leo IX.
erhoben.
Ehem. Stiftskirche
Bauliche Entwicklung. Urkundliche Daten für den bestehenden vierten
Kirchenbau, der wohl schon vor dem Stadtbrand von 1152 begonnen war, fehlen.
Eine Nachricht des Stifts St. Mang in Stadtamhof, der zufolge 1 146 Bauleute
der Diözese Como „an eine reiche Äbtissin in der Nähe“ gesandt worden seien,
wird, gestützt auf stilistische Beobachtungen, mit dem Neubau des 12. Jh. in
Verbindung gebracht. Ein Brand im Jahre 1152, dessen Spuren am Südturm und
an der südlichen Langhauswand noch zu sehen sind, dürfte die Fertigstellung
verzögert haben; das Südportal und die Doppelarkade im
ersten Obergeschoss des Südturms stammen aus der Zeit um 1160/70; für diese
Phase sind normannische Einflüsse nachweisbar. Im neuen Kirchenbau Erhebung
der Gebeine der Herzogin Judith und Beisetzung vor dem Hochaltar. Die
Baugeschichte jedoch im Einzelnen ungeklärt. 1305 Stiftung einer
Heiliggrabkapelle, der heutigen Kriegergedächtniskapelle. – Unter Äbtissin
A. Maria von Salis Umgestaltung und Erweiterung der Vorhalle mit neuer
Westfassade und Portal (1621). Barocke Einwölbung der
Basilika und Erneuerung der Innenausstattung (1625). Unter Katharina von Aham (
um
1730) Stuckierung des Innenraums und Erhöhung der Apsis. –
Restaurierungen 1930, 1968 und 1981/82.
Äußeres. – Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit Doppeltürmen im Westen,
eingezogener Ostapsis und hohem – über Chor und Langhaus durchlaufendem –
Satteldach überragt den seitlich angrenzenden Stiftsbereich. Frei stehen der
eindrucksvolle Chorschluss des 12. Jh. aus feingefügtem Großquadermauerwerk
mit gekehltem Sockel (um 1730 erhöht) und die verputzte Stirnwand der 1621
erweiterten, im Kern romanischen Vorhalle. – Klare Maßverhältnisse der
kubischen Bauformen, exakte Quadertechnik und Verzicht auf Bauzier
kennzeichnen die mittelalterliche Erscheinung, die augenscheinlich auch bei
barocken Veränderungen im Äußeren gewahrt werden sollte. – Steinsichtiges
Quaderwerk an der Südseite. Romanische Obergadenfenster vermauert zwischen
axial angeordneten barocken Rundbogenfenstern. Ebenso geschlossen das
romanische Seitenportal, einfach gestuft mit eingestellten Halbsäulen.
Versetzt dazu schlichtes Barockportal von 1621, auf der Innenseite gerahmt
mit Wappen der Äbtissin von Salis. – Die
Türme auf
quadratischem Grundriss, bündig mit dem westlichen Langhaus, schließen in
gleicher Höhe mit Pyramidendach über dem Glockengeschoss. Der Nordturm,
durchgehend in Großquadertechnik, vermutlich ausgeführt von comaskischen
Steinmetzen. Der Südturm wechselt im oberen Bereich zu Kleinquaderwerk nach
Art der Vorhalle (wohl Hinweis auf spätere Fertigstellung, nach dem Brand
von 1152). Ungewöhnliche Rundbogenöffnung in Höhe des Seitenschiffdaches;
nach Süden Biforienfenster mit Topfkapitell.
Vorhalle. Zweigeschossiger Erweiterungsbau über
romanischen Seitenmauern. Das barocke Walmdach bleibt unterhalb des
Westgiebels. Glatte Putzfassade mit rahmenlos einschneidenden
Rundbogenfenstern. Einziger Schmuck ist das Säulenportal in Sandstein mit
Wappen der Stifterin, dat. 1621. – Im Innern liegen dreiseitig
Kleinquadermauern frei mit vermauerten romanischen Pfeilerarkaden. Barocke
Kreuzgratgewölbe mit Rahmenstuck des 18. Jh. – In der Vorhalle romanisches
Hauptportal, um 1150 zu datieren. In Stufen
eingestellte Halbsäulen mit antikisierenden Blattkapitellen, verziert mit
Köpfen, lombardisch beeinflusst. Erstmals tritt hier in Regensburg
figürlicher Kapitellschmuck auf, bald gefolgt von dem der Schottenkirche
>> St. Jakob. Äußerst selten und in ihrer strengen Stilisierung
bemerkenswert die originalen Beschlagbänder der Türblätter, die durch große
Hufeisenbögen bereichert sind, sowie die Türklopfer in Form von Löwenköpfen,
1. H. 13. Jh. – Über der Vorhalle die
bischöfliche
Hauskapelle (nicht zugänglich) mit Stuckausstattung, 1720–22 von
Peter Franz Appiani.
