WEIMAR-EHRINGSDORF / Ev. Filialkirche Beatae Mariae Virginis

Ev. Filialkirche Beatae Mariae Virginis. Die romanische Chorturmkirche mit rechteckigem, spätgotischem Choranbau im 16. Jh. ausgebrannt und wiederaufgebaut. 1721 Umbauten belegt, im Inneren barockisiert. 1908/09 nach Westen verlängert, die Fenster vergrößert und Innenraum umgestaltet. 1987 zuletzt renoviert. Massiver, verputzter Rechtecksaal, auf der Südseite zugemauertes Spitzbogenportal, der Eingang mit barocker Bekrönung. Der querrechteckige, gleichbreite Turm mit Zeltdach im unteren Teil auf den romanischen Bau zurückgehend; der anschließende, ebenfalls gleichbreite Chor mit spitzbogigen Fenstern im Osten. Im Schiff mittige, geputzte Holztonne, über den eingeschossigen Emporen flachgedeckt, die Emporenbrüstungen mit Rankenmalerei. An der Ostwand Reste von Fresken mit Mariendarstellung und Bischof, vermutlich aus der Zeit des Wiederaufbaus 16. Jh. Der Kanzelaltar des 18. Jh. 1908 umgestaltet, seitlich in den Brüstungsfeldern Evangelistenporträts in Grisaillemalerei und ganzfigurige Darstellungen derselben. Epitaph für Volkmar Heinze und Frau 1694. Grabstein des Veit Christian von Brück 1590.
Schloß Belvedere. Bedeutendstes Unternehmen Herzog Ernst Augusts von Sachsen-Weimar im Rahmen seiner vielzähligen, in der 1. H. 18. Jh. geplanten und begonnenen Lustschlösser und Jagdhäuser. Drei Kilometer südl. der Stadt auf einer ehem. bewaldeten Anhöhe gelegen und durch Belvederer Allee, eine Verlängerung der Schloßmittelachse, mit der Stadt verbunden.
1724 bis etwa 1740 unter mehrfachen Planänderungen und Umgestaltungen entstanden. 1724–26 ein Fasaneriegebäude (1) nach Plänen von Johann Adolf Richter gebaut und die herzogliche Fasanerie von München (bei Bad Berka) hierher verlegt. 1727/28 im Anschluß an eine herzogliche Reise nach Wien, unter dem Eindruck des dortigen Schlosses Belvedere von Lucas von Hildebrandt große Ausbauplanung zu symmetrischer Pavillonanlage durch Richter: 1727 wurde das Haupthaus durch den Bau von zwei seitlichen Kavalierhäuschen (2), sog. Uhrenhäuser, zum Corps de Logis. 1728 zwei weitere Kavaliershäuschen (2), sog. Prinzen- und Marschallhaus, und zwei Wachhäuser zur Stadt hin gebaut. 1729/30 Ausbau der Fasanerie zu großangelegter Menagerie südl. des Corps de Logis mit Tierhäusern etc. 1731/32 Erweiterung des Corps de Logis um durch Seitentrakte angebundene Pavillons nach Plänen von Gottfried Heinrich Krohne. Von 1729–40 Innenräume stuckiert, ausgemalt und ausgestattet. Ab 1739 Bau der Orangerie (3), das Gärtnerhaus von 1725/26 in den Neubau einbezogen. Um 1740 dürfte die Schloßanlage vollendet gewesen sein, wobei der von Ernst August großzügig gedachte Gesamtplan, unter anderem wegen fehlender finanzieller Mittel, wohl nie vollständig realisiert worden war. Der 1756 von Johann Adolf Richter gezeichnete Prospekt von Schloß und Park zeigt Belvedere als nahezu ideales Bild einer barocken Schloßanlage.
1758–75 durch Herzogin Anna-Amalia verschiedene Maßnahmen, den barocken Park durch Gartenarchitekturen und Einbindung der umgebenden Landschaft im Stil ihrer Zeit aufzulockern. Intensives botanisches Interesse von Herzog Carl August und Johann Wolfgang von Goethe führen zum Ausbau der bereits reichen heimischen und exotischen Pflanzenbestände und Treibhäuser. 1806–50 unter dem Prinzen und späteren Großherzog Carl Friedrich Umwandlung des barocken Gartens in einen Landschaftspark durch mehrere Generationen von Hofgärtnern der Familie Sckell. 1820 Höhepunkt der Artenvielfalt und des Pflanzenreichtums in den Gartenanlagen. 1918 Übergang des Schlosses in Landeseigentum; 1922–27 Einrichtungdes >>Rokokomuseums. Seit 1990 umfangreiche bauliche Sanierung, Erweiterungsbauten und Restaurierung der Schloßgebäude, Innenräume sowie der Orangerie.
