SCHMEDENSTEDT / Ev. St. Georgskirche

Ev. St. Georgskirche. Kleiner Fachwerksaal mit quergelagertem Westturm. Im 3. V. 16. Jh. errichtet und um 1612 neu ausgestaltet, gehört die Anlage mit dem Reichtum ihrer Ausstattung und der Individualität der Außenbaugliederung zu den reizvollsten Dorfkirchen im südl. Niedersachsen.
Das Langhaus kann neben der Kirche in Marke als ältester sakraler Fachwerkbau im weiten Umkreis gelten (Holzkonstruktion z.T. erneuert). Spätgotische Architekturmotive leben in dem dreiseitigen Chorschluß, den Vorhangbögen einzelner Fenster und dem nördl. Kielbogenportal. Aus dem profanen Fachwerkbau stammen die Dekorationsformen des Fächerfrieses unter der Traufe (weitgehend erneuert).- Auch der Westturm größtenteils Fach werk, jedoch völlig ver- schiefert. Der breitrechteckige Unterbau wird oberhalb der Langhaustraufe durch geschweifte Giebelansätze auf einen quadratischen Grundriß zurückgeführt. Die wohl 1612 im Zuge der Ausgestaltung aufgesetzte Welsche Haube mit großer Laterne sowie die bekrönende geschweifte Haube mit Spitzhelm sorgen für einen lebhaften Umriß des Turmkörpers.
Das Innere ist geprägt durch die Ausmalung von 1612 (Inschrift an der Südseite). An den Wänden 2 Folgen großer Bildfelder (nur z.T. erhalten), die untere zeigt Stationen der Passion Christi, die obere enthält einen Zyklus mit Christus und den Aposteln; durch ein lockeres Gerüst aus gemalten Säulchen, Gebälken und Pilastern dekorativ gegliedert. Auch die Balkendecke, die auf einem längsgeführten Mittelbalken und seitlichen Kopfbändern ruht, ist dekoriert; die Unterseiten der Balken mit geschnitzten Beschlagwerkmotiven, die Seiten mit plastischer Triglyphen- und Konsoldekoration. Die durch wechselnd gestaltete Roll- und Beschlagwerkrahmen betonten Medaillonformen auf den aufruhenden Brettern umschließen die Darstellungen von Engelhalbfiguren oder Putti.
Ausstattung. Spätgotischer geschnitzter Flügelaltar lt. Inschrift von 1472, 1983/84 restauriert; im Mittelschrein Marienkrönung, begleitet von 4 Heiligen; in den Flügeln die 12 Apostel in zweizoniger Anordnung und von Maßwerkbaldachinen bekrönt; darunter ein Maßwerkfries mit eingelassenen Prophetenhalbfiguren (vgl. Blumenhagen). Hohe Predella mit Bildszenen der Gregorsmesse und Anbetung der Könige unter Blendarkaden.- Altarkreuz wohl 2. H. 15.JI1., an den Kreuzenden Evangelistenmedaillons A. 17.JI1.— Mächtige polygonale Sandsteintaufe 1.H. 16. jh.; der Deckel mit feingliedri- gem Roll- und Beschlagwerkschmuck wohl erst um 1612.— Etwa gleichzeitig der Schalldeckel der Kanzel, der dekorativ gegliederte Kanzelkorb um M. 17. Jh. - Lesepult um 1612.- Orgelprospekt mit lockerem Rankenschnitzwerk A. 18.Jh., gegliedert durch Rund- und Spitztürme.— Westempore mit zierlichen Balustraden wohl ebenfalls A. 18. Jh., jedoch A. 19. Jh. in Teilen verändert; die Brüstungsfelder mit biblischen Szenen bemalt. - An der nördl. Chorwand Antependium 2. H. 14. Jh., bemalt mit einer Marienkrönung und 2 Heiligen, reizvoller Rahmen mit kleinen Halbfigurenbildern. — Kleiner spätgotischer Schmerzensmann. - Reich mit Knorpel werk ge schmücktes Epitaph für Meister Engelke Schnelle (+1658), mit einem von Ziersäulen gerahmten Gemälde der Himmelfahrt Christi.

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