WALDERBACH / Pfarrkirche St. Nikolaus und St. Maria
Pfarrkirche St. Nikolaus und
St. Maria, ehem.
Zisterzienserabteikirche. Grundriss, Typus. –
Romanische dreischiffige Hallenkirche zu acht
kreuzgewölbten Jochen. Für die Hallenform lassen sich heimische Vorbilder
finden: die ehem. Klosterkirche von >> Regensburg-Karthaus-Prüll,
St. Leonhard in >> Regensburg, St. Nikolaus in >> Nabburg. Der
durch Grabung und alte Ansicht belegte urspr. Dreiapsidenschluss im Rokoko
durch einen dreiseitig abschließenden Chor ersetzt. Erst 1779 – gemäß der
Ordensvorschrift besaß die Kirche bis dahin nur einen Dachreiter – kam der
in späten Rokokoformen reich gegliederte Westturm hinzu, mit Nischenfigur
der Immaculata und gedrückter Laternenzwiebelhaube. Ihm wich eine die
gesamte Langhausbreite einnehmende Vorhalle, ebenfalls ein zisterziensisches
Baumerkmal. An der Kirchennordseite langgezogener, kreuzrippengewölbter
Kapellenanbau des 14. Jh. mit an der Ostseite
zweibahnigem, sonst einbahnigen Maßwerkfenstern (bei der Renovierung 1966 kamen unter dem Fußboden
Altarsockel und Grabstein von 1315 zum
Vorschein).
Außenbau. – Der außen verputzte Baukörper mit im 18. Jh. vergrößerten Rundbogenfenstern,
lediglich an der südl. Innenwand zwei zugesetzte romanische Fenster (das
westl. mit Maßwerk des 14. Jh.). Ein Unterschied in der Technik des
verblendeten Quadermauerwerks im unteren nordöstl. Außenbereich gibt einen
Bauabschnitt zu erkennen. – In die Stirnwand des Chores eingemauert vier
romanische Kragsteine in Form eines Löwenkopfes und dreier Männerköpfe.
Darunter drei große Nischen mit
Steinfiguren von
Ordensheiligen, 18. Jh. – Im Westen das in der letzten Bauphase
um 1200 entstandene, zweifach gestufte Gewändeportal mit
eingestellten Säulen, die beiden äußeren 1889 freigelegt, Schaftringe
ergänzt. Die Kapitelle der inneren Säulen aus Kränzen aufrechtstehender
Spitzblätter gebildet, am rechten bartlose Männerköpfe in den Blattzwickeln.
Ungewöhnlich die vielfältige Profilierung der Säulenschäfte; die
ornamentierten Kanneluren setzen sich in den Bogenläufen fort.
Inneres. – Im Chor Tonnengewölbe mit Stichkappen über Pilastergliederung;
dünne Rokokostuckaturen mit Engelsköpfen und Blumenvasen, über dem leicht
einspringenden Chorbogen
Wappen des Abtes Gerardus
Paumann (1752–68). – Das romanische Raumbild im Langhaus
hervorragend gewahrt. Der Bau wurde im traditionellen alpenländischen Typus
mit drei gleichfluchtenden Apsiden begonnen, dann wohl von Ordensbauleuten
mit spezifisch zisterziensischen Bauideen weitergeführt. Während die östl.
Joche wohl annähernd mit den Apsidenbreiten korrespondierten, weitet sich
das Mittelschiff in den darauffolgenden Jochen erheblich um etwa 1,5 m. Die
geänderte Disposition der Schiffsbreiten mag mit der Einführung des
Hallenschemas zusammenhängen. Im Emporenjoch kommt es wieder zu einer
Verengung des Mittelschiffs, bedingt durch die Emporenunterwölbung und die
bei Zisterziensern üblichen westlichen Seitenschiffseingänge. – Den
Raumeindruck beherrscht die für den westlich orientierten Zisterzienserorden
typische, fortschrittliche Gewölbebildung. Nach Georg Dehio (1924) ist
Walderbach „unter den nicht zahlreichen romanischen Gewölbebauten des
bayerischen Stammlandes einer der interessantesten“. Durchwegs gebuste
Kreuzgewölbe. Die östl. Joche beim Chorneubau bis auf die Außenmauern
umgestaltet. Die querrechteckigen, etwas höher liegenden Mittelschiffsjoche
mit rechteckigen, abgefasten Diagonalrippen, nur über der Empore mit
zeitlich fortgeschrittener Stabprofilierung. In ihrer massiven Form
unterscheiden sie sich von den ersten französischen Gewölberippen (1130–40).