Gesamtanlage. Im Zentrum das Corps de Logis, seitlich davor jeweils zwei sich gegenüberstehende Kavaliershäuser. Der Vorplatz urspr. halbkreisartig von Flügelbauten begrenzt und von einer Balusterbrüstung in zwei Bereiche geteilt, die Ausfahrt zur Stadt von zwei eingeschossigen Wachhäuschen flankiert; die heutige Form als Auffahrplatz mit zentralem Springbrunnen 1. H. 19. Jh., nördl. großflächige Grünanlage mit sowjetischem Ehrenfriedhof seit 1946. Östl. des Schlosses die Orangerie am Ende der von den Kavaliershäusern flankierten Querachse. Die geschwungenen Flügelbauten symmetrisch um annähernd halbrunden Platz angelegt, im rückwärtigen Bereich weitere Gewächshäuser und die Blumengärten. Im westl. Bereich des Schlosses die Gartenanlagen der 1. H. 19. Jh. Südl. des Schlosses der weiträumige, in den Belvederer Forst übergehende Park.
Schloßbauten (1 /2 ). Nach mehrfachen, vom Herzog verworfenen Entwürfen Richters erweiterte Krohne das kreuzförmige, zweigeschossige Fasanenhaus zu einem quadratischen Mittelbau, den er durch die beiden seitlichen Durchfahrten mit Obergeschoß und anschließenden, im Grundriß aus einem Oval entwickelten Pavillon-bauten ergänzte. Die Fassadengliederung des durch die Erweiterungen zum Corps de Logis gesteigerten Baus war aufwendiger geplant als ausgeführt. Eher zurückhaltend werden die siebenachsigen Putzfassaden im Norden und Süden von einem dreiachsigen Mittelrisalit mit kolossaler Pilasterordnung und schwungvoll abgeschlossenem Zwerchhaus betont; nördl. eine Freitreppe zum Vorplatz, südl. kleine Terrasse mit Treppe in den Park. Als Bekrönung auf dem Mansardzeltdach eine polygonale Laterne mit Schweifhaube. Die flachbogigen Durchfahrten zurückgesetzt, seitlich jeweils Säulen mit dorischen Kapitellen eingestellt, im Obergeschoß Übergang vom Mittelbau zu den Pavillons. Diese mit leicht geschwungener Fassade und über beide Geschosse gehender Pilasterordnung sowie kleiner Dachkuppel. – Das Vestibül über die nördl. Freitreppe erschlossen, das mittige, gefangene, zweiläufige Treppenhaus zudem auch über einen Gang von der Gartenseite zugänglich. Die vier Eckräume mit Stuck, im nordwestl. Deckengemälde der Diana. Im Obergeschoß südl. des marmoriert gefaßten Treppenhauses der überhöhte, fast quadratische große Saal: ocker- und graufarbene Stucco-lustro-Verkleidung der Wände, die rötlichen Pilaster teils gepaart mit weißen Kapitellen tragen das weiß stuckierte Gebälk, darüber die hohe Spiegeldecke. Die Vouten mit Bandelwerkstuck und kleinen gerahmten Bildern, im Süden die runden Oberlichter in Stichkappen, im Norden entsprechende Blendokuli. Deckenspiegel mit den Göttern des Olymp von Johann Carl Reinthaler, der Stuck von Johann Siegmund Güldner und vermutlich Samuel Rühlinger. Die weiteren Räume teilweise ebenfalls mit Stucco-lustro-Fassung, Bandelwerkstuck und Malerei ausgestattet, bemerkenswert der Raum nördl. der Treppe in Silber- und Grautönen, in den Wandfeldern aufgemaltes Gitterwerk und raumillusionistisch gemalte Öffnung der Decke. Die Pavillonräume mit bewegten konkav-konvex geschwungenen Wandflächen mit entsprechender Gestaltung, der westl. mit Malereien von Johann Andreas Vogel ehem. als Kapelle genutzt.
