SCHLOSS RICKLINGEN / Ev. Kirche
Ev. Kirche. Stiftung des Ricklinger Amtmannes Johann Georg Voigt (wohl 1692), konzipiert als Gemeinde- und Herrschaftskirche sowie als
Grablege; 1694 geweiht. Die beiden oberen Turmgeschosse E. 18. Jh. und 1815 abgebrochen. Instandsetzung der Ausstattung 1882 durch C. W. Hase: Umwandlung
der Herrschaftsprieche in eine Orgelempore, Erneuerung des Gestühls. Abermals 1982 restauriert und gleichzeitig einen roten Außenputz aufgebracht.
Auf dem Kirchhof leicht erhöht gelegene Saalkirche mit zweigeschossigem Westturm (einst viergeschossig). Aus dem Rechteckgrundriß springt in der Chorfassade nur die Sakristei
risalitartig vor. Eine Belebung des geschlossenen Umrisses erfolgt durch die in Langhaustrauf- höhe einsetzende Überführung des Turmgrundrisses vom Rechteck in ein
unregelmäßiges Oktogon. Die Gliederung der Außenwände beschränkt sich im wesentlichen auf den Einsatz von Rustika-Quaderbändern zur Betonung der Ecken und zur Einfassung der
beiden von Wappen, Inschrifttafeln und geflügelten Puttiköpfen bekrönten Langhausportale. Fenster ganz leicht segmentbogig.
Das
Innere überrascht durch die zu einer monumentalen Formgebung tendierenden Architektur und durch die reiche Ausschmückung der Wandflächen. Gemeinderaum und
Chor werden voneinander abgesetzt durch einen kräftigen Triumphbogen auf schweren pilasterbesetzten Wandpfeilern. Die Form des Triumphbogens wiederholt sich als große Blende
mit dekorativ gefülltem Bogenfeld vor der Chorostwand. Gemeinderaum und Chor von einem Tonnengewölbe überspannt, dessen Ansatz von einem vorspringenden verkröpften Kranzgesims
verdeckt wird. - Die beiden Turmgeschosse schließen mit flachen ovalen Pendentifkuppeln (urspr. auch die 2 verlorenen).
Prächtige aus der Erbauungszeit stammende hochbarocke
Stuckdekoration italienischer Schule. Die in weiß gehaltenen differenzierten Ranken-, Girlanden-, Muschel-
und Kartuschenformen überziehen die Wölbungszone und umrahmen an den Seitenwänden die Fenster und ovalen Supraporten sowie die Bögen der Westempore. Ausgespart sind im
Chorgewölbe ein ovales
Deckengemälde mit der Darstellung der Himmelfahrt Christi und im Gemeinderaum ein zentrales rechteckiges Deckenbild mit einer
Kreuzigungsszene sowie 4 begleitende Achteckfelder mit Szenen aus der Genesis und der Geburtsgeschichte Christi. —
Kanzelaltar aus der Bauzeit, zweigeschossige
Säulenädikula mit vorspringendem Kanzelkorb, reiche Dekoration mit Figuren und Rankenwerk. Über dem Altar lebhaft gegliederter neunachsiger
Orgelprospekt von
1715.- Klerikergestühl mit geschnitzten und gemalten Ranken wohl A. 18. Jh. - Im Turmraum (Mausoleum) barocke Prunksarkophage der Familie Voigt.