Der Innenraum ist eine langgestreckte romanische Pfeilerbasilika mit barocken
Stichkappentonnengewölben, die den urspr. flachgedeckten Schiffen eingepasst
sind. Unterwölbte Westempore zwischen den Türmen. Das Langhaus mit hohem, in
Pfeilerarkaden geöffnetem Mittelschiff und halb so breiten, niederen
Seitenschiffen setzt sich in der dreischiffigen Choranlage fort. Leicht
eingezogene, halbkreisförmige Apsis, barock erhöht. Gerade schließende
Nebenchöre. Im Presbyterium besteht (wie in >> St. Georg, Prüfening)
eine räumliche Verbindung zu den Nebenchören über ein hirsauisch
beeinflusstes Biforienfenster. Im Chor hingegen sind die ehem.
Pfeilerarkaden durch barocke Trennwände geschlossen. – Zusätzlich ist in
beiden Seitenschiffen das östliche Langhausjoch (nach Westen und zur Mitte
hin) abgetrennt und überwölbt für Oratorien, die erkerartig in das
Mittelschiff vorspringen.
Inschriften-Tafeln der Stifterinnen
A. M. von Salis (1625) und
Maria Theresia von Muggenthal
(1683).
Aus einer spätbarocken Umgestaltung stammt die einheitliche Raumschale mit
einer zwischen Pfeiler und Gewölbe vermittelnden Pilasterfolge im Jochsystem
und ornamentaler Stuckierung an Wänden und Gewölbe. Seit der Restaurierung
von 1968 ist außerdem die vom
Rahmenstuck der
1730er Jahre überschnittene
Grisaillemalerei
von 1625 sichtbar. Mittelalterliche
Wandmalereien (in mehreren Phasen freigelegt, zuletzt
1982 konserviert): fünf Apostelhalbfiguren (2. H. 12. Jh.)
am Apsisbogen rechts, zwei weitere Apostel und ein
spätgotischer Engel mit Brokatvorhang (15. Jh.) am Apsisbogen
links (restauriert 1912);
Majestas Domini,
A. 13. Jh. (1955 aufgedeckt) an der Westwand über der
Orgel. – Im nördl. Nebenchor an der Südwand:
Anbetung der Könige
und hl. Christophorus, A. 16. Jh.
Hochaltar, 1763, nach Entwurf von Jakob Mösl aus Salzburg, mit Figuren der
Bischöfe Wolfgang und Erhard, wohl von Lorenz
Wieser. Mächtige, in das Apsisrund eingepasste, viersäulige
Anlage aus zweifarbigem Marmor mit Wappen der Äbtissin Katharina
Dückher von Haßlau (1757–69).
Altarblatt mit
Himmelfahrt Mariens, 1879 von Albert
Alexander Stahl, Stadtamhof. – Die
Seitenaltäre wurden seit dem 19. Jh. mehrfach verändert
und umarrangiert: Säulenretabel aus der Mitte des 17. Jh. an
der Ostwand der Seitenschiffe.