Die Kavalierhäuser zweigeschossig und fünfachsig auf quadratischem Grundriß, alle mit Mansarddach; das nördl. Prinzen- und Marschallhaus in dieser Form ganz schlicht gehalten, die südl. urspr. mit Uhren im Dachbereich und kleiner Laterne mit Schweifhaube, nördl. und östl. an diese angebaut die eingeschossigen Flügelbauten. Im 19. Jh. und 20. Jh. mehrfache, nutzungsbedingte Veränderungen innen wie außen, seit 1994 im nordwestl. Bereich die meist zweigeschossigen einfachen Wohn- und Wirtschaftsgebäude teilweise rekonstruiert und zu Internatsschulbauten umgebaut sowie durch, bis auf die Aula, angepaßte Neubauten ergänzt.
Orangerie (3 ). Nach Krohnes Entwurf das zweigeschossige schlichte Gärtnerhaus von 1726 als Mittelteil der ab 1739 gebauten annähernd halbkreisförmigen Anlage beibehalten; die seitlichen, eingeschossigen Orangerieflügel (nördl. 1741/42, südl. 1746/47) mit anschließenden eineinhalbgeschossigen Eckpavillons, diese bis 1755 von Joseph Hochedlinger mit stuckierten und gemalten Muschelornamenten, Blattgehängen u. a. ausgestattet (nicht erhalten). Das Wegenetz des Binnenhofes kreuzförmig, im Zentrum ein Springbrunnen. Eckpavillons für gesellschaftliche Nutzung eingerichtet: Ausstattung mit Muschelornamentik, Blattgehängen u. a. durch Joseph Hochedlinger. Am südl. Flügel nach Osten weitere Pflanz- und Gewächshäuser angebaut, mehrfach verändert oder erneuert. 1820/21 Einbau einer holzbefeuerten, damals modern konstruierten Kanalheizung in allen Pflanzenhäusern. Als Kopfbau an deren Ende der, nach seinem Ziegelmauerwerk Roter Turm bezeichnete, Rundbau, 1818–21 von Coudray und Carl Friedrich Christian Steiner speziell für die Aufnahme von Fresken Adam Friedrich Oesers gebaut, die beim Abriß eines Pavillons im ehem. Garten des Wittumspalais erhalten wurden.
Park. Südl. des Schlosses in das Possental abfallendes Gelände, jenseits des Baches wieder zum Belvederer Forst ansteigend. Von der 1730 angelegten Menagerie, deren Zentrum das Lustschloß darstellte, von welchem im Süden das mehrstrahlige Wegenetz ausging, ist nichts erhalten geblieben. Den Quellen folgend dürfte sie mit der Fasanerie und dem dazugehörigen Tiergarten zu den bedeutendsten ihrer Art im deutschsprachigen Raum gezählt haben. 1739 bis etwa 1755 Errichtung der Orangeriegebäude (3) östl. des Schlosses, die damaligen Gartenanlagen dürften dem barocken Gestaltungswillen entsprechend wohl mit Gartenarchitekturen, exotischen Pflanzen, Irrgarten und ähnlichem ausgestattet gewesen sein. Der heutige Park zwischen 1811 und etwa 1850 unter den Hofgärtnern Johann Conrad Sckell, seinem Sohn Louis Sckell und später Carl Eduard Sckell entstanden. Das horizontal ausgerichtete System von geschwungenen Wegen den Hang zum Possenbach hinunter, der Parkraum von der Vielzahl der Pflanzenarten, dem Wechsel von Baum- und Buschgruppen, Freiflächen und Durchblicken geprägt. Die Wege führen immer wieder zu Schmuckplätzen, wie dem Gelehrtenplatz von 1818 mit Nachbildungen von Büsten Martin Gottlieb Klauers und gleichzeitigen Blickfängen wie Springbrunnen (4), verschiedenen Grotten (5–7) und einem sog. Schneckenberg (8). Westl. des Schlosses wurden 1810 auf Wunsch der Herzogin Maria Pawlowna ein russischer Garten (9) nach Petersburger Vorbild, 1823 das Naturtheater (10) und 1843 das Heckenlabyrinth angelegt.
Rokokomuseum (>>Schloß Belvedere). Porzellan, Fayencen, Möbel etc. aus den ehem. Herzoglichen Sammlungen.
Sammlung historischer Kutschen (>>Orangerie Schloß Belvedere).

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