RODING / Kath. Josefikapelle
Kath. Josefikapelle. Östlich neben
der Pfarrkirche im 1826 aufgelassenen Friedhof. Patrozinium und urspr.
Bestimmung als Tauf- oder Karnerkapelle konnte bisher nicht geklärt werden.
– Romanische zweigeschossige Rundkapelle, deren Untergeschoss möglicherweise
in das 8. oder 9. Jh. zurückgeht und das
damit neben der Michaelskapelle in Fulda zu den ältesten erhaltenen
Beispielen seiner Art in Deutschland gehören dürfte. Der Nachweis hierfür
ist jedoch noch nicht endgültig erbracht. Obergeschoss
2. H. 13. Jh. Geringfügige Veränderungen im 17. und 18. Jh., wobei der Boden tiefergelegt
wurde; Instandsetzung 1950 mit Wiederherstellung der Altarmensa und Erhöhung
des Bodens auf das urspr. Niveau; 1956–60 Bauuntersuchung durch
Karl Schwarzfischer, 1984–86 Innen- und
Außenrestaurierung.
Verputzter Bruchsteinbau mit Kegeldach und polygonalem, zwiebelbekröntem
Dachreiter von 1769. – Das zeitweise als Beinhaus genutzte Untergeschoss
bekam im Dreißigjährigen Krieg ein flachkuppeliges Stichkappengewölbe aus
Backstein; dessen Tieferlegung um 1,3 m gegenüber der urspr. Holzdecke
bedingte auch eine Senkung des Fußbodenniveaus. Im 17. Jh. veränderter
Zugang auf der Nordseite, gegenüber gemauerte Altarmensa. Die beiden urspr.
Fenster mit leicht geschrägten Laibungen und stark geneigten Stürzen noch
erkennbar. – Das Obergeschoss mit bruchsteingemauerter, urspr. Kuppel
(„falsche Kuppel“), romanischem Rundfenster im Westen und zwei im 18. Jh.
durchgebrochenen Rundbogenfenstern; südlich Verbindungsöffnung zu der im
17. Jh. angebauten Annakapelle. Altarapsis
mit kleinem Rundbogenfenster; aus Quadern gefügter Apsisbogen auf Gesims aus
Platte und Schräge.
Umfangreiche
Wandmalereien
um 1300, 1949/50 aufgedeckt.
Die breitgefächerte Ikonographie der fragmentarischen, z. T. nicht mehr
eindeutig identifizierbaren Zyklen gab zu unterschiedlichen Interpretationen
Anlass. Einfach bzw. ornamental gerahmte Bildfelder mit großenteils
inschriftlich benannten Heiligendarstellungen. Oberes Register der Südwand:
Gnadenstuhl, mit Maria und Johannes (?). Links von der Apsis: Schmerzensmann
mit Stifter; nördlich daneben große, vermutlich erst in der Spätgotik
eingefügte Heiligengestalt mit zerstörter Oberpartie, wohl Christophorus;
links folgt ein Heiligenzug mit den Jungfrauen Katharina und Margareta sowie
Gallus, Willibald (?), Johannes Ev. und Pankratius, darunter Fischzug Petri
und zwei kniende Beter; weiter links schließt der Drachenkampf des hl. Georg
und die Enthauptung des hl. Johannes Bapt. an. Rechts von der Apsis die
Martyrien der Apostel Petrus, Johannes, Andreas, Jakobus, Bartholomäus,
Paulus (?), darüber – schwer erkennbar – Anbetung der Hll. Drei Könige und
Flucht nach Ägypten.

