BAUTZEN/BUDYŠIN
BAUTZEN/BUDYŠIN Kr. Bautzen – Inv.
Bautzen Stadt
Die Stadt liegt auf einer Hochfläche über dem tief eingeschnittenen Tal der
Spree, die den Burgfelsen und den Westteil der Stadt umfließt; am
Kreuzungspunkt zweier wichtiger Straßen, von denen eine von Erfurt nach
Breslau (Hohe Straße), die andere von Brandenburg nach Prag führt. Bereits
im 10. Jh. mehrere sorbische Siedlungen nahe der alten Milzenerburg
nachgewiesen (diese wohl an Stelle der späteren >> Ortenburg). Östlich
davon entstand an der Marktsiedlung eine Pfarrkirche (St. Johannis),
angeblich 999 geweiht, die älteste der Oberlausitz. 1002 die Siedlung
„Budusin“ von Thietmar von Merseburg erstmals erwähnt und als civitas bzw.
urbs bezeichnet (1868 offizielle Umbenennung in Bautzen); die Burg seit 1031
in deutschem Besitz. Eine erste planmäßige Erweiterung schloß sich östlich
bis zum
Reichenturm an. Um 1200 stadtartiger Zusammenschluß der verschiedenen
Siedlungen um Burg, Burglehn, Markt und Judenviertel, eingefaßt von einer
Mauer (innerer Mauerring). 1213 Verleihung des Stadtrechts durch König
Ottokar I. von Böhmen. Um 1218 Gründung des Kollegiatstifts St. Petri bei
der Johanniskirche durch Bischof Bruno II. von Meißen und um 1240 des
Franziskanerklosters an der Brüdergasse. Die Stadt wuchs über den inneren
Ring hinaus, es entstand ein zweiter Befestigungsring mit einer sieben Meter
hohen Mauer. Wirtschaftliche Grundlagen waren das metallverarbeitende
Gewerbe, die Tuchmacherei und Leinenweberei. 1284 wurde am Markt ein
Kaufhaus errichtet. Für die seit 1319 mit dem Bautzener Land wieder unter
böhmischer Herrschaft stehende Stadt wurde eine Trennung zwischen Rats- und
Schöffenkollegium angeordnet. 1346 Zusammenschluß von Bautzen, Görlitz,
Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau im Oberlausitzer Sechsstädtebund. 1355
erster Salzmarkt vor der Liebfrauenkirche. Ab 1391 mußten sechs der zwölf
Ratsmitglieder Handwerker sein. Unstimmigkeiten führten 1405 zum
Handwerkeraufstand; nach dessen Niederschlagung 1408 bis 1412 Entzug der
freien Ratskür und Aufhebung der Zunftprivilegien durch König Wenzel von
Böhmen. Im 15. Jh. die Nicolaikirche im Nordenund die Michaeliskirche im
Süden in das Befestigungssystem eingegliedert, das nun durch eine niedrigere
äußere Mauer mit Türmen und Basteien verstärkt wurde. Die noch heute das
Stadtbild beherrschenden Türme erfuhren zu dieser Zeit ihren steinernen
Ausbau mit Übergang von der viereckigen zur runden Form.
Die Stadt erlebte
eine wirtschaftliche Blüte: neben vorhandenen Gewerben nun auch
Papiererzeugung; 1472 Bau eines neuen, größeren Kaufhauses (Gewandhaus) mit
Ratswaage und städtischem Weinkeller. Seit dem 16. Jh. bestand ein
Kupferhammer. 1523 Einführung der Reformation, seit 1530 die Petrikirche als
Simultankirche genutzt. 1547 wurden der Stadt durch den sog. Pönfall (die
Oberlausitzer Städte verweigerten König Ferdinand, dem Bruder Kaiser Karls
V., die Unterstützung im Schmalkaldischen Krieg) alle Privilegien entzogen
(später z.T. zurückerworben). Während des 30jährigen Krieges bei der
Beschießung Bautzens 1620 durch Johann Georg I. von Sachsen 80% aller Häuser
zerstört, 1634 die ganze Stadt abgebrannt, 1639 abermals großflächig
verwüstet. Bereits 1635 Angliederung an Kursachsen; beide Konfessionen
konnten weiterhin nebeneinander existieren. 1686, 1709 und 1720 verursachten
große Stadtbrände erhebliche Zerstörungen. Im 17. und 18. Jh. entwickelte
sich ein kaufmännisches Patriziat, beherrscht von einigen Großkaufleuten.
Seit 1796 Abtragung der Befestigungswälle und Auffüllung der Gräben. In der
1. H. 19. Jh. Teile der Mauern und Basteien niedergelegt. Im 19. Jh.
zunehmende Industrialisierung und Anbindung an die Eisenbahn (1846
Eisenbahnlinie Dresden – Löbau). Außerdem entwickelte sich ein kulturelles
und politisches Zentrum der Sorben, 1912 Gründung der Domowina (Bund der
sorbischen Vereine). 1945 wurde ein Drittel der Stadt zerstört, darunter
auch Kirchen und Türme sowie alle Brücken. Nach einer ersten Aufbauphase
1971–76 und 1980–81 die Altstadt und besonders die Reichenstraße erneuert,
so daß Bautzen heute eines der schönsten alten Stadtbilder Sachsens
besitzt.