Altarblätter: links
Dreikönigsbild, 1627 von Andreas
Summerstein aus Regensburg, rechts
Beweinung
Christi, um 1630, nach Vorbild von Pieter van Mol, angeblich von einem Maler namens Sattler. Das Auszugsbild könnte zum
Dreikönigsalter gehört haben. – Im nördl. Seitenschiff Altar mit dem
Gnadenbild der Schwarzen Madonna, neuere Aufstellung in Rokokogehäuse:
Sitzbild der Muttergottes im Typ der Nikopoia, der Siegbringenden, eine
Holzfigur des frühen 13. Jh. Sie wurde um
1670 von Weihbischof Albert Ernst Graf von Wartenberg
aufgestellt und von ihm als eine im 10. Jh. aus Jerusalem mitgebrachte
Stiftung der Herzogin Judith interpretiert. Seitlich
barocke
Schnitzfiguren der hll. Wolfgang und Dionysius. – Ebenfalls im
nördl. Seitenschiff gotische Ziboriumsanlage über dem Grab des hl. Erhard.
Dreiteilige, lettnerartige Anlage mit drei gewölbten Baldachinen
(möglicherweise der im Barock translozierte Lettner), denen Wimperge
vorgeblendet sind und die von einer bekrönenden Maßwerkgalerie
zusammengefasst werden. Die Grabdenkmäler selbst sind etwas älter als die um
1325/30 zu datierende Ziboriumsanlage: hinter zwei
steinernen Spitzbogenschranken liegen auf dem Boden die zwei
Steinfiguren des hl. Erhard (rechts, um
1300) und des sel. Albert of Cashel, der nach einer Legende in
Regensburg verstorben sein soll (links daneben, um 1310/15);
die stilistisch angeglichene Holzfigur eines dritten Bischofs unter dem
westlichen Baldachin ist wie die zugehörigen Holzschranken eine aus
Symmetriegründen erfolgte Ergänzung des 17. Jh., was für eine Übertragung des Lettners spricht. Der
ungewöhnliche Typus der auf dem Boden liegenden, überdeckten Grabfigur wurde
später beim Grabdenkmal des hl. Emmeram im Südchor der
>> Emmeramskirche übernommen. Urspr. befand sich westlich neben den
zwei mittelalterlichen Grabfiguren vermutlich der Altar des hl. Erhard mit
Altarblatt von 1696: Bischof Erhard tauft die Alemannenprinzessin Ottilie.
Farbfassung der Ziboriumsanlage und Bemalung mit zahlreichen Heiligenfiguren
aus dem frühen 16. Jh., 1971 freigelegt und stark retuschiert. Über der
Erhardstumba der
Reliquienschrein
(19. Jh.) sowie Schaugehäuse mit Erhardsreliquien:
Kopfreliquiar von 1653,
Stab
um 1200 und
Stola vermutlich
spätmittelalterlich. – Durch ein kleines Fensterchen
(Fenestella) in der Rückwand der Baldachinanlage, das sich zum ehem.
Kreuzgang öffnet, konnten die Stiftsdamen direkt auf das Erhardsgrab
blicken.
Kanzel aus Stuckmarmor, um 1720–30, vielleicht
von Peter Franz Appiani. Auf dem Deckel
Figur des hl. Erhard und Engel mit Symbolen der christlichen Tugenden. – Im
südl. Nebenchor
Taufstein, um 1300, gebuckelter
Bronzekessel mit umlaufender Inschrift und Reliefs von Köpfen und kleinen
Büsten. Sockel aus Stein. – Reich geschnitztes
Chorgestühl
und Stuhlwangen um 1720/30. –
Orgelprospekt
geschnitzt, von musizierenden Engeln bekrönt, 1757, eines der
letzten Werke von Johann Konrad
Brandenstein aus Stadtamhof, mit
Wappen der
Katharina H. von Aham.
Orgelwerk
1980 von Guido Nenninger,
München.
Bronzegruppe: Kruzifix mit Maria Magdalena, gestiftet von
Äbtissin M. von Salis anstelle eines Epitaphs,
nach 1625 entstanden, zu Recht dem bedeutenden Bildhauer
Georg Petel zugeschrieben, ein
Hauptwerk frühbarocker Plastik in Deutschland. Die lebensgroßen Figuren,
einst frei im Raum auf dem Kreuzaltar unter dem Chorbogen aufgestellt,
könnten bei der Versetzung an die Chorwand im 19. Jh. in ihrer Zuordnung
verändert worden sein. Magdalena scheint eher für Frontalansicht entworfen,
seitlich neben dem Kreuzesstamm kniend. –
Steinbildwerke. An
der Südwand des Hauptchores gekrönte Muttergottes mit seitlich gehaltenem,
in den herabfallenden Schleier gehüllten Kind. Entstanden wohl um
1310; stilistische Zusammenhänge weisen auf den Oberrhein;
unmittelbares Vorbild wohl die etwas ältere sog. Dienstbotenmadonna im
Wiener Stephansdom. – Marientod, monumentales
Hochrelief aus
dem 3. Viertel des 15. Jh. Als Brüstung in das südliche
Oratorium eingebaut, stilistisch in der Nachfolge der Reliefs am Ursulaaltar
im >> Dom. – Verspottung Christi,
Relief an der südl.