Runde Gurtbogen im Mittelschiff und in den beiden östl. Seitenschiffsjochen,
die übrigen spitzbogig; analog dazu die Scheidbogen, die im 3. Joch zur
stumpfen Spitzbogenform übergehen. Die quer durch alle Schiffe gehende,
unterwölbte
Westempore findet einige Vorbilder im
Regensburger Umkreis; im 18. Jh. wurde
sie mittels einer über Hohlkehle vorgekragten Schweifbrüstung erweitert. Die
Pfeiler durch rechteckige, die Scheid- und Gurtbogen aufnehmende Vorlagen
kreuzförmig ausgebildet, in den zum Mittelschiff gewandten Ecken Dienste;
Sockel in unterschiedlich akzentuierter Gliederung der attischen Basis, die
Kämpfer analog, jedoch in umgekehrter Anordnung profiliert. Die Dienste
tragen vielfältig skulptierte Kapitelle in Würfel- bzw. gedrückter
Kelchform: Neben vegetabilen und bandförmigen Mustern treten an den westl.
Pfeilern zwei figurale Motive auf – durch Schlangen verbundene Menschenköpfe
und an einer Pflanze fressende Vögel –, am südl. nähert sich das andere
Kapitell der fortgeschrittenen Form eines Knospenkapitells. – Von besonderer
Bedeutung die originalen,
1888 freigelegten Gewölbemalereien.
Die in Mörtelguss hergestellten Gewölbekappen blauschwarz gefasst, heute
nachgedunkelt, im Kontrast dazu die ornamentale Bemalung der Rippen, Scheid-
und Gurtbogen: auf hellem Grund phantasiereiche geometrische Muster –
vorwiegend Flechtmotive und Rosetten – in einem
Rot-Schwarz-Weiß-Rosa-Akkord, an der Emporenunterwölbung vegetabil
bereichert.
Ausstattung. –
Altäre der 2. Hälfte des 18. Jh.
– Hochaltar, weit ausgreifender, viersäuliger Baldachinaufbau mit
spätbarocker, frühklassizistisch durchsetzter Ornamentik. Altarblatt mit den
Kirchenpatronen, gold gefasste Seitenfiguren, jeweils vor dem Gekreuzigten
kniend: links hl. Bernhard, rechts hl. Luitgard. An den Säulensockeln
elfenbeinfarben gefasste Schnitzreliefs mit Szenen aus dem Leben des hl.
Nikolaus. – Sechs
Seitenaltäre, flache Säulenaufbauten mit
zwischen Ranken-, Bandel- und Muschelwerk wechselnder Ornamentik. Die östl.
mit reich gefassten
Reliquientabernakeln der hll. Probus und
Fausta sowie Altarblättern von Valentin
Reischl aus Waldmünchen: hl. Sebastian (links) und hl.
Johannes von Nepomuk (rechts). Die mittleren Altäre dem hl. Bernhard bzw.
den vierzehn Nothelfern geweiht. Der nordwestl. Seitenaltar mit Gemälde Tod
des hl. Joseph und Seitenfiguren der hll. Joachim und Anna, gegenüber mit
Altarblatt Martyrium der hl. Barbara und Seitenfiguren der hll. Johannes
Bapt. und Elisabeth. –
Kanzel mit Rocailledekor, bekrönend
ein die Gesetzestafeln präsentierender Engel. –
Orgelprospekt
um 1760, von Carl Wild,
Kirchenrohrbach, mit Akanthusschnitzereien und Wappen des Abtes
Gerardus Paumann († 1768). – Sechs
Beichtstühle und Stuhlwangen mit Rokokoschnitzwerk. – An
den Pfeilerstirnen rocaillegerahmte Brustbilder der zwölf Apostel, 1987
restauriert. –
Kreuzwegbilder mit lateinisch-deutschen
Sprüchen, die 15. Station mit hl. Helena, dat. 1735. – An der
Nordwand
Schulterwunden-Christus im Kerker, 2. H.
18. Jh. – Grabdenkmäler.
Grabplatte des Stifters
von Kloster Walderbach, Burggraf Otto I.
(† 1143), im Plattenboden vor dem Chorbogen. – An den
Emporenpfeilern die
Rotmarmorgrabplatten mit den figürlichen
Reliefs
der Äbte (nördl.) Georg († 1536) und
(südl.) Georg Thannhauser († 1521). –
Bemerkenswertes
Epitaph für die Jungfrau Agnes
Hofer von Lobenstein († 1599), Ätzplatte mit
Darstellung der Kreuzigung sowie zahlreichen
Wappen der
Ahnenprobe, dat. 1606, Regensburger Arbeit.