Chorwand, um 1600. – Gemälde. Im nördl. Seitenchor vielteiliger
Bildzyklus der Erhardslegende, um 1620. – Im
südl. Nebenchor ein großformatiges
Gemälde der Himmelfahrt
Mariens, um 1760 entstanden (erworben 1965 von der
Kirchenstiftung St. Jakob in Straubing). – An der Westwand des südl.
Seitenschiffs ein monumentales
Gemälde mit der Darstellung
des Tempelgangs Mariens von Georg Christoph
Eimmardt, signiert und datiert 1643. – In der
Vorhalle das der Größe nach zugehörige
Bild der Anbetung der
Könige von Johann Paul Schwendter, sign.
und dat. 1630. – Außerdem in der Vorhalle
zwei
Gemälde des 17. Jh.: Maria mit Kind und hl. Anna
mit der kleinen Maria in einem Blumenkranz.
Grabdenkmäler. – Im Inneren der Kirche sowie in der Vorhalle zahlreiche
Grabplatten und Epitaphien (meist Rotmarmor) der Äbtissinnen und
Stiftsdamen, daneben auch von Beamten der Verwaltung sowie von Bürgern der
Freien Reichsstadt, 15.–19. Jh. – In der Vorhalle im 19. Jh. erhoben und
längs den Wänden aufgestellt.
Epitaph für den Klosterkastner
Philipp Reunheller († 1603), mit
Brustbildnis in Relief. –
Grabplatte für die Chor- und
Kapitelfrau Magdalena von Kürmreut
(† 1612), Johann Wilhelm aus
Regensburg zugeschrieben. –
Grabplatte der Stiftsdame
Martha von Dachsberg († 1545), wohl
von Leonhard Sinninger. –
Grabplatte der Äbtissin Anna Maria von
Salis († 1652). –
Grabplatte der
Äbtissin Agnes Nothaft († 1520). –
Kircheninneres: im nördl. Nebenchor
Grabplatte der Äbtissin
Ottilia von Absberg († 1472); unter
der Westempore neben dem Portal
Tumba der Stifterin
Judith († 955), Gemahlin Herzog
Heinrichs I. von Bayern, errichtet 1631 von der Äbtissin Maria von Salis, Johann Wilhelm zugeschrieben. Über monumentalem
Rotmarmorsarkophag die Stifterin mit Kirchenmodell, eine barocke Skulptur im
Typus mittelalterlicher Tumbafiguren.
Kriegergedächtniskapelle. 1305 als Heilig-Grab-Kapelle
gestiftet, südlich der Vorhalle. Kreuzrippengewölbe mit Schlussstein von
1627. – An der Ostwand hölzerne
Kreuzigungsgruppe
um 1300, alte Fassung freigelegt und retuschiert.
Sakristei auf der Südseite des rechten Nebenchors, mit diesem durch ein
kleeblattförmiges romanisches Fenster in giebelförmiger Blende verbunden
(früher wohl für die Weisung von Reliquien verwendet). Urspr. ein
doppelgeschossiger Rechteckraum, barock verändert.
Kreuzgang (Teil der bischöflichen Residenz, nicht zugänglich). Erhalten sind
sechs Joche des Südflügels, kreuzrippengewölbt, vier davon mit romanischer
Fensterarkatur.
Stiftsgebäude (seit 1821 bischöfliche Residenz und
Ordinariat). Nördlich an die Kirche anschließende T-förmige, von Baumeister
Franz Beer umgestaltete Anlage. –
Stuckdecken in den Gängen des Nordflügels (nach
1720), möglicherweise von Peter Franz
Appiani.

